Warum Grund und Boden und das Bodenrecht in der öffentlichen Diskussion ein Schattendasein führt, ist eigentlich unverständlich. Als physische Grundlage unseres Daseins müsste das Thema eigentlich im Mittelpunkt der gesellschaftlichen Debatte über den Umgang mit den Naturressourcen und das soziale Miteinander stehen. Aber das Handeln mit dem Boden scheut das grelle Licht der Öffentlichkeit, auch in München. Das hat seinen Grund: Der Bodenmarkt verschafft riesige leistungslose Gewinne bei Wenigen und vertieft die soziale Kluft – der Reibach lässt sich umso leichter einstreichen, je weniger darüber geredet wird. Wer das ändern will, muss eine Bodenrechtsreform wollen. Zarte Initiativen dazu sprießen republikweit. – Dieses Standpunkte-Doppelheft will das Thema mit vorantreiben. Im Mittelpunkt steht ein Beitrag von Alt-OB Hans-Jochen Vogel, worin er die jahrzehntelang verdrängte Frage einer Bodenreform und deren verpassten Chancen aufgreift und für einen Neustart der Bodenreformdebatte appelliert. Drei Beiträge, von Mitgliedern des Münchner Forums auf dem „Klimaherbst“ vorgetragen, schließen sich an: vom irrigen Verständnis des Bodens als Ware, von leistungslosen Wertsteigerungen und vom schachernden Umgang der „öffentlichen Hände“ mit Grund und Boden in München. Das Beispiel einer Bodenpreis getriebenen Gefährdung einer Schwabinger Mietergemeinschaft und Ungereimtheiten in der steuerlichen Behandlung von Hausbesitz durch Finanzbehörden runden das Schwerpunktthema ab.

 

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