Plätze, Passagen, Arkaden stehen im Mittelpunkt dieser Standpunkte-Ausgabe – repräsentativ für den Öffentlichen Raum, der im Fokus des Interesses seit Bestehen des Münchner Forums steht. Plätze, Passagen, Arkaden sind Teil des Straßennetzes der Stadt, das heute immer noch hauptsächlich an den Bedürfnissen des motorisierten Verkehrs ausgerichtet ist: Plätze bilden hauptsächlich die Knoten, Drehscheiben und Verteiler des motorisierten Verkehrs; Passagen wirken wie Reminiszenzen aus vergangener Zeit und werden nur noch als Namensgeber für Konsumtempel verwurstet. Arkaden werden zum Vorraum für Schaufensterfronten degradiert und dürfen – wie im Falle der Alten Akademie – mit politisch-planerischem Segen zugunsten von Verkaufs- und Schauflächen ganz verschwinden, wenn der energische Investor es nur will.

Dabei zeigen nicht zuletzt die Pandemie-Maßnahmen, wie wichtig der öffentliche städtische Raum und die Nahmobilität plötzlich geworden sind. In einer entschleunigten Stadt der Mobilitätsvielfalt, die dem nicht-motorisierten Verkehr – dem Gehen, dem Spazieren und Flanieren, auch dem Radverkehr – wieder den Stellenwert einräumt, der ihm gebührt, können Plätze, Passagen, Arkaden so viel mehr sein: Plätze – kontemplative Aufenthaltsorte, gestaltete Identifikationsorte, Treffpunkte für Bewohner und Besucher, Ausgangspunkte für Stadtentdeckungen; Arkaden – bevorrechtigte Wege für Fußgänger, ob jung oder alt, und zugleich ihre Schutzräume entlang von Häuserfronten, wo Gehen und Stehen und Ratschen und Schauen gleichermaßen möglich ist; Passagen – vielfältige Angebote für ein Durchstreifen der Stadt auf immer neu zu entdeckenden Pfaden. Für eine Mobilitätspolitik im Klimawandel sind Plätze, Passagen und Arkaden wesentliche Gestaltungselemente des öffentlichen Raums. München sollte, München muss davon ausgiebig Gebrauch machen. Dieses Heft bietet Beispiele dafür, wie man es macht oder machen könnte – und vieles mehr.

 

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Bebauungsplan Nr. 12b: Oskar-von-Miller-Ring, Brienner-, Türken-, Gabelsbergerstraße

Passagen – Ein städtebaulicher Luxus-Artikel?

Passagen und Durchgänge schaffen wertvolle, individuelle urbane Qualität. Sie sind kein „Luxus-Artikel“, auch wenn ihre Planung und rechtliche Durchsetzung hohen Aufwand seitens der Administration erfordert. Denn es geht um die schwierige Aufgabe, öffentliche...

Ölgemälde von Adolf Menzel: Piazza d'Erbe in Verona

Platz nehmen in der Stadt

Es muss gute Gründe geben, Plätze in der Stadt freizulassen. Sind sie doch als zentral gelegene, gut erschlossene Flächen unbebautes, wertvolles Bauland? Die durchsetzungsfähigsten Gründe sind zumeist die, die Notwendigkeiten geschuldet sind: funktionalen...

Gehen, Spazieren, Flanieren fördern

Vielfalt des Gehens für die Mobilitätswende nutzen Die Strategien für eine nachhaltige Verkehrswende setzen vorrangig auf Verbesserungen bei Öffentlichem Verkehr (ÖV) und Fahrradinfrastruktur (pull) sowie Restriktionen beim Autoverkehr (push). Demgegenüber werden...