Erkundung der Isar-Hangkante vom Gasteig bis Harlaching

Bei einer Radl-Exkursion des Arbeitskreises Öffentliches Grün am 9. Juni 2015 erfolgte die historisch-aktuelle Erkundung des Isarhochufers zwischen Gasteig und Harlaching, vorbereitet und geleitet von Klaus Bäumler. Den Teilnehmern wurde ein Exkursionsplan, in bewährter Weise gestaltet von Franz Schiermeier, ausgehändigt. Der Arbeitskreis wird die Erkundung durch weitere Exkursionen fortführen.
Die urbane Naturlandschaft der Isar in München steht seit Jahren erfolgreich im Zentrum bürgerschaftlichen Engagements. Mit der Fortführung des Isarplans über die Corneliusbrücke nach Norden sollen in den stadtnahen Isarbereichen weitere auf Stadtsilhouette und Gebirge den Stadtplanern schon Anfang des 20. Jahrhunderts bewusst war, dokumentieren die Brücken mit welchen Eisenbahntrasse und Hangstraßen fußgängerfreundlich überwunden wurden, um den traditionellen Münchner Spazierweg am östlichen Isarhochufer nicht zu unterbrechen.
Ein typischer „weißer Fleck“ ist der knapp zwei Hektar große Kronepark, der als Privatpark angelegt und vor Bebauung bewahrt wurde. Es ist über den Einzelfall hinaus ertragreich, die wenig bekannte Historie dieser städtischen Grünanlage am Nockherberg zu erarbeiten. Die Existenz dieses „öffentlichen Grüns“ geht auf das Engagement von Franz Xaver Schmederer zurück, der Ende des 19. Jahrhunderts in attraktiver landschaftlicher Lage dieses grüne Refugium geschaffen und noch zu Lebzeiten Regelungen getroffen hat, es vor Bodenspekulation zu bewahren.

 

