| Sebastian Groth |
Die Taskforce Bahnhofsviertel hat das Ziel, die Münchner Innenstadt sicherer, sauberer und lebenswerter zu machen. Dafür ziehen Stadt, Polizei, Anlieger*innen und viele weitere Akteur*innen an einem Strang – mit Erfolg. Zunächst fand die Taskforce Lösungen für Sicherheitsstörungen im Alten Botanischen Garten, Leerstände und die Begleitumstände der Großbaustelle Hauptbahnhof. Inzwischen hat das Gremium auch im südlichen Bahnhofsviertel und im Nußbaumpark viel verändert. Gelungene Maßnahmen entwickelt sie ständig weiter und wendet sie auf neue Situationen an.
Ihr erster Einsatzort war der Alte Botanische Garten. Als sich dort 2024 Straftaten und Beschwerden von Anlieger*innen häuften, nahm die Taskforce Bahnhofsviertel unter der Leitung des Kreisverwaltungsreferats ihre Arbeit auf. Das Besondere: In diesem Gremium arbeiten nicht nur verschiedene städtische Referate und die Polizei eng zusammen, sondern auch Hilfsorganisationen, Gewerbetreibende und Anwohnende. Gemeinsam suchen sie nach Lösungen, um Sicherheit, Sauberkeit und Aufenthaltsqualität im Park zu verbessern.
Erfolgskonzept für den Alten Botanischen Garten
Die Maßnahmen dafür könnten vielfältiger kaum sein. Unter anderem hat das Baureferat Gehölze massiv zurückgeschnitten und die Beleuchtung verbessert. Der Park ist dadurch besser einsehbar. Außerdem wurden die Reinigungszyklen erhöht. Die Polizei hat eine Videoüberwachung installiert und führt regelmäßig gemeinsam mit dem Kommunalen Außendienst (KAD) Schwerpunkteinsätze vor Ort durch. Bei allen Maßnahmen sind die Mitarbeiter*innen der sozialen Arbeit eingebunden. Die Landeshauptstadt München hat das Budget für Streetwork deutlich aufgestockt. Zur Belebung des Parks tragen neue Sportangebote bei. Ein Fußballkleinspielfeld, ein Skatespot und eine Streetballanlage werden insbesondere von Jugendlichen gut angenommen. Außerdem bieten die Anlagen den benachbarten Schulen die Möglichkeit, diese Bewegungsangebote zu nutzen.
Im Frühling kam mit dem „Buchberg“ ein weiteres Angebot am Karl-Stützel-Platz hinzu. Aus Teilen eines ehemaligen Skilifts vom Buchberg bei Bad Tölz entstand ein Ort, der Gastronomie, Aufenthalt und Kultur verbindet. Im Alten Botanischen Garten trug der „Kult(ur)biergarten Neptunbrunnen“ auch in diesem Sommer wieder dazu bei, die Gegend zu beleben und ein vielfältiges Publikum anzusprechen. Genau aus diesem Grund hat die Taskforce dieses Projekt von Anfang an forciert und zu seiner Ermöglichung beigetragen.
Inzwischen ist der Alte Botanische Garten ein Ort, an dem sich die Münchner*innen wieder gerne aufhalten. Aber nicht nur die subjektive Sicherheit hat sich verbessert. Der Sicherheitsbericht der Polizei bestätigt, dass die Zahl der Straftaten innerhalb eines Jahres um 66 Prozent gesunken ist.
Gemeinsam hat die Taskforce hier viele Mosaiksteinchen gesetzt und damit die Grundlage für eine spürbare Erhöhung der Sicherheit und der Aufenthaltsqualität gelegt. Die enge Zusammenarbeit zwischen Stadt, Polizei und Anlieger*innen ist von entscheidender Bedeutung für die positiven Veränderungen. Nun behält das Gremium genau im Blick, wie sich die Situation entwickelt.

Das Buchberg bringt Gastronomie, Aufenthalt und Kultur auf den Karl-Stützel-Platz. Der Ort wurde aus alten Skiliftstützen gebaut.
