| Annette Schemmel |

Der Leistungskurs Kunst vom Theresien-Gymnasium München, einem sprachlichen Gymnasium nahe des Goetheplatzes, wurde für seine Projektvorschläge zum Thema Hitzeschutz ausgezeichnet. Jetzt ist wieder alles offen: Schaffen es die zuständigen Stellen, unsere Vorschläge für den Schulhof baulich umzusetzen, bevor die nächste Hitzewelle uns überrollt? Werden die Schüler:innen ernst genommen, gelingt ihre Partizipation an Klimaanpassungsmaßnahmen an ihrer Schule?

In heißen Klassenzimmern brüten, Asphaltschmelze auf dem Pausenhof, Wasserknappheit, Gießverbot: Dass der Sommer wieder heiß werden würde, war angesichts der spürbaren Klimaerwärmung der letzten Jahre absehbar. Deswegen hatte sich der Leistungskurs Kunst schon seit dem Frühjahr mit dem Thema Hitzemanagement befasst – im Rahmen des Architekturhalbjahres, das der Kunstlehrplan vorsieht.

Inspiration aus den Architekturdebatten der Großstadt

Mathilda Prangel: Blaue Oasen für die Innenstadt: Brunnen als kühle Erholungsorte

Mathilda Prangel: Blaue Oasen für die Innenstadt:
Brunnen als kühle Erholungsorte

 

 

Die Idee kam bei der Veranstaltung „Eure Forschung. Unsere Stadt“ des Münchner Forums auf, die wir im März im Schnitzer& Studio besucht haben. An diesem unterhaltsamen Abend zeigten Studierende der Münchner Hochschulen ihre Visionen zur Stadtplanung; die Themen reichten von den messbaren Auswirkungen des Tempolimits auf dem Stadtring über städtischen Sharing-Kulturen bishin zur Umnutzung des Kaufhauses am Rotkreuzplatz. Konkret wie sie waren, waren diese Forschungen für die Schüler:innen gut nachvollziehbar. Dies galt auch für die baulichen Finessen des neuen Wilhelm-Hausenstein-Gymnasiums, durch das uns wenig später Stefanie Fuchs von Bimbach und Florian Braun aus dem Münchner Baureferat führten.

 

Zurück in der Schule, stellten wir fest, dass Klimaschutz und Hitzemanagement in jedem dieser Projekte eine Rolle gespielt hatten. Um zusätzlich die besonderen Perspektiven der Innenstadt-Jugendlichen ins Spiel zu bringen, folgte ein Brainstorming: Was muss passieren, damit die Stadt im Sommer erträglich bleibt? Unter dem Motto „Staying cool“ entstanden dann vielfältige Modelle sowie digitale und analoge Collagen, an denen wir über Wochen hinweg gebastelt haben. Drei der Beiträge beziehen sich auf unser Schulhaus, die anderen auf städtische Orte, einige sind hier zu sehen.

Ein Wettbewerbsgewinn schürt Erwartungen

Die digitale Abgabe ihrer Beiträge für den Wettbewerb „Stadt gestalten“, mitsamt Erklärungstexten, Fotos ihrer Entwürfe und mit den verschiedenen Einverständniserklärungen, war für die Schüler:innen eine Herausforderung. Die analogen Modelle balancierten auf dem Fahrradkorb der Kunstlehrerin in den PlanTreff an der Blumenstraße, wo sie bald in einer toll aufbereiteten Ausstellung präsentiert werden sollten. Und dann machten es die städtischen Wettbewerbsverantwortlichen spannend: Bis zum Vormittag der Preisverleihung hielt man die Jury-Entscheidung geheim. Umso größer war die Begeisterung der Schüler:innen, als am 6. Juli im Hof des PlanTreff die Auszeichnung der Gesamtheit der Arbeiten des Leistungskurses bekanntgegeben wurde – mit dem ersten Preis, der mit 900.- Euro in bar dotiert war.

