Keine Träumerei, sondern eine notwendige und realisierbare Antwort auf die stadtklimatischen Entwicklungen
| Elisabeth Kornell |
München steht vor einer der größten Herausforderungen seiner jüngeren Stadtentwicklungsgeschichte: die Anpassung an die immer häufiger und extremer werdenden Hitzeperioden. Bereits heute sind Tagestemperaturen von über 35 Grad Celsius in der dicht bebauten und stark versiegelten Innenstadt keine Ausnahme mehr, während tropische Nächte die Erholung der Menschen, Tiere und Natur kaum möglich machen. Was früher als Ausnahme galt, wird zunehmend zum Normalzustand. Zu einer beängstigenden Normalität ist auch geworden, dass die Höchstwerte nahezu jährlich überschritten werden: Am Marienplatz waren in diesem Sommer über 58 Grad Celsius zu verzeichnen! Stadtklimatische Untersuchungen weisen seit Jahren auf die ausgeprägte Wärmeinsel im innerstädtischen Bereich hin. Hitze ist damit nicht mehr nur ein Umweltproblem, sondern eine zentrale Frage von Gesundheit, Aufenthaltsqualität, sozialer Gerechtigkeit und städtebaulicher Zukunftsfähigkeit. Die Anpassung des öffentlichen Raums an diese Entwicklung gehört heute zu den dringendsten Aufgaben kommunaler Planung.

Aktueller Zustand der Sonnenstraße
Der Munich Central Park ist eine städtebauliche Vision für die klimaresiliente Entwicklung der Münchner Innenstadt. Das vom BUND Naturschutz entwickelte Konzept sieht vor, den heutigen westlichen Altstadtring zwischen Sendlinger Tor, Stachus, Lenbachplatz und Platz der Opfer des Nationalsozialismus von einer verkehrsdominierten Stadtautobahn zu einem zusammenhängenden innerstädtischen Parkraum umzubauen. Auf rund 5,5 Hektar könnte ein durchgehendes grünes Band entstehen, das bestehende Grünflächen miteinander vernetzt, Aufenthaltsqualität schafft, die Folgen zunehmender Hitzeperioden abmildert und zugleich Raum für nachhaltige Mobilität bietet. Dass gleichzeitig Trambahn und Radverkehr mehr Platz bekommen und selbst alle bestehenden Straßenanbindungen erhalten werden können, hört sich unglaublich an – kann aber zur Realität werden!
Seit die Idee des Munich Central Park im Jahr 2022 vom BN München vorgestellt wurde, hat sich die Debatte um die Zukunft des westlichen Altstadtrings deutlich weiterentwickelt. Die Frage, wie München auf zunehmende Hitze, Trockenheit und Starkregen reagieren soll, ist längst vom Randthema in die Mitte der Stadtgesellschaft gerückt. Gleichzeitig zeigen die vergangenen Sommer mit ihren immer häufigeren und längeren Hitzeperioden, dass Anpassungsmaßnahmen eine unumstößliche Gegenwartsaufgabe sind.
Der BUND Naturschutz München verfolgt die Vision des Munich Central Park deshalb weiterhin mit Nachdruck. Wir werben für das Konzept in zahlreichen Gesprächen, Veranstaltungen und Fachforen und bringen die Idee aktiv in die stadtpolitische Diskussion ein. Dabei stehen wir im Austausch mit Stadträtinnen und Stadträten unterschiedlicher Fraktionen, mit den zuständigen Referaten der Landeshauptstadt München sowie mit weiteren wichtigen Akteurinnen und Akteuren der Stadtentwicklung und Infrastruktur. Ziel dieser Gespräche ist es, aus einer Vision eine realistische Perspektive für die Münchner Innenstadt zu entwickeln. Leider zeichnen sich auch aktuell keine konkreten Umbaupläne in Richtung unserer Vision von Seiten der Stadt ab.
