Standpunkte 06./07.2019: Kunstareal München – heute

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Liebe Leserin, lieber Leser,

5 Jahre Bürgergutachten und 10 Jahre Kunstareal-Prozess – ein guter Anlass, um auf die Entwicklung des Kunstareals zurückzublicken und vor allem nach vorne zu schauen: Das Kunstareal ist kein starres Konzept, es soll zu einem großen „kulturellen Versammlungsplatz der Stadtgesellschaft“, zu einem lebendigen „Ort der Zusammenkunft und des Dialogs“ (G. Redlich) geöffnet werden.
Freistaat, Landeshauptstadt und die Stiftung Pinakothek der Moderne befördern seit 2009 die Zusammenarbeit der Kultureinrichtungen und Gremien vor Ort. Nun konzipieren die Museen gemeinsam Projekte und Veranstaltungen für höchst unterschiedliche Besuchergruppen. Das 4. Kunstarealfest am 13./14. Juli 2019 präsentiert die faszinierende Vielfalt dieser Arbeiten. Das Münchner Forum trägt nach Kräften bei, Menschen aus dem Stadtteil, der Stadt und Region an der räumlichen Planung des Quartiers zu beteiligen und die Empfehlungen aus dem Bürgergutachten zu verfolgen.
Die Standpunkte-Beiträge zeigen: Es fehlt nicht an guten Ideen. Ihre Umsetzung hakt oft an langen Abstimmungs- und Genehmigungswegen zwischen den Institutionen und Hierarchien. Ihre Schnittstellen sind „ausbaufähig“. Initiatoren neuer Projekte tun sich schwer im „Antragsdschungel“. Wo sind im Kunstareal die Schlüsselpersonen und „Knoten“, die die jungen Initiativen beraten und den Kunstareal-Prozess kraftvoll vorantreiben?
Oft geht es um die Grün- und Freiflächen im Kunstareal: Sie sind mehr als nur „Kitt“ zwischen den Museen; sie sind wertvolle Aktions- und Lebensräume für alle. Junge Leute wollen Treffpunkte ohne Stress und Konsum; Kreative suchen Freiräume für „fliegende“ Projekte, wie die Mohnblumenaktion von Walter Kuhn – der Königsplatz als Ort des gesellschaftlichen Dialogs.

Mit dieser Standpunkte-Ausgabe regen wir die Stadt, den Freistaat und alle Beteiligte im Kunstareal an, den Kunstareal-Prozess weiterzudenken: Das Kunstareal braucht neue Impulse!

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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Inhaltsverzeichnis


Kunstareal München – heute

Martin Fürstenberg
Das Kunstareal München heute

Guido Redlich
Gelebte Demokratie

Hilmar Sturm
Unbekannte Weiten in Bürgerplanung

Jochen Meister
Wieviel Vielfalt, wieviel Einheit braucht das Areal?

Walter Kuhn
„Never again“

Clemens Abert
„Eine Welt – viele Farben, nicht Schwarz-weiß“

Gernot Brauer
Bekommt München einen Kunstboulevard?

Hanns-Martin Römisch, Katrin Pollems-Braunfels
Eine ökumenische Achse durchzieht das Kunstareal

Olaf Stegmann
„Leere Formen des Bereitseins“

Martin Fürstenberg
Der Königsplatz als Baustelle

Stellungnahme zur „modifizierten Alternative 5“

Stellungnahme zum „Masterplan Freiflächen im Kunstareal“

 


