23.09.2026, Pressemitteilung der Projektgruppe ‚Stadt im Klimawandel‘ im Münchner Forum zu den Konsequenzen des Hitzesommers 2026.

München hat diesen Sommer wochenlang unter Hitze bis zu 37 Grad Celsius gelitten und auch die Tropennächte über 20 Grad brachten wenig Abkühlung. Hitze stresst den Körper, macht krank und erhöht die Übersterblichkeit. Wenn man die RKI-Schätzung der bundesweiten Hitzetoten dieses Sommers auf die Einwohnerzahl von München bezieht, gab es in unserer Stadt heuer 304 Hitzetote. Anlass für uns, Alarm zu schlagen. Denn schon der nächste Sommer könnte erneut Rekordtemperaturen mit sich bringen und darauf ist München nicht gut darauf vorbereitet.
Das vom Stadtrat 2025 beschlossene Klimaanpassungskonzept enthält viele sinnvolle Maßnahmen, darunter die kürzlich aktualisierte Stadtklimakarte, aber der Zeithorizont bis 2050 ist inakzeptabel, denn der rasche Klimawandel fordert mehr Tempo bei der Anpassung. Dieser Sommer hat gezeigt, dass wir zumindest beim Hitzeschutz von Klimaresilienz weit entfernt sind. Was fehlt?

  1. Klimaanlagen in Kliniken, Schulen, Senioren- und Pflegeheimen, denn Außenjalousien und Ventilatoren reichen nicht aus. Ältere und Kranke sind besonders gefährdet, aber Hitze betrifft viele Menschen. Ein konzentriertes Arbeiten oder Lernen bei 30 Grad im Büro oder im Klassenzimmer ist nicht möglich.
  2. Wohn- und Geschäftsgebäude sollten an Flachdächern und Fassaden stärker begrünt werden. Auch in Hinterhöfen und auf Firmenparkplätzen mangelt es oft an Bäumen und Grün. Obwohl die Stadt dafür Fördermittel und Beratung anbietet, ziehen noch zu wenig Eigentümer mit.
  3. Es fehlt an Bäumen als natürliche Klimaanlagen auf Straßen und Plätzen, damit sich die Bürger auch bei Hitze draußen frei bewegen können. Viele Straßen sind baumlos oder baumarm. Bis zum Ziel „30 Prozent Baumkronen-Überdeckung“ ist noch ein weiter Weg. Insofern hofft das Münchner Forum, dass das Bürgerbegehren „Baumentscheid“ die Baumpflanzung beschleunigt.
  4. Die geplanten Verkehrsberuhigungsmaßnahmen, die mit Begrünung verbunden sind, müssen schneller kommen; sei es die „Altstadt für Alle“, die Fußgängerzone Weißenburger Straße oder die Begrünung der Ludwigstraße. Hier sollte der Denkmalschutz über seinen Schatten springen. In den Anfängen der Ludwigstraße standen dort zwar keine Bäume, aber es gab damals auch keine Autos und keinen Klimawandel mit wochenlangen Hitzewellen.
  5. Ein Entsiegelungsprogramm ist notwendig, damit in unserer hochversiegelten Stadt mehr Regenwasser versickern/verdunsten und einen Beitrag zur Grundwasserneubildung leisten kann. Die Stadtklimakarte zeigt die Hotspots und besonders hitzebelastete Viertel, wo schwerpunktmäßig Entsiegelung und Begrünung angesagt ist; etwa die Altstadt, die Messestadt oder das Bahnhofsviertel.

Die Pläne und Maßnahmen der Stadt haben die richtige Richtung, aber es geht deutlich zu langsam. Das Ziel sollte sein, schon bis 2040 Klimaresilienz zu erreichen. Dafür muss die ganze Stadtgesellschaft einschließlich Unternehmen und Institutionen aktiv werden. Das erfordert erhebliche Investitionen.
Aus Sicht des Deutschen Städtetags steht nicht nur München vor einer wahren „Herkulesaufgabe“, denn zur Klimaanpassung sei letztlich ein kompletter „Umbau der Städte“ notwendig. Insofern sollte dieser Extremsommer Warn- und Startschuss sein, diesen Umbau in München jetzt entschlossen anzugehen.

PDF der Presseerklärung

Diese Presserklärung gibt die Meinung des Arbeitskreises bzw. der Projektgruppe wieder, die sie fachlich erarbeitet hat und muss sich nicht mit der Meinung anderer Arbeitskreise, Projektgruppen und Gremien des Münchner Forums e.V. decken.

 

Bildquellen:

  • Thermometer Sommer: Sumekler/Pixabay
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