01.07.2022: Pressemitteilung des Arbeitskreises Attraktiver Nahverkehr (AAN) im Münchner Forum zum Versagen des Freistaats beim S-Bahnausbau wodurch der städtische U-Bahnbau gefährdet ist – Stadt muss aber die richtigen Prioritäten setzen 

Bei der zweiten S-Bahnstammstrecke ergeben sich erneut Kostensteigerungen und Terminverzögerungen, derzeit wird mit Kosten von über 7 Milliarden Euro mit einer Inbetriebnahme im Jahr 2037 ausgegangen.

AAN-Sprecher Matthias Hintzen: „Überraschend ist die Kritik am Bund bezüglich der Verzögerungen beim Bau des S-Bahn-Tieftunnels: Es war die Entscheidung des Freistaats Bayern im Jahr 2001, diesen Tunnel zu bauen. Die Landeshauptstadt München hat sich dem 2010 angeschlossen. Der Bund war nur als Geldgeber beteiligt. Nun stellt sich die Wunschplanung des Bauherrn als teurer und schwieriger als gedacht heraus und auf einmal wäre der Geldgeber schuld. Das ist nicht nachvollziehbar.“

Bürgermeisterin Katrin Habenschaden befürchtet, dass die Fördermittel des Bundes für den S-Bahntieftunnel benötigt werden und somit nicht für den Münchner U-Bahnbau zur Verfügung stehen. Betroffen wäre insbesondere der erste Schritt der U9, der U9-Bahnhof am Hauptbahnhof (sog. „Vorhaltebauwerk“).

Dazu AAN-Sprecher Berthold Maier: „Die U9 (Entlastungsstrecke Implerstraße – Hauptbahnhof – Münchner Freiheit) ist ein sehr wichtiges Projekt. Als im Oktober 2019 der Münchner Stadtrat den Bau des U9-Bahnhofs am Hauptbahnhof beschloss (Baukosten ca. 500 Millionen Euro), lagen keine Zusagen von Bund und Land für Zuschüsse vor. Nun heißt es, dass die Stadt das Projekt nicht aus eigener Kraft stemmen kann.“

Es gibt keine belastbaren Zusagen von Bund und Land zu Zuschüssen für die derzeit geplanten U-Bahnstrecken – die Stadt muss in voller Höhe selbst finanzieren. Für andere U-Bahnprojekte stellt die Finanzierung ohne Zuschüsse kein Problem dar.

Dazu AAN-Sprecher Matthias Hintzen: „Die U-Bahn nach Pasing – mit Kosten von knapp einer Milliarde Euro, also rund doppelt so viel wie der U9 Bahnhof am Hauptbahnhof – soll von der Stadt alleine finanziert werden. Als der Stadtrat den Bau beschloss, war bei realistischer Einschätzung klar, dass es keine Zuschüsse von Bund oder Land geben wird.

Für die wesentlich wichtigere U9 sieht sich die Stadt aber nicht in der Lage, die Finanzierung zu stemmen. Das überrascht.“

Abschließend AAN-Sprecher Berthold Maier: „Die Stadt hat den U-Bahnausbau falsch priorisiert: Die Ertüchtigung des Netzes in der Innenstadt (U9), die allen Fahrgästen nützt, erhielt geringere Priorität als die U-Bahn nach Pasing (U5). Wenn es mit dem Ausbau des ÖPNV als wesentlichen Teil der Verkehrswende klappen soll, müssen die Mittel so eingesetzt werden, dass sich der maximale Nutzen für die Fahrgäste ergibt. Das ist bisher nicht erkennbar. Natürlich hilft der Bahnhof der U9 alleine nicht weiter. Aber der – im Rahmen der U9 geplante – Anschluss an die U2 an der Theresienstraße ermöglicht eine Taktverdichtung auf der U-Bahn nach Feldmoching. Und das zu Kosten, die nicht höher sein dürften, als der geplante Autotunnel von der Schleißheimer Straße zur A99. Es ist an der Zeit, dass die Prioritäten richtig gesetzt werden. Um die U9 realisieren zu können, braucht es natürlich einen belastbaren Zeitplan für die Realisierung des S-Bahn-Tieftunnels. Da müssen vom Freistaat endlich zuverlässige Aussagen zur Realisierung seines Wunschprojektes kommen.“

 

Bildquellen:

  • Baustelle Marienhof: N. Dietrich