Standpunkte 05.2019: Temporäres Wohnen in München

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Liebe Leserin, lieber Leser,
Wohnen an mehreren Orten und auf Zeit – multilokal und temporär – ist das Schwerpunktthema dieser Standpunkte-Ausgabe im Mai. Das „moderne“ Arbeitsleben verlangt in vielen Tätigkeiten Beschäftigungseinsätze an unterschiedlichen Orten außerhalb des eigenen Wohnsitzes – manchmal für Tage, Wochen, Monate oder gar mehr, und oftmals weit entfernt. Familiäres Zusammenleben und soziale Beziehungen leiden darunter, zerbrechen gar, und sortieren sich neu – bilden Patchwork-Familien, vervielfältigen Haushalte und erhöhen in der Summe den Wohnbedarf. So
ist temporäres Wohnen auch Ausdruck für die sich ausdifferenzierenden Arbeits-, Ausbildungs- und Lebensformen. Einige sagen euphemistisch „Individualisierung“ dazu, wo es sich doch eher um die Auflösung sozialer und gesellschaftlicher Zusammenhänge handelt. Wie auch immer: All dies benötigt zusätzlichen Platz fürs Arbeiten, fürs Wohnen und die vielen Wege dazwischen. Unser Themenheft „Temporäres Wohnen“ beschreibt einige dieser Ausdrucksformen und ihre Folgen für das Leben in der Stadt und anderswo.
Wir berichten ferner über den Kampf um den Individualverkehr- minimierten, Fuß- und Radverkehr-freundlichen Isarboulevard und greifen weitere Themen auf. Wie immer hoffen wir auf eine Leserschaft, die sich kritisch – so oder so – mit dem Heft auseinandersetzt und uns entsprechende Rückmeldungen zukommen lässt.

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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Standpunkte 4.2019: Zweite Flugschrift Alte Akademie

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Liebe Leserin, lieber Leser,
der Münchner Stadtrat wird voraussichtlich im Mai über den Bebauungsplan ‚Alte Akademie‘ entscheiden. Dieser wird die baurechtlichen Voraussetzungen dafür schaffen, dass die Wiener SIGNA AG, die einen Teil der Alten Akademie vom Freistaat Bayern 2013 für 65 Jahre in Erbpacht erworben hat, ihre Umnutzungspläne in Angriff nehmen kann. Der Komplex soll für Gewerbe, Handel, Dienstleistungen und Wohnen zugerichtet werden. Als gravierend und alarmierend ist die Forderung des Investors zu werten, den Großteil der Arkadenflächen an der Neuhauser Straße und Kapellenstraße, die Teil des öffentlichen Raums der Münchner Fußgängerzone sind, den privaten Nutzflächen zuschlagen zu wollen. Die Mehrheit von CSU und SPD im Münchner Stadtrat ist offenbar bereit, den Forderungen des Investors weitestgehend nachzukommen. Dagegen regt sich heftiger Widerstand in der Münchner Stadtgesellschaft.
Dieses Standpunkte-Sonderheft „Zweite Flugschrift Alte Akademie“ dokumentiert den Kampf um deren Arkaden. Es knüpft an die „Flugschrift Alte Akademie“ vom März 2017 an. Eine Auswahl der seither dazu in den Standp unkten erschienenen Beiträge sind hier nochmals versammelt, ergänzt um Repliken und Stellungnahmen, die im Bürgerbeteiligungsverfahren der B-Plan-Aufstellung oder in anderem Zusammenhang abgegeben wurden.
Wir haben die Hoffnung nicht aufgegeben, dass sich der Stadtrat bei seiner Entscheidung von guten Argumenten leiten lassen wird. Ungeachtet dessen soll dieses Sonderheft die interessierten Bürgerinnen und Bürger über einen herausragenden stadtplanerischen Entscheidungsfall informieren und motivieren, den Kampf um die Arkaden nicht aufzugeben. Sollte den Forderungen des Investors politisch nachgegeben werden, dann wird – so ist zu befürchten – damit ein Präzedenzfall geschaffen für weitere Arkadenschließungen in der Münchner Innenstadt. Noch ist es Zeit, dem Einhalt zu gebieten.

