Münchens „Bauch“ schrumpft und verschlankt: Die städtischen Versorgungseinrichtungen des Schlachthofs nördlich und des Großmarkthallen-Areals südlich des ehemaligen Südbahnhofs am Bahn-Südring verlieren Aufgaben an die international organisierten Handelskonzerne; sie kontrollieren die Lebensmittelherstellung und verleiben sich alle Produktions- und Vertriebsstufen schrittweise ein. Das zwangsläufige Händlersterben auch in München gibt Handelsflächen frei – und bietet Platz für neue Nutzungen: Der Großmarkt in Sendling soll sich, nach dem Willen des Stadtrats, in eine einzige gigantische Halle entlang der Schäftlarnstraße zurückziehen, über der sich ein Bürogebirge erheben soll, das – da in privater Hand errichtet – zur Gegenfinanzierung der Halle dient. Das verbleibende, nach Westen gerichtete Areal könnte samt den denkmalgeschützten Gebäuden ein Nukleus für eine neue Stadtteilmitte Sendlings sein. Im Anschluss im Süden, auf dem Bauhof der Stadtwerke (SWM) entsteht derzeit das Ausweichquartier für den sanierungsfälligen Gasteig-Kulturtempel. Für Sendling vielleicht eine Chance, dass auch nach der Gasteig-Sanierung an dieser Stelle Platz für kulturelle Vielfalt bleibt.

Das aufgelassene Viehhofgelände in der Isarvorstadt bietet dem Neubau des Münchner Volkstheaters eine neue Heimat und darüber hinaus viel Platz für Wohnen, Gewerbe und Grün. Noch finden hier vielfältige „alternative“ Nutzungen vor allem für und durch junge Menschen Raum. Für den Schlachthofstandort in unmittelbarer Nachbarschaft gibt es eine Bleibe-Garantie – noch.

Wir befassen uns in diesem Heft mit einem riesengroßen innerstädtischen Areal südlich des Stadtzentrums zwischen Theresienwiese und Isar, das sich in den nächsten Jahren und Jahrzehnten erheblich wandeln wird. Es befindet sich ausschließlich in städtischem Grundeigentum. Es bietet damit eine der letzten, vermutlich die letzte Chance, hier den Wandel systematisch, abgestimmt, mit Augenmaß und unter Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger planvoll zu gestalten. Anzeichen lassen allerdings befürchten, dass die Stadtpolitik auch hier auf ihre Möglichkeiten verzichtet und das Einschlagen von Eckpflöcken privaten Investoren überlässt. – Vielleicht entstehen wieder, wie so oft, Handlungszwänge, bevor Stadtpolitik und Bürgerschaft ihre vielfältigen Gestaltungsmöglichkeiten überhaupt erkannt haben.

 

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Viehhofareal

Hilfe, der Viehhof wird verkauft!

‚Der Viehhof wird verkauft, damit die Stadt Geld zur Verfügung hat, um die Großmarkthalle zu sanieren!‘ – Diese Horrormeldung hatte uns vom Bezirksausschuss 2 – Ludwigsvorstadt-Isarvorstadt aufgerüttelt. Gerade erst hatte wieder mal die Gentrifizierung zugeschlagen...

Bildquellen:

  • Viehhof_Beitragsbild: Franz Schiermeier
  • Beitragsbild_Großmarkt_M: Huifang Luo