Der Kronepark, seit 1958 städtische Grünanlage, ist ein grünes Herzstück von höchstem Erholungswert, privilegiert und vom Verkehrslärm abgeschottet, an der Isarhangkante gelegen. Die Stadt München hat Mitte der 1950er Jahre das Parkareal von der Familie Krone, Inhaberin des Circus Krone, erworben. Deren Bauwünsche, hier in exponierter Akzente gesetzt werden. Ausgelöst durch Anträge aus dem Stadtrat und den Bezirksausschüssen fanden 2010 und 2012 die Workshops „Stadt und Fluss – Innerstädtischer Isarraum“ statt, deren Ergebnisse mit Handlungsvorschlägen für den Isarraum bis zur Prinzregentenbrücke noch 2015 vom Stadtrat beschlossen werden sollen.
Aber auch die Hochufer der Isar sind in der topographischen Gesamtschau der Isar-Metropole von besonderer Bedeutung. Soweit ersichtlich, ist die Analyse der städtebaulichen und stadtgeschichtlichen Entwicklung dieses, das Bild Münchens prägenden Bereichs, in einer disziplinübergreifenden Gesamtbetrachtung noch nicht erfolgt. Viele der circa zwanzig Teilnehmer an der Exkursion waren überrascht, dass zwischen Gasteig und Harlaching eine nahezu durchgehende und attraktive „Grüne Achse“ für Fußgänger und Radler existiert, die einen wichtigen Beitrag zur Entlastung des Fuß- und Radwegsystems beidseits der Isar leisten könnte. Dass der hohe Rang der Spazierwege entlang der
Lage etwa 200 Wohnungen zu errichten, ließen sich nicht realisieren. Die Bezeichnung „Kronepark“ für die idyllische Grünoase gibt Rätsel auf. Näher hätte es gelegen, mit der Benennung „Schmedererpark“ diejenige Persönlichkeit zu ehren, der Existenz und Erhaltung dieser historischen Grünanlage zu verdanken ist.
Franz Xaver Schmederer (1843-1918), Mitinhaber der Zacherlbrauerei in der Au, hat 1880 das Wiesengrundstück zwischen Nockherberg, Hangkante und Eisenbahntrasse zu Alleineigentum erworben. Schmederer beauftragte Hofgärtendirektor Karl von Effner (1831-1884) mit der Planung einer Gartenanlage im englischen Landschaftsstil. 1882 errichtete Schmederer nach Plänen des Architekten Albert Schmidt im Park eine stattliche Villa, die er bis zu seinem Tod im Jahr 1918 bewohnte. Die Schmederer-Villa am Nockherberg 7, 1932 von der Familie Krone erworben, wurde 1944 bei einem Fliegerangriff zerstört.
Bürger-Allianz für das Brückenprojekt am Giesinger Berg
Ein aktueller Schwerpunkt der Exkursion war die seit Jahren geforderte Errichtung einer Brücke für Fußgänger und Radler am Giesinger Berg, da die „Grüne Achse“ entlang der östlichen Isarhangkante in diesem Bereich gravierend unterbrochen ist. Hier wurde zwar in den Jahren 1975/77 eine vor: Ein filigraner Steg, der auf kürzestem Weg den Giesinger Berg überbrückt und sich optimal in das städtebauliche Umfeld einfügt. Insgesamt eine vorbildlich durchdachte und aus sich heraus überzeugende „Bürger-Initiative“, die es gilt mit Priorität im politisch-administrativen Entscheidungsprozess voranzubringen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts kann mit diesem Brückenbauwerk die gute Münchner Brückenbau-Tradition im Bereich des Isarhochufers zwischen Gasteig und Harlaching beispielhaft fortgeführt werden. Das Großprojekt der Neubebauung des Paulaner-Geländes am Nockherberg sollte einen wichtigen Impuls für diesen Brückenbau geben, etwa im Rahmen einer Public-Private-Partnership. Der Arbeitskreis Öffentliches Grün ist sich einig, eine umfassende Allianz zur Realisierung dieses Projekts aufzubauen.
Planungen für ein Tierpark-Parkhaus an der Siebenbrunner Straße
Letzte Station der Exkursion war der Parkplatz des Tierparks Hellabrunn an der Siebenbrunner Straße. Nach den in der Öffentlichkeit bekannt gewordenen Plänen der Tierpark AG soll dort im Landschaftsschutzgebiet am Fuss des Isarhangs ein Parkhaus errichtet werden. Das Projekt trifft auf entschiedenen Widerstand von Bund Naturschutz-Kreisgruppe München und des Roten Kreuzes. An Ort und Stelle entwickelte sich mit Vertretern des Bezirksausschusses 18 Untergiesing-Harlaching, die das Projekt befürworten, eine lebhaft-engagierte Diskussion. Dabei ging es vor allem um ein Verkehrsgutachten, das die Tierpark AG dem BA 18 überlassen hat, dies jedoch mit der Maßgabe, sich damit nur in nichtöffentlicher Sitzung zu befassen. Dieses Procedere wurde in der Diskussion heftig kritisiert. Der Arbeitskreis Öffentliches Grün hat sich an Bürgermeisterin Christine Strobl, Aufsichtsratsvorsitzende der Tierpark AG, mit der Bitte um Überlassung des Gutachtens gewandt, der aber bisher nicht entsprochen wurde. Das dem Arbeitskreis Öffentliches Grün zwischenzeitlich von der Tierparkdirektion angebotene Gespräch macht nur Sinn, wenn das Verkehrsgutachten nicht als Geheimsache behandelt, sondern dem Arbeitskreis vor einem Gespräch überlassen wird.

Info Schmedererweg:
An den Schöpfer des „Kroneparks“ erinnert heute nur noch der „Schmedererweg“, der durch die öffentliche Grünanlage vom Nockherberg zur Brücke über die Eisenbahnstrecke München – Rosenheim führt.
Diese Wegebenennung erfolgte bereits1928. Im Amtlichen Stadtplan der Stadt München waren bis kürzlich weder der Schmedererweg noch der Kronepark eingetragen. Auf Hinweis von Klaus Bäumler wurde dies ergänzt.

Klaus Bäumler

 

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