Neuer Schwerpunkt im südlichen Bahnhofsviertel
Die Taskforce hat ihr bewährtes Konzept inzwischen auf andere Orte in der Innenstadt übertragen. Im vergangenen Herbst hat sie ihren Schwerpunkt ins südliche Bahnhofsviertel verlegt, um dort negativen Entwicklungen entgegenzuwirken, die insbesondere im Zusammenhang mit der Großbaustelle Hauptbahnhof stehen.
Dort häufen sich Tabledance-Bars, Spielhallen und Sportwettbüros, was das subjektive Sicherheitsbedürfnis beeinträchtigt. Der Kommunale Außendienst kontrolliert inzwischen auch im Inneren der Spielhallen – gegebenenfalls zusammen mit der Polizei. Außerdem hat die Landeshauptstadt den Freistaat aufgefordert, die rechtlichen Rahmenbedingungen für Spielhallen und Sportwettbüros zu verschärfen. An die Eigentümer*innen appelliert die Taskforce, bei der Vermietung ihrer Objekte auf eine für das Viertel verträgliche Nutzung zu achten.
Mit den Betreiber*innen von Tiefgaragen und Parkhäusern sowie Eigentümer*innen von Hinterhöfen hat sich die Taskforce zum Ortstermin getroffen, um diese Orte unter anderem durch Renovierung, häufigere Reinigung, Beleuchtung und Videoüberwachung sauberer und sicherer zu machen. Für Bauzäune entstanden ein neues Gestaltungskonzept und Auflagen zur Sauberkeit, die das Bild der Baustellen im Viertel vereinheitlichen und die Akzeptanz der Bevölkerung für die Bauprojekte steigern sollen. Das Baureferat hat die Straßenreinigung intensiviert.
Da im südlichen Bahnhofsviertel soziale Einrichtungen wie das Begegnungszentrum D3 sowie der Drogennotdienst und das Suchthilfezentrum L43 wichtige soziale und gesundheitliche Angebote machen, möchte die Taskforce die Arbeit dieser Einrichtungen langfristig sichern und die Streetwork des Gesundheitsreferats stärken.
Pilotversuch in der Goethestraße
Auch im südlichen Bahnhofsviertel bindet die Taskforce Anlieger*innen eng in ihre Entscheidungen ein. Denn bis der neue Hauptbahnhof fertiggestellt ist, sind kreative Ideen gefragt, um die Aufenthalts- und Lebensqualität im Viertel zu steigern und das Sicherheitsgefühl zu erhöhen. In der Goethestraße arbeitet die Stadt zusammen mit Anwohner*innen und Gewerbetreibenden an einem Pilotprojekt, um die Straße attraktiver zu gestalten.
Geplant ist, dem Fuß- und Radverkehr mehr Platz einzuräumen und die Aufenthaltsqualität und Nutzungsvielfalt durch temporäre Maßnahmen zu verbessern. Dafür werden die bisherige baustellenbedingte Einbahnregelung beibehalten und der Radverkehr in Fahrtrichtung und Gegenrichtung auf die Fahrbahn gelegt. Die heutigen, ohnehin zu schmalen Radwege werden dem Gehweg zugeschlagen. Außerdem sollen in Zukunft Lieferzonen, Freischankflächen und Schanigärten entstehen, und die Stadt stellt mobile Bäume auf. Die Umgestaltung beginnt in den kommenden Monaten.
Fahrradparken, Kiss-and-Ride und Fußgängerleitsystem am Hauptbahnhof
Durch den Neubau des Hauptbahnhofs entfallen viele bisherige Parkmöglichkeiten für Fahrräder. Das Mobilitätsreferat hat deshalb ein neues Fahrradparkhaus an der Hirtenstraße eröffnet und zusätzliche Stellplätze rund um den Bahnhof geschaffen. Um Flucht- und Gehwege freizuhalten, entfernen die Deutsche Bahn und die Stadtwerke München regelmäßig E-Tretroller und Fahrräder, die auf dem nördlichen Bahnhofsvorplatz abgestellt oder in unmittelbarer Nähe der Trambahngleise angeschlossen wurden. Für Autos entstehen in der Arnulfstraße und der Bayerstraße sogenannte Kiss-and-Ride-Parkplätze, die ein schnelles Absetzen und Aufnehmen von Reisenden am Bahnhof ermöglichen.
