„Sharing heritage“, ‚das Erbe teilen‘ lautet das Motto des diesjährigen „Europäischen Kulturerbe-Jahres“ – teilen mit den Mit-Menschen, auch mit jenen aus früheren und der nachfolgenden Generationen. Wir haben dies als Anlass fürs Schwerpunktthema unserer Standpunkte genommen. „Menschen brauchen Zeit, um mit Städten und ihrer Architektur vertraut und gemeinsam leben zu können. Architektur- und Stadtplanung muss deshalb Veränderung und Kontinuität, Funktionen und Emotionen im Respekt vor der Geschichte der Stadt und ihrer Bewohner miteinander verknüpfen“, schreibt der Architekt und Stadtplaner Gerhart Laage. Doch wer mit Immobilien zweistellige Renditen erzielen will, kann sich Respekt nicht leisten. Respektlosigkeit dominiert: identitätsstiftende gebaute Umwelt wird abgeräumt oder zur geschichts-entkernten baulichen Kulisse fürs Wohnen, Arbeiten und Entspannen eines zahlungskräftigen Publikums umgemodelt. Beispiele bietet München zuhauf: Sailerstraße, Uhrmacherhäusl, Alter Hof, Residenzpost, Derzbachhof, Alte Akademie und vieles mehr. In diesem Heft kommen Bürgerinnen und Bürger zu Wort, die sich in ihren Quartieren für den Erhalt der von ihnen bewohnten Häuser und ihres Wohnumfelds einsetzen. Überall in der Stadt ist bezahlbarer Wohnraum bedroht, wird der Zusammenhalt gewachsener Nachbarschaften aufgekündigt. Wo Politik und Verwaltung sich zu Sekundanten der Immobilienverwertung degradieren lassen, nehmen Bürgerinnen und Bürger ihre  Angelegenheiten selbst in die Hand. Und schließen sich mit anderen Initiativen zusammen. Weil sie hautnah erfahren, dass nur ein Initiativen-übergreifendes gemeinsames Handeln eine hinreichende Gegenwehr entstehen lässt.

Und wir gratulieren ganz herzlich jemandem, ohne den München heute anders aussähe: Karl Klühspies, der Architekt, Stadt- und Verkehrsplaner und Mitbegründer des Münchner Forums,
vollendete Ende Mai sein 90stes Lebensjahr.

 

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