Angesichts zunehmender Trockenheit und hoher Temperaturen ruft die Landeshauptstadt München regelmäßig zum sparsamen Umgang mit Trinkwasser auf. Solche Appelle sind sinnvoll und angesichts des Klimawandels notwendig. Die Herausforderungen der Wasserversorgung reichen jedoch weit über kurzfristige Sparmaßnahmen hinaus.

Das Münchner Forum beschäftigt sich seit Jahrzehnten mit den unterschiedlichen Aspekten des Themas: Trinkwasserversorgung, Grund- und Tiefengrundwasser, Isar, Stadtentwässerung sowie der nachhaltigen Bewirtschaftung der Wasserressourcen in einer wachsenden Stadt.

Einen Schwerpunkt bildete die Standpunkte Ausgabe 7./8./9.2023 „Wasser in der Stadt“. Die Beiträge befassen sich mit Hochwasser und Starkregen, der Bedeutung des Wassers für die Stadtentwicklung, den Münchner Stadtbächen sowie insbesondere mit der Trinkwasserversorgung. Sie zeigen, dass Münchens Wasserversorgung eng mit den Regionen verbunden ist, aus denen das Trinkwasser stammt. Damit geht es nicht nur um technische Fragen, sondern auch um ökologische und politische Rahmenbedingungen sowie um die Interessen der Menschen in den Wassergewinnungsgebieten.

Vor diesem Hintergrund genügt es nicht, an heißen Sommertagen zum Wassersparen aufzurufen. Erforderlich ist eine langfristige Strategie für den Schutz und die Nutzung der Wasserressourcen. Dazu gehört auch ein transparenter Blick auf die Entnahme von Grund- und Tiefengrundwasser sowie auf die Nutzung durch private Haushalte, Landwirtschaft, Gewerbe und Industrie. Die Debatte sollte alle relevanten Nutzergruppen einbeziehen und sich nicht allein auf den privaten Verbrauch konzentrieren.

In diesem Zusammenhang stellt sich auch die Frage nach der industriellen Nutzung von Tiefengrundwasser. Historisch bestanden in München Vereinbarungen, die bestimmten Unternehmen die Nutzung von Wasser für betriebliche Zwecke ermöglichten. Es wäre daher eine wichtige Aufgabe, transparent zu machen, welche Regelungen heute noch gelten, welche Mengen tatsächlich entnommen werden und ob die damaligen Voraussetzungen unter den Bedingungen der Klimakrise weiterhin Bestand haben können.

Wasser ist jedoch mehr als Trinkwasser. Bereits die Ausgabe Standpunkte 10./11./12.2021 „Die Isar in München – ein urbaner Natur- und Erholungsraum“ zeigte die ökologische und gesellschaftliche Bedeutung der Isar. Das Münchner Forum begleitet seit vielen Jahren die Entwicklung des Flusses, informiert über die Wasserinfrastruktur der Stadt – etwa durch Führungen zu Kanalisation und Kläranlage – und engagiert sich mit seinem Arbeitskreis Isar sowie in der Isar-Allianz für den Schutz der Gewässer.

Die Geschichte der Isar in München zeigt exemplarisch, wie sich der Umgang mit Wasser verändern kann. Aus einem über Jahrzehnte technisch dominierten und stark regulierten Fluss wurde im Zuge des Isar-Plans Schritt für Schritt wieder ein vielfältiger Natur- und Erholungsraum. Das Münchner Forum hat diese Entwicklung über Jahrzehnte kritisch begleitet und sich immer wieder für eine stärkere Berücksichtigung ökologischer, stadtgestalterischer und gesellschaftlicher Belange eingesetzt.

Die langjährige Arbeit des Münchner Forums macht deutlich: Die Wasserfrage ist eine zentrale Zukunftsaufgabe der Stadtentwicklung. Wie viel Wasser steht zur Verfügung? Welche Nutzungen haben Vorrang? Wie lassen sich Grundwasser und Gewässer unter den Bedingungen des Klimawandels dauerhaft schützen?

Der aktuelle Aufruf zum Wassersparen sollte deshalb als Anlass verstanden werden, die Diskussion über eine langfristige, transparente Wasserstrategie für München zu führen. Das Münchner Forum wird diesen Diskurs auch künftig fachlich fundiert und kritisch begleiten.

Weitere themenverwandte Veröffentlichungen sind: Sonderausgabe „Innere Isar“ (2012), Standpunkte 08./09.2014 „Isar und öffentliches Grün“ und Standpunkte 10./11.2018 „Isar-Renaturierung: eine Zwischenbilanz“

 

Bildquellen:

  • Wasserhahn: Pixabay
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