24.09.2026, Pressemitteilung der Arbeitskreise ‚Junges Forum‘ und ‚Wer beherrscht die Stadt?‘ des Münchner Forums zum drohenden Verkauf der Autobahndirektion in der Seidlstraße:
Wie das Münchner Forum aus informierten Kreisen erfahren hat, wird die Autobahndirektion Südbayern in absehbarer Zeit aus ihrem jetzigen Standort in der Seidlstraße 7, 9 und 11 ausziehen und sucht ein neues Bürogebäude zur Miete. Es liegt nahe, dass der Freistaat Bayern als Eigentümer des denkmalgeschützten Gebäudes, das 1901 vom Architekten Emanuel von Seidl erbaut wurde, mit dem Gedanken spielt, das Gebäude an Privatunternehmen zu verkaufen – wie zuvor bei zahlreichen Immobilien, z.B. bei der Alten Akademie und mehreren Gebäuden in der Brienner Straße geschehen.
Das Grundstück an der Seidlstraße mit einer Fläche von rund 2.700m² befindet sich Bestlage, in der Nähe des Hauptbahnhofs.
Die Arbeitskreise ‚Junges Forum‘ und ‚Wer beherrscht die Stadt?‘ des Münchner Forums rufen den Freistaat Bayern auf, von den Verkaufsplänen abzurücken und die Liegenschaft im Sinne der Stadtgesellschaft gemeinwohlorientiert zu nutzen. München braucht bezahlbaren Wohnraum, bezahlbare Flächen für Kleingewerbe und Räume für Kultur – und nicht ein weiteres Großprojekt gewinnorientierter Investoren.
„Schon wieder scheint der Freistaat mit dem Gedanken zu spielen, ein Filetgrundstück mitten in der teuersten Stadt der Republik an Investmentfirmen zu verkaufen anstatt es im Sinne der Stadtgesellschaft zu nutzen. Während am Stadtrand mühsam große Siedlungsprojekte gestemmt werden um die Wohnungskrise abzufedern, verscherbelt der Freistaat Gebäude und Grundstücke, die genau dafür dringend gebraucht würden. Durchmischte Nachbarschaften brauchen bezahlbare Flächen für Wohnen, Kleingewerbe und Kultur – auch und gerade in der Innenstadt. Damit gießt die Staatsregierung Öl ins Feuer der Wohnungskrise. Das muss aufhören!“, sagt Florina Vilgertshofer vom Jungen Forum.
Erst 2023 verkaufte der Freistaat das benachbarte Grundstück an der Seidlstraße 15 an den Tech-Konzern Apple. Der Freistaat Bayern scheint von seiner renditeorientierten Grundstückspolitik auf Kosten der Mieter*innen und Gewerbetreibenden in München nicht abweichen zu wollen und verschärft durch sein Handeln die Wohnungskrise, indem immer neue hochpreisige Wohn- oder Gewerbeprojekte auf Flächen entstehen, die eigentlich uns allen für bezahlbares Wohnen und Leben zur Verfügung stehen müssten.
Die AKs ‚Junges Forum‘ und ‚Wer beherrscht die Stadt?‘ im Münchner Forum fordern:
- eine transparente Auskunft über die Absichten des Freistaats mit dem Gebäude der Autobahndirektion Südbayern
- eine gemeinwohlorientierte Nachnutzung des Gebäudes, z.B. für bezahlbares Wohnen und/oder bezahlbare Gewerbeflächen/(sozio-)kulturelle Nutzungen
- eine Abkehr von der Massenprivatisierung und eine soziale Liegenschaftspolitik, um zu einem bezahlbaren Leben aller Bürger*innen beizutragen
Hintergrund:
Seit Jahren weist das Münchner Forum auf die Folgen der Massenprivatisierungen durch den Freistaat Bayern hin und fordert Gesetzesänderungen, die eine gemeinwohlorientierte Grundstückspolitik ermöglichen.
Auf https://der-grosse-ausverkauf.de/home/ werden Hintergründe, Folgen und Perspektiven ausführlich erklärt. Auf unserer interaktiven Karte wird das Ausmaß der Massenprivatisierung durch den Freistaat Bayern in München sichtbar. Unseren – aufgrund mangelnder Transparenz durch den Freistaat – konservativen Berechnungen zufolge hat der Freistaat Bayern seit der Jahrtausendwende rund 60 Hektar (teils bebaute) Grundstücksfläche in München privatisiert, i.d.R. durch Verkauf zum Höchstgebot an die Meistbietenden (meist Investmentfirmen). Dies entspricht grob der Fläche des neu entstehenden Stadtteils Neufreimann im Münchner Norden, einem dichten Quartier für 15.000 Einwohner*innen samt Infrastruktur, Schulen, Gewerbe, Kitas und Park- und Grünflächen. Vereinfacht gesagt ist also schon ein ganzes Stadtquartier durch die Massenprivatisierung des Freistaats für bezahlbares Leben verloren gegangen. Die AKs Junges Forum und ‚Wer beherrscht die Stadt?‘ werden weiterhin auf Änderungen hin zu einer sozialen Liegenschaftspolitik drängen.
Diese Presserklärung gibt die Meinung des Arbeitskreises bzw. der Projektgruppe wieder, die sie fachlich erarbeitet hat und muss sich nicht mit der Meinung anderer Arbeitskreise, Projektgruppen und Gremien des Münchner Forums e.V. decken.
Bildquellen:
- Seidlstr._7-9-11_Muenchen_Rufus46_Wikipedia 1200×800: rufus46 / Wikipedia




