Der Biergarten Menterschwaige dürfte vielen Münchnern bekannt sein. Direkt an der Kante des östlichen Isarhochufers gelegen, kann man von der dortigen alten Terrasse einen schönen Blick durch die Hangwälder hinunter zum Fluss genießen. Hinuntergehen kann man allerdings nicht. Einen Weg gäbe es schon, allein er ist durch umfangreiche Bauzäune versperrt. Und das seit fast 10 Jahren. Das gilt für mehrere Auf- und Abgänge zwischen Marienklause und Großhesseloher Brücke.Der Grund ist, dass die Hänge als eine Grünanlage der Stadt gewertet werden und der entsprechenden Satzung unterliegen. Aus Erwägungen der Verkehrssicherungspflicht, wonach die Stadt hier dafür sorgen müsste, dass niemand durch Steinschlag oder Astbruch zu Schaden kommen könnte, wird auf eine Instandsetzung der Wege verzichtet. Dass es sich hier um eine Grün(Park-)anlage handeln soll, ist deshalb allerdings unsinnig, weil es sich eindeutig um Waldflächen handelt, die zudem auch noch als Flora-Fauna-Habitat (FFH)-Gebiet ausgewiesen sind. Also sollte man hier den gleichen Maßstab anlegen wie auch sonst für Wald. So wäre die Stadt in großen Teilen von dieser Pflicht entbunden.

Genau diese Ausweisung als „Wald“ hat erst kürzlich der örtliche Bezirksausschuss beantragt. Auch auf der Bürgerversammlung 2019 wurde ein diesbezüglicher Antrag gestellt und angenommen.

Geschichte

Diese Wege wurden bereits vor 1900 angelegt. Damals war es der Plan von Jakob Heilmann, hier einen „Harmoniepark“ anzulegen. Wie weit dieser Park tatsächlich umgesetzt worden ist, lässt sich heute schwer erkennen. In den Jahren 1910/11 wurden jedenfalls wegen der fortschreitenden Erosion zahlreiche, nämlich mehr als 60 Hangsicherungsarbeiten, unter Verwendung von Eisenbahnschienen und Beton, in Nagelfluhoptik ausgeführt. Aus dieser Zeit stammen die so natürlich wirkenden „anstehenden Nagelfluhfelsen“. Das Aufgangsbauwerk von der Marienklause steht seit 2020 unter Denkmalschutz, die restlichen Wege- und Hangsicherungsverbauungen werden derzeit auf ihre Schutzwürdigkeit geprüft.

Abgesperrter Weg am Isarsteilhang unterhalb der Menterschwaige

Abgesperrter Weg am Isarsteilhang unterhalb der Menterschwaige

Verkehr (auch ein Problem)

Wer an einem sonnigen Wochenende einen Spaziergang auf der Hochleite wagt, wundert sich, dass auf den intensiv genutzten Wegen nicht mehr passiert. Der Radlweg fungiert mittlerweile als Radl(Auto)bahn für Bahnradprofis, so dass die gemächlicheren Radfahrer wahrhaftig auf den Fußweg ausweichen müssen, wo sie von den erstaunten Spaziergängern angesichts der überhöhten Geschwindigkeiten auf der Radl-Bahn auch geduldet werden. Ich selbst habe einen Mountainbiker beobachtet, wie er an einem solchen Sonntag eine der stark frequentierten Treppen an der Großhesseloher Brücke wieder und wieder als Trainingsgelände missbrauchte. Unter Beklingelung der Passanten. Denn auf den samt und sonders für Fahrräder gesperrten Wegen hinab wird natürlich trotzdem gefahren. Was nebenbei nicht nur zur Schädigung der weit über 100 Jahre alten Wege- und Treppenanlagen führt. Unten angekommen, muss man sich dann erst einmal über den wilden, trotz diverser Absperrungen von Zweiradfanatikern durch die Talaue gepflügten Trekkingtrail wagen, der auf der gesamten Länge des Areals einen sehr beträchtlichen Flurschaden, immerhin in einem FFH-Gebiet, anrichtet.

Es besteht also umfangreicher Handlungsbedarf, um kulturhistorische und natürliche Güter und nicht zuletzt den Erholungssuchenden (nicht den Sportfanatiker) vor der Übernutzung zu schützen.

Trailspuren

Trailspuren

Andreas Dorsch, Jahrgang 1966. Studium der Forstwissenschaft an der LMU München. Seit 1996 Projektbearbeiter und Projektleiter bei einem großen Hoch-/Tiefbau-Consultingunternehmen. Er ist Mit-Initiator des „Bündnis Gartenstadt München“,  Vorsitzender des gemeinnützigen Vereins „BI Gartenstadt Harlaching e.V.“, Mitglied im Programmausschuss des Münchner Forums, im „Denkmalnetz Bayern“ sowie im „Forum Lebenswertes München“.

Dieser Text stammt aus dem Online-Magazin STANDPUNKTE 10./11./12.2021 zum Themenschwerpunkt “Die Isar in München: urbaner Natur- und Erholungsraum”.