Seit ihrer Eröffnung zu den Olympischen Sommerspielen 1972 bildet die S-Bahn zusammen mit der U-Bahn das Grundgerüst des Öffentlichen Personen-Nahverkehrs in der Region München. Die Bündelung aller Linien der S-Bahn in einem Tunnel („Stammstrecke“) zwischen Haupt- und Ostbahnhof macht sie zunehmend anfällig für Störungen. Vorschläge, bestehende Gleise im Süden („Südring“) und Norden („Nordring“) zur Entlastung zu nutzen und im Sinne eines großstädtisch angelegten Netzes auszubauen, wurden ernsthaft weder von der Deutschen Bahn noch vom Freistaat noch von der Stadt München verfolgt.
Stattdessen – warum einfacher und günstiger, wenn es auch komplizierter und teurer geht – wird nun ein zweiter Tunnel parallel zum ersten als „2. Stammstrecke“ unter der Innenstadt hindurch getrieben. Trotz jahrelanger Vorbereitungen offenbaren sich seit dem ersten Spatenstich viele Planungsfehler. Sie verlangen nach vielfältigen, aufwändigen Neuplanungen und damit nach neuerlichen Genehmigungsverfahren. Dies öffnet ein Zeitfenster für ein Moratorium, für einen Aufschub zum Nachdenken über die sinnvolle Zukunft des öffentlichen Verkehrs in der Metropolregion. Kritiker der Tieftunnelplanung fordern dies seit Jahren. Erneuert haben sie diese auf der Diskussionsveranstaltung „S-Bahn-Ausbau JETZT“ des Münchner Forums Anfang Juli. Darauf basiert dieses Standpunkte-Themenheft.

Wir weisen ferner auf ein Infrastruktur-Beschleunigungs-Gesetzesvorhaben des Bundes hin, das – entgegen politischer Beteuerungen – die Beteiligung der Bürger weitgehend aushebeln wird. Und wir dokumentieren einen Offenen Brief aus Planegg, der aufmerksam macht auf das Lobbying von Einfluss-Agenturen im Solde mächtiger Investoren, abzielend auf die unheilvolle Verquickung von Kapitalinteressen, Politik und Verwaltung – auch um lästige Bürgerinteressen dabei außen vor zu halten. Dieses und mehr in dieser Ausgabe.

 

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