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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Standpunkte 02./03.2019: Sichtachsen in München

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Liebe Leserin, lieber Leser,
Sichtbeziehungen in der Stadt sind unser diesmaliges Schwerpunktthema. Sichtbeziehungen gliedern und strukturieren den städtischen Siedlungskörper, öffnen enge und weite Sichtschneisen, lenken den Blick auf singuläre Orientierungspunkte und rhythmisieren den Blick und den Weg dorthin. Sichtbeziehungen schaffen Wiedererkennung, stellen Sicherheit und Identität für diejenigen her, die sich durch die Stadt bewegen. Sichtbeziehungen wurden in Zeiten feudaler und postfeudaler Stadtbaukunst sorgsam komponiert – in Zeiten eklektizistischer Stadtverdichtung scheinen Sichtbeziehungen nicht höchste Priorität zu haben: Kann München noch Sichtachsen?
Sichtbeziehungen werden nicht nur in die Weite, sondern auch in die Höhe gelenkt. Seit Jahrhunderten tobt der Kampf um die „Stadtkrone“: im Mittelalter ging der Ehrfurcht heischende Blick hinauf zur herrschaftlichen Burg, meist an Orten loziert, wo man dem Wegezoll nicht auskam. Dann erhoben sich die Kirchen- und Domtürme klerikaler und territorialer Macht – mitten in die Stadt platziert, die als Blickanker und Akustikquellen auch das Land herum bestrichen. In den absolutistischen Stadtgründungen wurde der Blick auf den Sitz des weltlichen Herrschers im Zentrum gelenkt – exemplarisch hier die Fächerstadt Karlsruhe. Der Kampf um die Höhe nahm im letzten Jahrhundert Fahrt auf: die Bauten politischer Macht wurden bald übertrumpft von den Zentralen des industriellen Kapitals, übertroffen von den Handelsburgen des Warenkapitals und vorläufig besiegt von den hochfahrenen Netzknoten des Finanzkapitals – architektonische Erektionen, die mit Argumenten ästhetisierender Funktionalität verbrämt werden, wo es doch um gesellschaftliches Dominanzgebaren geht. Das Firmenlogo on top – der Gesslerhut des 21. Jahrhunderts? Sichtanker der Herrschaftssymbolik.
Weitere Themen in diesem Heft: Zum Umgang mit Erhaltungssatzungen in München, zum Seilbahnprojekt Frankfurter Ring, ein Debattenbeitrag zum Museum „Biotopia“ im Nymphenburger Schloss und vieles mehr.
Dieses Themenheft ist die Doppelausgabe der Standpunkte für Februar und März 2019. Wir hoffen wie immer auf eine kritische Leserschaft und entsprechende Reaktionen.

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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Standpunkte 12.2018/01.2019: 50 Jahre Münchner Forum: Rückblick auf das Jubiläum

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Liebe Leserin, lieber Leser,
ein letztes Mal – versprochen – wollen wir uns dem Geburtstag des Münchner Forums widmen, der sich 2018 zum 50sten Male jährte. Mit einem Veranstaltungsreigen haben wir das Jubiläum Anfang November begangen. Ort der Ausstellung und der Debattenveranstaltungen war vom 6. bis 11. November der Saal des Stadtmuseums. Einige der thematisch geführten Stadtspaziergänge und Stadttouren fanden bereits vor und auch nach der Jubiläumswoche statt. Zwei Filmabende kurz vor Weihnachten setzten mit Dokumentationen über Stadtfragen den Schlusspunkt unserer Selbstbefeierung. Sie sind zugleich der Versuch, in Kooperation mit dem Münchner Filmmuseum eine Filmreihe zu kreieren, die ein breites Spektrum von Fragen und Antworten zur Stadtentwicklung filmisch offeriert. Der Versuch ermutigt zum Weitermachen. Die Ausstellung möchten wir als Wanderausstellung durch die Münchner Stadtteile schicken. Bereits aktuell im Januar können ausgewählte Schautafeln in der U-Bahn-Galerie ‚Universität‘ gesehen werden. Wir berichten in diesem Heft, was alles anlässlich des Jubiläums stattgefunden hat.
In diesem Heft nimmt das Hauptbahnhofsprojekt der Deutschen Bahn einen breiteren Raum ein. Die Kritik am Neubauvorhaben wird erneuert und präzisiert; die Einwendungen des Münchner Forums zum Bebauungsplanverfahren „Starnberger Bahnhof“ werden dokumentiert. Auch eine Wiedervorlage: Die Kritik am geplanten Bau für das Museum BIOTOPIA, das als Nachfolgeeinrichtung für das Museum „Mensch und Natur“ im nördlichen Seitenflügel des Nymphenburger Schlosses das Ensemble der Schlossanlage erheblich zu beschädigen droht.
Die Fertigstellung dieses Doppelheftes der Standpdpunkte hat sich leider verzögert, wofür wir uns insbesondere bei denjenigen Leser/innen entschuldigen, die es schon lange erwartet haben. Wie immer hoffen wir auf kritische und anregende Reaktionen.
Wir wünschen allen ein gutes neues Jahr 2019.

