Am 5. April erfolgt der erste symbolische Spatenstich zum Bau der sog. „zweiten S-Bahn-Stammstrecke“ auf dem Marienhof hinter dem Münchner Rathaus. Die DB-Planer eines innerstädtischen Tunnel-Bypasses zur bestehenden Stammstrecke und ihre Sekundanten in Politik, Wirtschaft und Publizistik werden ihn als Startschuss zur Fortentwicklung des S-Bahn-Systems im Raum München befeiern. Kritiker befürchten hingegen explodierende Kosten bei kaum feststellbarem Nutzen, weiteren Entwicklungsdruck auf die Altstadt und eine Blockade der sinnvollen Weiterentwicklung des ÖPNV-Systems auf Jahre oder gar Jahrzehnte. Kritische Stadt- und Verkehrsplaner plädieren seit Jahrzehnten für eine Dezentralisierung des sternförmigen S-Bahn-Schienennetzes durch Ringlinien-Ergänzungen zur Stammstrecke im Norden und Süden, fanden damit aber kaum Gehör. Nun haben die Freien Wähler im Landtag dazu einen eigenen Plan vorgelegt und auch die CSU-Fraktion dazu einen Stadtratsantrag eingebracht. Und die Landkreise im Umland Münchens haben jüngst endlich – spät, zu spät? – ein Positionspapier zum S-Bahn-Ausbau vorgelegt, das über den bisherigen Erschließungsraum hinausgreift und S-Bahn-Streckenbau und -betrieb zusammendenkt – dankbar registriert man geistige Lockerungsübungen zu einer seit Jahren festgefahrenen ÖPNV-Politik im Großraum München.
„Drunter und drüber und mittendurch“ haben wir unser Standpunkte-Schwerpunktthema betitelt. Wir befassen uns mit Optionen der S-Bahn-Ringerschließung im Norden und der Kritik am Bau der 2. Stammstrecke, die Anzeichen einer Neuauflage von „Stuttgart 21“ aufweist.

 

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