Seit Mitte Oktober hat der PlanTreff nach einem umfangreichen Umbau wieder seine Türen geöffnet. Im neuen PlanTreff im Referat für Stadtplanung und Bauordnung an der Blumenstraße 31 gibt es mehr Raum für Ausstellungen, Workshops und Diskussionen, auch wenn Pandemie-bedingt zunächst nur ein reduziertes Programm vor Ort möglich sein wird. In Zukunft sollen Veranstaltungen aller Art und kompetente Betreuung möglichst viele Münchner*innen auf die Themen und Projekte der Stadtentwicklung neugierig machen und zum Dialog einladen.

Digital und crossmedial

Selbstverständlich werden digitale Formate in der Stadtentwicklung und im PlanTreff immer wichtiger. Schon seit einiger Zeit gibt es neben dem Internetauftritt www.muenchen.de/plan , wo Informatio-nen zu allen Themen des Referats zu finden sind, die Plattform www.muenchen-mitdenken.de . Hier wird über Möglichkeiten der Bürgerbeteiligung zur Stadtentwicklung und -planung gebündelt informiert.

Über diese und andere Plattformen werden nun auch digitale Erörterungsveranstaltungen zu Bebauungsplänen angeboten. Ende September fand beispielsweise die digitale Erörterung zu den Planungen zum Georg-Kronawitter-Platz statt. Neue Veranstaltungen werden digital oder als hybride Veranstaltungen mit wenig Teilnehmenden durchgeführt, die per Livestream übertragen werden. So zum Beispiel die „Gesprächsreihe zur Stadtbaukultur“ der Stadtbaurätin.

Auch die beliebten Stadtspaziergänge aus der Reihe „PlanTreff vor Ort“ funktionieren digital. Statt zu Fuß durch ein Gebiet zu gehen, werden Stadtviertel per moderierter Webkonferenz erkundet und mit Plänen, Bildern und den Berichten von Expert*innen vorgestellt. Die Teilnehmenden können per Chat Fragen stellen und Gehörtes kommentieren. Ein Format, das aus moderner Stadtentwicklungsplanung nicht mehr wegzudenken ist und das auch nach der Pandemie weitergeführt werden wird. Denn dies ist ein Weg, neue Gruppen zu erreichen: zum einen Jüngere, Internet-Affine, aber auch Menschen, die nicht (mehr) so mobil sind.

Ein ganz neue Möglichkeit wird Ende des Jahres starten: die München-App „STADT_PLAN“. Mit der App kann jede*r für sich, ganz individuell, am Smartphone Stadtentwicklung erleben. Entweder zu Fuß oder mit dem Rad kann man auf zunächst 15 Routen erkunden, was in München geplant, aber auch bewahrt wird.

Selbstverständlich ersetzen digitale Formate in der Regel nicht die bisherigen Angebote. Sie ergänzen sie bzw. sind zur Zeit die einzige Möglichkeit, um zu informieren und zu diskutieren oder sich zu beteiligen. Der direkte Kontakt vor Ort und im PlanTreff ist und bleibt die Basis für den Dialog zwischen und mit den Akteuren der Stadtentwicklung.

Abbildung 1: Die München-App „Stadt-Plan“ © LHM

Interesse wecken und Engagement fördern

Nach wie vor gilt ein besonderes Augenmerk der Beteiligung von Kindern und Jugendlichen. Seit fast 30 Jahren veranstaltet das Referat für Stadtplanung und Bauordnung gemeinsam mit dem Referat für Bildung und Sport einen Wettbewerb für Kinder und Jugendliche zur Stadtentwicklung, den Münchner Schulwettbewerb. Hier wird Stadtentwicklung und -planung in den Mittelpunkt eines Unterrichtsprojektes oder der freien Jugendarbeit gestellt. Die Kinder und Jugendlichen erarbeiten ihre Ideen zur Gestaltung ihres Umfelds, ihres Stadtteils oder Münchens insgesamt und reichen diese als Wettbewerbsbeitrag ein. Ihre Projekte und Perspektiven werden durch eine gemeinsame Veranstaltung mit Preisverleihung und Ausstellung gewürdigt.