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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Standpunkte 10./11.2018: Isar-Renaturierung – eine Zwischenbilanz

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Liebe Leserin, lieber Leser,
Bally Prell sang das „Isarmärchen“, Willy Michl besingt das „Isarflimmern“: die Isar, die knapp 14 Kilometer durchs Münchner Stadtgebiet fließt, hat viele Gesichter. Jahrhundertelang war der Gebirgsfluss die Wilde, die „Reißende“, die München Leben und Tod zugleich brachte. Sie wurde gezähmt, entlang Münchens Mitte gar in ein kanalähnliches Flussbettkorsett gepresst. Stadt und Fluss wurden sich fremd. Erst mit dem Erwachen der Ökologiebewegung wuchs das Verständnis, dass der Fluss durch die Stadt mehr ist als die Durchleitung von Gebirgswasser, bei Starkregen genutzt als Vorfluter für überschüssige Abwässer. Der Plan, der Isar so weit wie möglich ihren ursprünglichen Lauf wiederzugeben, wurde in den 1980er Jahren gefasst. Umgesetzt und abgeschlossen erst vor wenigen Jahren – zumindest im südlichen Teil bis zur Stadtmitte. Mit Erfolg: Die Isar wurde als vielfältig nutzbares Freizeit- und Naherholungsgebiet entdeckt. Der Erfolg macht zu schaffen: In der Jahreshälfte mit besseren Wetter, bekanntermaßen sind Münchner bei fast jeder Außentemperatur Frischluft-Hocker, ächzen die Isarufer unter Übernutzung – Vermüllung ist nur eine der Folgen. Die Fortführung der Renaturierung der Isar bis an die nördliche Stadtgrenze könnte entzerrend wirken. Weitere Ideen zur Isarnutzung wie ein Flussbad werden konkreter. Und mit den Ideen und Nutzungen wachsen auch die Nutzungskonflikte. Diese Standpunkte-Ausgabe zieht eine Art Zwischenbilanz der Renaturierungsbemühungen und lenkt den Blick auf Themen, die dabei auch eine Rolle spielen.
In den Standpunkten 5.2018 widmeten wir uns dem Thema der „gleichwertigen Lebens- und Arbeitsbedingungen in Bayern“, mit dem sich eine Enquetekommission des Bayerischen Landtags mehrere Jahre befasst hatte. In dieser Ausgabe stellen wir das Konzept „Das bessere Landesentwicklungsprogramm für Bayern“ vor – ein Appell, Landes- und Regionalplanung in Bayern wieder ernst zu nehmen, um aktives politisches Handeln gegen ungleiche und ungleichwertige Lebensverhältnisse einzufordern.
Diese Standpunkte-Ausgabe ist ein Doppelheft für die Monate Oktober und November – aus Zeitnot geboren. Die Vorbereitung und Durchführung der 50-Jahr-Feier des Münchner Forums – dieses Ereignis wird zudem von einem Sonderheft der Standpunkte begleitet – beansprucht zusätzlich zur laufenden Arbeit mehr als die volle Arbeitskapazität der Mitarbeiter/innen unserer Geschäftsstelle. Ihnen soll an dieser Stelle für ihren Einsatz herzlich gedankt werden.