Die Taskforce hat außerdem den ersten Teil eines Leitsystems angebracht, das Reisende zu Fuß vom Hauptbahnhof in die Innenstadt führt. Aufgrund der Baustellensituation ist der Weg gerade für Tourist*innen und Ortsfremde nicht sofort ersichtlich. Auf den Gehweg angebrachte Markierungen weisen nun den Weg.

Wer das eigene Fahrrad am Hauptbahnhof abstellen möchte, findet im neuen Parkhaus an der
Hirtenstraße ausreichend Platz.
Belebung, Sicherheit und Sozialarbeit im Nußbaumpark
Inzwischen richtet die Taskforce ihren Blick verstärkt auf den Nußbaumpark, wo die Interessen von Anwohnenden, Gewerbetreibenden und Suchtkranken aufeinandertreffen. Geplant ist unter anderem eine Umgestaltung des Parks, um ihn zugänglicher zu machen und besser an die Umgebung anzubinden. Ähnlich wie am Karl-Stützel-Platz sollen Sportangebote entstehen: ein Streetballbereich sowie ein inklusiver und differenzierter Fitnessbereich für Jugendliche, Erwachsene und Senior*innen. Der vorhandene Kinderspielplatz wird in das Angebot integriert. Bereits jetzt belebt ein Foodtruck den Park.

Ein neuer Foodtruck belebt seit dem Frühling den Nußbaumpark. Die Taskforce hat das Projekt
unterstützt.
Die Polizei führt regelmäßig Schwerpunktkontrollen und Konzepteinsätze durch und wird künftig auch im Nußbaumpark mobile Videotürme platzieren. Gleichzeitig baut die Taskforce soziale Angebote weiter aus. Im Netzwerk Nußbaumpark unter der Leitung des Sozialreferats arbeiten Sozialarbeit, Drogenhilfe, Verwaltung, Polizei, Kirche und weitere Partner*innen regelmäßig zusammen. kontinuierliche Bürger*innendialoge geben wichtige Impulse für die weitere Entwicklung.
Was die Taskforce im Alten Botanischen Garten gelernt hat, setzt sie im Nußbaumpark fort. Anwohner*innen, Gewerbetreibende, Vereine, Sozial- und Hilfsorganisationen lädt sie regelmäßig zum Austausch ein. Entstanden ist ein Paket, mit dem das Gremium die Lage für alle Nutzer*innengruppen im und am Park verbessern will.
Der Autor:
Sebastian Groth ist Jurist und stellvertretender Leiter des Kreisverwaltungsreferats. In dieser Funktion leitet er seit 2024 im Auftrag des Münchner Oberbürgermeisters die Taskforce Bahnhofsviertel.
Dieser Text stammt aus dem Online-Magazin STANDPUNKTE 10./11./12.2026 „Abbruch, Umbruch, Aufbruch – Das Münchner Bahnhofsviertel“
Bildquellen:
- Auf dem Karl-Stützel-Platz ist eine rund 150 Quadratmeter große Skateanlage entstanden, die bei Jugendlichen gut ankommt.: Michael Nagy / Skateanlage Presseamt
- Das Buchberg bringt Gastronomie, Aufenthalt und Kultur auf den Karl-Stützel-Platz. Der Ort wurde aus alten Skiliftstützen gebaut.: CorinnaBöck / MünchnerKultur
- Wer das eigene Fahrrad am Hauptbahnhof abstellen möchte, findet im neuen Parkhaus an der Hirtenstraße ausreichend Platz.: DebnerAngermann / Mobilitätsreferat
- Ein neuer Foodtruck belebt seit dem Frühling den Nußbaumpark. Die Taskforce hat das Projekt unterstützt.: Kreisverwaltungsreferat




