Pressemitteilung des Arbeitskreises Attraktiver Nahverkehr (AAN) im Münchner Forum zum Vorschlag von Grün-Rot zu Taktverdichtungen in der Hauptverkehrszeit, München, 27.01.2021:

Kürzlich haben die Fraktionsgemeinschaften von Die Grünen – Rosa Liste und SPD/Volt im Münchner Stadtrat vorgeschlagen, zum Schutz der Fahrgäste vor Ansteckung während der Corona Pandemie in der Hauptverkehrszeit (HVZ) den Takt von U-Bahn, Tram und Bus in der Hauptverkehrszeit (HVZ) zu verdichten (Stadtratsanträge vom 21.1.2021).

Zweifellos ist dies eine sinnvolle Maßnahme. Dichtere Takte sind im Rahmen des Ausbaus des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) und der Verkehrswende ohnehin erforderlich. Dichtere Takte in der Hauptverkehrszeit sind jedoch weder bei der Tram noch bei der U-Bahn kurzfristig realisierbar.

Dazu AAN-Sprecher Berthold Maier: „Bei der U-Bahn ist zur Taktverdichtung in der HVZ der Bau der U9 (Entlastungsstrecke Implerstraße – Hauptbahnhof – Münchner Freiheit) unbedingt erforderlich. Darüber hinaus spielt die künftige U9 eine wesentliche Rolle für die Stabilisierung des Betriebes auf der U3 und U6. Bei der Trambahn sind zur Taktverdichtung in drei Bereichen Verbesserungen erforderlich: Neue Fahrzeuge, neue Betriebshöfe (d.h. Abstellanlagen), und zusätzliche Gleisverbindungen (Weichen, Wendeschleifen) in der Innenstadt, um die Leistungsfähigkeit der Knotenpunkte zu erhöhen. Beim Bus werden neue Betriebshöfe sowie weitere Busspuren benötigt. Die derzeit laufende Fortschreibung des Nahverkehrsplans bietet die gute Gelegenheit, diese Themen auf die verkehrspolitische Agenda zu setzen.“

Eine Aufnahme in den Nahverkehrsplan alleine reicht natürlich nicht aus, es muss auch die Finanzierung sichergestellt sein. Dazu AAN-Sprecher Matthias Hintzen: „In der Stadtratsvollversammlung im Dezember 2020 sagte der Fraktionsvorsitzende der GRÜNEN – Rosa Liste, Dr. Florian Roth, dass die U-Bahn nach Pasing (Kosten: 767 Mio. Euro) unabhängig von Zuschüssen gebaut werden solle. Dies wirft angesichts der Lage der Stadtfinanzen die Frage auf, ob dann die anderen ÖPNV-Projekte noch finanziert werden können. Bei den Trambahnstrecken des Nahverkehrsplans ist mit rund 75% Zuschüssen zu rechnen – bei der U-Bahn nach Pasing gibt es nichts. Der Ausbau von Tram und Bus – mit dem sich schneller Verbesserungen erzielen lassen – darf nicht vernachlässigt werden. Im Übrigen ermöglicht die U5 nach Pasing keine Taktverdichtung im U-Bahnnetz – dazu ist die U9 erforderlich. Auch zur Finanzierung des Baus U9 sind Bundeszuschüsse notwendig. Wenn der Stadtrat aber Taktverdichtungen – und einen stabilen Betrieb – im U-Bahnnetz zur HVZ will, muss er beim U-Bahnbau Priorität auf den Ausbau der U9 legen und sich um Zuschüsse bemühen.“

Hier die Pressemitteilung als pdf zum Download.