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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Inhaltsverzeichnis


Isar-Renaturierung – eine Zwischenbilanz

Hep Monatzeder
Der Isarplan – ein internationales Vorbild

Wolfgang Czisch
Nichts ist so stark wie eine Idee, deren Zeit gekommen ist

Wolfgang Czisch
Die Steilhänge der Isar

Walter Binder, Klaus Bäumler
Fortschreibung des Isarplans

Antrag der SPD-Stadtratsfraktion

Benjamin David
Isarlust – Jetzt kommt das Isarflussbad

Dagmar Weber
Nur „Kult(ur)fluss“ oder auch ökologisch intakt?

Tobias Ruff
Wie sauber ist die Isar

Baureferat München
Maßnahmen für eine saubere Isar

Hartmut Keitel
Deine Isar e.V.

Christine Kammermeier
Fluss-Eldorado

Christine Rädlinger
Stadtraum mit ungekünstelter Orginalität

Stephan Reiss-Schmidt
Kulturlandschaft bewahren, Daseinsvorsorge sichern


Veranstaltung und Ausstellung zum Jubiläum

Standpunkte 8./9.2018: 50 Jahre Münchner Forum

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Liebe Leserin, lieber Leser,
das Münchner Forum hat „Geburtstag“. In diesem Jahr wird es 50 Jahre alt, ein halbes Jahrhundert „Diskussionsforum für Entwicklungsfragen“. Viel ist passiert in dieser Zeit seit 1968 – in München und beim Münchner Forum. Seiner Gründung gingen heftige Konflikte um die Ziele zur Stadtentwicklung voraus: ob München „autogerecht“ oder bewohnergerecht um- und ausgebaut werden sollte, ob „Modernisierung“ flächenhafter Neubau oder Bestandserneuerung bedeutet. Mit der Gründung des Münchner Forums wurden die unbotmäßigen Kritiker der Verwaltungsplanung ‚von oben‘ „umarmt“, integriert in einen stadtgesellschaftlichen Diskussionsprozess – ein eleganter Versuch der Domestizierung? Damit wurden sie zugleich zur Vorhut einer weltweit um sich greifenden partizipativen Bewegung, die die Beteiligung der Bürgerinnen und Bürger an den Zukunftsfragen der Stadt, ihrer Stadt, einfordert, die seitdem – sicher auch ein Erfolg, an dem das Münchner Forum großen Anteil hat – nicht mehr hinter geschlossenen Amtsstuben entschieden werden können. Das Münchner Forum ist als „Diskussionsforum“ nicht nur Plattform für den Austausch von Meinungen, sondern hat die Aufgabe, auch klare Positionen im Sinne des stadtgesellschaftlichen Gemeinwohls zu vertreten, – Die Wortwolke vermittelt einen kleinen Eindruck davon, auf welchen Themenfeldern sich das Forum in den fünf Jahrzehnten eingemischt hat.

Das Münchner Forum versteht sich als Teil einer Entwicklung, in der sichneben Politik und Wirtschaft Umrisse einer Bürgergesellschaft etabliert haben, die ihren Gestaltungsanteil am gesellschaftlichen Geschehen anmahnt. Nach wie vor ist Bürgerbeteiligung umstritten: die Vertreter/innen der repräsentativen Demokratie in Kommunen, Land und Bund fürchten um ihre Entscheidungsmacht; Vertreter/innen der Partizipationsbewegung fordern die unmittelbare Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an den übergreifenden Lebensfragen ein. Entsteht ein neuer Gesellschaftsvertrag?

Mit diesem Doppelheft wollen wir ein wenig Rückschau halten – aber den Blick nach vorn zu richten, ist mindestens genauso wichtig. Das wollen wir vor allem in einer Jubiläums-Veranstaltungsreihe Anfang November im Stadtmuseum wagen (Hinweise dazu auf S. 46). Wir danken allen, die mit Grußworten das Münchner Forum in seinem Tun ermuntert haben und uns auch darüber hinaus unterstützen (S. 8 ff). Unseren Leserinnen und Lesern und unseren Mitstreitern möchten wir zurufen: Auf ein Neues – für weitere 50 Jahre!?