Verstärkt gefördert wird auch das bürgerschaftliche Engagement im Stadtteil. Konkrete Ideen und Initiativen zur Stadtentwicklung können finanziell gestärkt und unterstützt werden.

Abbildung 2: Ausstellung „München lebenswert, nachhaltig und zukunftsorientiert“
© LHM, Birgit Wagner

Nicht nur die Stadt verändert sich, auch die Bürgerbeteiligung

Die Bürgerbeteiligung hat sich in den letzten Jahren nicht nur in München verändert. Gut aufbereitete Informationen, Transparenz, Diskussionen auf Augenhöhe, Mitsprache und Mitgestaltung sind wichtige Elemente der Stadtentwicklung und werden von den Münchner*innen erwartet. Diesem Anspruch versuchen der PlanTreff und die Bürgerbeteiligung zur Stadtentwicklung Rechnung zu tragen, wie die große Bandbreite der Formate, Angebote und Verfahren zeigt.

Während bestimmte Verfahren formelle Beteiligungsschritte erfordern, haben andere einen informellen Charakter. In München hat sich inzwischen – vor allem bei größeren Projekten – eine Kombination formeller und informeller Schritte durchgesetzt. Dies hat den Vorteil, dass intensiver und lokal auf das Projekt bezogen kommuniziert und agiert werden kann.

Formate, Formate, Formate – Kommunikation braucht viele Wege

Wie schon beschrieben sind die planungsbezogene Kommunikation und Bürgerbeteiligung in München vielseitig. Dabei gilt: Je höher der Grad der Beteiligung, desto mehr Instrumente kommen zum Einsatz. Dabei wird in drei Kategorien oder Stufen der Kommunikation unterschieden. So sind Internetseiten, Flyer, Handzettel, Broschüren und Informationsveranstaltungen beispielsweise Instrumente der „Basis-Öffentlichkeitsarbeit“. Kommen Erörterungsveranstaltungen, Einwohnerversammlungen, Ausstellungen, Podiumsdiskussionen, Runde Tische, Werkstattgespräche oder Workshops hinzu, wird von „erweiterter Öffentlichkeitsarbeit mit partizipatorischen Elementen“ gesprochen. Bei der dritten Stufe, der „umfassenden Öffentlichkeitsarbeit mit Bürgerbeteiligung“, werden diese Instrumente ergänzt durch projektbezogene Newsletter oder Mailings, Veranstaltungsreihen, Exkursionen, partizipative Wettbewerbsverfahren, Online-Dialoge, Open-Space-Veranstaltungen, Bürgergutachten oder anderen Beteiligungsverfahren mit zufällig aus dem Einwohnerregister ausgewählten Teilnehmenden.

Wann welche konkreten Instrumente eingesetzt werden, wird für jedes Projekt, jedes Verfahren und jeden Prozess individuell entschieden und auf die jeweiligen Bedarfe angepasst. So gelingt der Spagat zwischen verbindlichen Regeln und individueller Ausgestaltung.

Bürgerbeteiligung in München: Mitdenken, mitreden, mitplanen

Grundsätzlich gilt: eine Stadt kann nur gemeinsam gestaltet und geplant werden. Deshalb lädt der PlanTreff ein, mitzudenken, mitzureden und mitzuplanen. Kommen Sie vorbei – digital oder vor Ort!

Anne Hogeback ist Leiterin des PlanTreff, der Münchner Plattform zur Stadtentwicklung. Der PlanTreff veranstaltet Ausstellungen, Workshops, Dialoge und bringt die Akteure der Stadtentwicklung zusammen.

 

Dieser Text stammt aus dem Online-Magazin STANDPUNKTE 10./11.2020 zum Themenschwerpunkt “Bürgerbeteiligung in der Praxis”.