Nuria Losonsky: Coolombra – Hitzeprävention und buntes Lichtspiel in der Fußgängerzone

Nuria Losonsky: Coolombra – Hitzeprävention und
buntes Lichtspiel in der Fußgängerzone

Unser heißer Pausenhof braucht Abkühlung

Hoffnung auf konkrete Verbesserungen machen diejenigen unter den zehn prämierten Schülerarbeiten, die sich auf unsere Schule beziehen, also auf eines der ältesten Gymnasien in München. Die knappe Fläche, die man 1892 als Pausenhof für angemessen hielt, hat Hitzeanpassungsbedarf. Auch an kühlen Tagen konkurrieren dort viele Bedürfnisse, zum Beispiel diejenigen von Fuß- und Basketballspieler:innen mit gemütlich auf der Sportplatzfläche ratschenden Pausenbrotesser:innen, oder die Spazierrouten der BFFs mit zusammengerotteten Teenagern, die aufgeregt ihre Klausurergebnisse debattieren und dabei in Rangeleien ausbrechen. Daneben müssen andere Schüler:innen noch Stoff nachholen oder ein Referat vorbereiten und beugen sich dazu über Bücher und Laptops.

Die wenigen mittelgroßen Linden, die entlang des Sportplatzes über Eck stehen, sind eindeutig überfordert damit, den 700 Schüler:innen Schatten zu spenden. Jede:r Sechstklässler:in weiß aus Erfahrung, dass es besonders beim Fußballtor vor dem Turnhallengebäude drückend heiß wird, aber lediglich die Oberstufe hat die Erlaubnis, sich in den kleinen Schulgarten neben dem Lehrerparklatz zu flüchten. Die restlichen Jugendlichen drücken sich dann im Schatten entlang der Mauern oder in der überfüllten Cafeteria.

Flora Fehr: Urbane Renaturierung – Der westliche Stadtgrabenbach

Flora Fehr: Urbane Renaturierung – Der westliche
Stadtgrabenbach

Ideen zur Hitzevorsorge und Unterstützung bei der Hitzeanpassung

Theresa Kurz: „Der Pausenhof des denkmalgeschützten Theresien-Gymnasiums ist von drei Hauswänden umgeben: der neubarocken Rückfassade des Originalbaus aus der Jahrhundertwende und den neueren Gebäudeteilen Cafeteria und Turnhalle. Deren Architektur ist rein funktional. Der Pausenhof, zum Teil asphaltiert, zum Teil mit Gummimatten gepflastert, heizt sich im Sommer stark auf: Die Gebäude hemmen kühlende Luftzüge und Hauswände und Boden reflektieren die Hitze.

Mein vertikaler Garten an der nördlichen Fassade der Turnhalle schafft hier Abhilfe und wertet diese optisch auf. Vor allem aber schafft er ein Mikroklima, das die sommerlichen Temperaturen auf dem Pausenhof reduziert. Der vertikale Garten mildert dadurch lokal die Folgen des Klimawandels. Gleichzeitig trägt er dazu bei, dessen Ursachen zu bekämpfen: Die Biomasse der Pflanzen speichert CO2, und sie kann im Winter leicht isolierend wirken, sodass dieser Gebäudeteil weniger beheizt werden muss. Der vertikale Garten fördert zudem innerstädtisch Biodiversität, indem er Insekten ein Habitat bietet. Schüler:innen können in der Pause und beim Blick aus dem Fenster auf das Grün und Bunt des Gartens Stress abbauen und im Biologieunterricht dort Fauna und Flora beobachten“.

Anlässlich der Preisverleihung im PlanTreff wurde uns in Aussicht gestellt, dass die Umsetzung dieser Fassadenbegrünung ebenso denkbar sei wie Hannes Spohrs Entwurf:

Entwurf Hannes Spohr

Entwurf Hannes Spohr

Hannes Spohr: „Für mein Projekt habe ich eine unbenutzte Fläche der Schule ausgesucht: Ihre schattige Lage unter hohen Bäumen im Norden des Schulgebäudes bietet den perfekten Ort für eine kühle Pause. Vier halbrund angeordnete Tribünen, ausgerichtet zur fensterlosen Schulfassade, bieten Entspannungsflächen und bilden gemeinsam einen Abschluss zur Beethovenstraße. Ihre Treppen bestehen aus recyceltem Plastik. Auch für Unterricht im Rahmen des grünen Klassenzimmers könnten diese Tribünen künftig genutzt werden. Die Holzpfähle, die zwischen den Tribünen aufragen, verstärken das Gefühl eines Waldes und der Abgeschiedenheit vom Stadtraum.“