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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Standpunkte 7.2018: Mobilitätswende in München

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Liebe Leserin, lieber Leser,

„Verkehrswende“ – ein Wort zur Ablage neben anderen Kampagnenbegriffen, die wir angeblich schon hinter uns oder noch vor uns haben: wie die geistig-moralische, die System- oder Energiewende? Wer den tagtäglichen Kampf um die Vorherrschaft des Automobils auf der Straße, wer das Trauerspiel des Schienenverkehrs in Stadt und Land erlebt, hat wenig Verständnis für den Streit von Politik und Bürger um jeden Auto-Abstellplatz im öffentlichen Raum – ein Götzendienst für eine Mobilitätsform und -technik des vergangenen Jahrhunderts mit unterirdischen Effzienzwerten, die aber dennoch – mangels hinreichender Alternativen – ihre übergroße Bedeutung (noch) behält. Dennoch – oder gerade deshalb – ist „Verkehrswende“ mehr als ein Kampagnenbegriff: Sie ist eine gesellschaftliche Mammutaufgabe zur Gestaltung unserer – energetisch, räumlich, sozial und wirtschaftlich zukunftsfähigen – Mobilität – einer Aufgabe, von der man den Eindruck hat, dass je länger man sich ihr verschließt, umso größer die Kraftanstrengungen zu ihrer Bewältigung werden müssen. Unser Schwerpunktthema macht den Versuch, einige der Aspekte der Verkehrswende für München aufzubereiten – wissend, dass wir damit das Thema bestenfalls ankratzen. Sie bleibt Daueraufgabe.

Der Kampf um den Erhalt des Öffentlichen Arkadenraums der Alten Akademie in der Münchner Altstadt geht in eine entscheidende Runde: Seit Anfang Juli bis zum 3. August können und sollten Sie, die Bürgerinnen und Bürger mit Engagement für die Stadt, wo immer Sie auch leben, sich im Rahmen des Bebauungsplan-Aufstellungsverfahrens äußern und Einwendungen dagegen formulieren, dass Öffentlicher Raum aufgegeben und einem Investor als Kommerz-Fläche zur privaten Verwertung übereignet wird. Das Münchner Forum kämpft seit Jahren gemeinsam mit anderen stadtgesellschaftlichen Akteuren um den Erhalt des Öffentlichen Raums; wir setzen auf Sie als Mitstreiter. Was man tun kann: mehr dazu in diesem Heft.

Und wir hoffen, wie immer, auf interessante Lektüre – und setzen, zumindest diesmal, auch auf das Engagement unserer Leserinnen und Leser.

 

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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Inhaltsverzeichnis

Betrifft: Alte Akademie

Detlev Sträter
„Arkaden-Aufstand“

Muster-Einwendungsschreiben (Entwurf Klaus Bäumler)

Detlev Sträter
Planungsziel Flaschenhals


Mobilitätswende in München

Deutscher Städtetag
Nachhaltige städtische Mobilität für alle

Christian Hochfeld
Doppelte Wende

Peter Phleps
Mobilität wird flexibler, spontaner und situativer

Sebastian Henkes
MünchnerInnen bewegen gemeinsam

Georg Kronawitter
Mobilitätswende nur mit Inklusion

Sabine Baudisch, Daniel Gromotka
Pendeln im Großraum München

Georg Kronawitter
Neuer Nahverkehrsplan

Klaus Bäumler
Summerstreets: Beispiele aus Stockholm, Kopenhagen, Paris

Sven Kesselring, Luca Nitschke
Das Münchner Promotionskolleg mobil.LAB


Berthold Maier
U9 – drei Aspekte

Standpunkte 6.2018: Europäisches Kulturerbejahr – was bedeutet das für München?