Zwar wurden in den vergangenen Jahren an verschiedenen Stellen des Altstadtrings Begrünungsmaßnahmen umgesetzt und Flächen entsiegelt, doch gemessen an der Größenordnung der klimatischen Herausforderung reichen punktuelle Verbesserungen allein nicht aus. München braucht zusätzlich mutige, strukturelle Projekte, die das Stadtklima dauerhaft verbessern und die Innenstadt auf die kommenden Jahrzehnte vorbereiten.
Es zeigt sich zunehmend, dass viele der Herausforderungen, vor denen München heute steht, durch den Munich Central Park gleichzeitig adressiert werden könnten: Klimaanpassung, Aufenthaltsqualität, Gesundheitsschutz, Stadtbegrünung, Verkehrsberuhigung sowie die Steigerung der Attraktivität der Innenstadt. Die Diskussion dreht sich deshalb längst nicht mehr nur um einen Park, sondern um die Frage, wie eine lebenswerte und auch unter den Bedingungen des Klimawandels nutzbare Innenstadt im Jahr 2040 oder 2050 aussehen soll.
Die aktuellen Hitzeperioden verdeutlichen die Dringlichkeit dieser Diskussion. Während sich Asphalt und versiegelte Plätze tagsüber massiv aufheizen und die Wärme bis weit in die Nacht speichern, wirken Bäume, Grünflächen und unversiegelte Böden als natürliche Klimaanlagen. Wer, wie die meisten Menschen, keinen eigenen Garten besitzt, ist für Erholung, Abkühlung und Aufenthalt im Freien auf öffentlich zugängliche Grünräume angewiesen. Aus stadtklimatologischer Sicht liegt die besondere Stärke des Munich Central Park deshalb nicht allein in der Schaffung zusätzlicher Grünflächen, sondern in deren räumlicher Vernetzung. Durch die Verbindung von Nussbaumpark, Altem Botanischen Garten, Maximiliansplatz und weiteren Grünräumen könnte ein zusammenhängender innerstädtischer Kühlkorridor entstehen. Großkronige Bäume reduzieren die Strahlungsbelastung durch Verschattung, während Vegetation und unversiegelte Böden über Verdunstungskühlung die Umgebungstemperaturen senken, Regenwasser speichern und die nächtliche Abkühlung fördern. Der Munich Central Park hätte damit Wirkung weit über seine eigenen Grenzen hinaus. Er könnte die thermische Belastung im Umfeld von Sonnenstraße, Stachus, Sendlinger Tor und Lenbachplatz spürbar reduzieren und als klimatische Entlastungsfläche für große Teile der Altstadt fungieren. In Zeiten zunehmender Hitze wäre ein solcher Park daher nicht nur ein städtebaulicher Gewinn, sondern ein wichtiger Baustein der kritischen Infrastruktur einer klimaangepassten Stadt.
Genau deshalb ist der Munich Central Park aktuell. Die Vision eines durchgehenden grünen Bandes vom Sendlinger Tor über Stachus und Lenbachplatz bis zum Maximiliansplatz ist keine nostalgische Träumerei, sondern eine konkrete Antwort auf die Herausforderungen des Klimawandels. Was vor wenigen Jahren noch als ambitionierte Idee erschien, wirkt angesichts der heutigen Temperaturen und der Klimaprognosen notwendiger denn je.
Die entscheidende Frage lautet daher nicht mehr, ob München mehr Platz für Grün braucht. Die entscheidende Frage ist, wie schnell wir bereit sind, ihn zu schaffen
Die Autorin:
Elisabeth Kornell ist die Leiterin der Projektstelle Nachhaltige Mobilität des BN München.
Dieser Text stammt aus dem Online-Magazin STANDPUNKTE 10./11./12.2026 „Abbruch, Umbruch, Aufbruch – Das Münchner Bahnhofsviertel“
Bildquellen:
- Visualisierung Munich Central Park: BN München
- Aktueller Zustand der Sonnenstraße: BN München