Partizipation von Jugendlichen an der Stadtgestaltung Wirklichkeit werden lassen

Die Nachricht über den Wettbewerbsgewinn und die Aussicht darauf, dass unsere Pausen im Sommer erträglicher werden könnten, hat schulintern große Freude ausgelöst. Davon ließen sich auch die Eltern anstecken – darunter ist mit Susanne Grillmeier eine Stadtplanerin im Referat für Stadtplanung und Bauordnung, Abteilung Stadtsanierung. Auch der Vizepräsident des Bayerischen Landtags Markus Rinderspacher hat uns sein Lob übermittelt. Die Ideen der Schüler:innen stoßen also überall auf Zustimmung – kein Wunder angesichts der Hitze der letzten Monate, die uns allen noch in den Knochen steckt. Damit unsere Entwürfe kühlende Realität auf dem Pausenhof werden können, bedarf es aber einer Koordination der verschiedenen zuständigen Stellen, vom Baureferat über den Bezirksausschuss bis zur Zentralen Immobilienverwaltung. Ob diese Abstimmung gelingt?
Ebenso wichtig wie die Kühleffekte rund um den Pausenhof erscheint mir die Möglichkeit, unseren 700 Schüler:innen Mut zu machen, dass die Klimakrise noch zu bewältigen ist. Eine zeitnahe Umsetzung der Maßnahmen könnte bei ihnen Vertrauen in die Zukunft aufbauen, denn sie würden daraus gleich mehrere positive Botschaften ziehen, wie zum Beispiel: Unsere Bedürfnisse als Jugendliche werden wahrgenommen, sie sind bedeutsam; wenn wir uns engagieren und (über die Schule hinaus) Vorschläge einbringen, werden diese ernst genommen; die Verantwortungsträger lassen sich auf unsere Gestaltungsideen ein und unterstützen diese mit ihrem Erfahrungswissen.

Wenn es uns als Erwachsenen gelänge, solche Botschaften glaubhaft rüberzubringen, weil wir den Auslobungen, Versprechen und Anreizen eines Wettbewerbs sichtbare Taten folgen lassen: Wie cool wäre das denn!

Jasmin Corba: Ein nachhaltiger Begegnungsort, Begrünung des Daches unserer Schulturnhalle

Jasmin Corba: Ein nachhaltiger Begegnungsort,
Begrünung des Daches unserer Schulturnhalle

Die Autorin:
Annette Schemmel ist Kunstpädagogin, Kuratorin und Kunsthistorikerin. Sie unterrichtet am Theresien-Gymnasium München und an der Akademie der Bildenden Künste München.

 

Dieser Text stammt aus dem Online-Magazin STANDPUNKTE 10./11./12.2026 „Abbruch, Umbruch, Aufbruch – Das Münchner Bahnhofsviertel“ 

 

Bildquellen:

  • 1. Platz: „Staying cool – Hitzemanagement in der Innenstadt und am Theresien-Gymnasium“, Der Preis wurde überreicht von Stadtbaurätin Elisabeth Merk und Stadtschulrat Florian Kraus.: LHM
  • Mathilda Prangel: Blaue Oasen für die Innenstadt: Brunnen als kühle Erholungsorte: Mathilda Prangel
  • Nuria Losonsky: Coolombra – Hitzeprävention und buntes Lichtspiel in der Fußgängerzone: Nuria Losonsky
  • Flora Fehr: Urbane Renaturierung – Der westliche Stadtgrabenbach: Flora Fehr
  • Entwurf Hannes Spohr: Hannes Spohr
  • Text Jasmin Corba: Ein nachhaltiger Begegnungsort, Begrünung des Daches unserer Schulturnhalle: Jasmin Corba
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