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Liebe Leserin, lieber Leser,

„sharing heritage“, ‚das Erbe teilen‘ lautet das Motto des diesjährigen „Europäischen Kulturerbe-Jahres“ – teilen mit den Mit-Menschen, auch mit jenen aus früheren und der nachfolgenden
Generationen. Wir haben dies als Anlass fürs Schwerpunktthema unserer Standpunkte genommen. „Menschen brauchen Zeit, um mit Städten und ihrer Architektur vertraut und gemeinsam leben zu können. Architektur- und Stadtplanung muss deshalb Veränderung und Kontinuität, Funktionen und Emotionen im Respekt vor der Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner miteinander verknüpfen“, schreibt der Architekt und Stadtplaner Gerhart Laage. Doch wer mit Immobilien zweistellige Renditen erzielen will, kann sich Respekt nicht leisten. Respektlosigkeit dominiert: identitätsstiftende gebaute Umwelt wird abgeräumt oder zur geschichts-entkernten baulichen Kulisse fürs Wohnen, Arbeiten und Entspannen eines zahlungskräftigen Publikums umgemodelt. Beispiele bietet München zuhauf: Sailerstraße, Uhrmacherhäusl, Alter Hof, Residenzpost, Derzbachhof, Alte Akademie und vieles mehr. In diesem Heft kommen Bürgerinnen und Bürger zu Wort, die sich in ihren Quartieren für den Erhalt der von ihnen bewohnten Häuser und ihres Wohnumfelds einsetzen. Überall in der Stadt ist bezahlbarer Wohnraum bedroht, wird der Zusammenhalt gewachsener Nachbarschaften aufgekündigt. Wo Politik und Verwaltung sich zu Sekundanten der Immobilienverwertung degradieren lassen, nehmen Bürgerinnen und Bürger ihre  Angelegenheiten selbst in die Hand. Und schließen sich mit anderen Initiativen zusammen. Weil sie hautnah erfahren, dass nur ein Initiativen-übergreifendes gemeinsames Handeln eine hinreichende Gegenwehr entstehen lässt.

Und wir gratulieren ganz herzlich jemandem, ohne den München heute anders aussähe: Karl Klühspies, der Architekt, Stadt- und Verkehrsplaner und Mitbegründer des Münchner Forums,
vollendete Ende Mai sein 90stes Lebensjahr.

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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Standpunkte 5.2018: Gleichwertige Lebensverhältnisse – was bedeutet das für München?

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Liebe Leserin, lieber Leser,

München ächzt, platzt aus den Nähten, mobilisiert seine Restflächen fürs Wohnen von erwarteten Zuzüglern, für Verkehrsanlagen, Gewerbe, Schulen und anderes, was auch noch Platz beansprucht. Auf der anderen Seite: Im Norden und anderen Randlagen Bayerns ziehen vor allem junge Menschen fort, wird der Arztbesuch zur Tagesreise, schließen Läden und  Handwerksbetriebe, können Kommunen ihre Aufgaben nicht mehr finanzieren: Ungleiche Entwicklung – ein Fatum, ein schicksalhaftes Gottesurteil? Oder ist sie nicht vielmehr Ausdruck von
falscher Regionalpolitik und ausschließlich an Rendite orientierten wirtschaftlichen Standortentscheidungen? – Ein Volksentscheid erklärte 2013 die Herstellung von „gleichwertigen Lebensverhältnissen und Arbeitsbedingungen in ganz Bayern, in Stadt und Land“ zum Staatsziel in der Bayerischen Verfassung. Dort steht es jetzt – und nun? Eine Enquetekommission
des Bayerischen Landtags wurde eingesetzt; sie hat darüber nachgedacht, wie man gleichwertige Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen in Bayern erreichen könnte. Ihr Bericht wurde dem Landtag im Januar übergeben. In dieser Standpunkte-Ausgabe berichten wir im Schwerpunkt darüber, was die Kommission zur Herstellung gleichwertiger Lebensverhältnisse vorschlägt und was dies für München und die Region bedeuten könnte – zumindest im Ansatz. –

Wir berichten ferner über die Pläne zu einer Entlastungs- und Ergänzungsstrecke im Münchner U-Bahn-Netz und stellen eine günstigere Variante zur Debatte. Und schließlich haben wir noch ein paar Anmerkungen zum Verzicht auf die Einrichtung eines Biergartens in den Maximiliansanlagen, dem isarnahen Landschaftsschutzgebiet.

Wie immer wünschen wir eine ertragreiche Lektüre – und freuen uns über kritische Resonanz, so oder so.

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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