Pressemitteilung des Arbeitskreises Attraktiver Nahverkehr (AAN) im Münchner Forum, 08.09.2021:

In der heutigen Sitzung des Verwaltungs- und Personalausschusses (als Feriensenat) hat der Stadtrat das MVG Leistungsprogram (Fahrplanangebot) für 2022 beschlossen. Darin fallen neben anderen Kürzungen (Übersicht https://www.ris-muenchen.de/RII/RII/DOK/SITZUNGSVORLAGE/6725235.pdf , Seiten 6 und 7) vor allem zwei Maßnahmen auf:

  • Kürzung des Nachtverkehrs – auch an Wochenenden soll der 60 Minuten-Takt wie unter der Woche gelten
  • Streichung von „Takt 10 bis 10“ (Tram und Metrobusse, derzeit zwischen 20 und 22 Uhr alle 10 Minuten, soll künftig alle 20 Minuten ausgedünnt werden)

Diese Maßnahmen sind wegen der Corona-Pandemie seit Ende 2020 ausgesetzt worden und sollen nun nicht wieder eingeführt werden.

Dazu AAN-Sprecher Berthold Maier: „Grün-Rot nimmt mit den genannten Maßnahmen die größte Fahrplankürzung seit 17 Jahren vor. Gerade der „Takt 10 bis 10“ hat die Attraktivität des Öffentlichen Personennahverkehrs (ÖPNV) in den Abendstunden deutlich erhöht. Will man so Fahrgäste zurückgewinnen? Es ist völlig unverständlich, dass hier das Angebot weiterhin reduziert sein soll. Auch ist unklar, inwieweit die Bezirksausschüsse über diese Kürzung angehört wurden – in der MVG-Vorlage vom April 2021 fehlt ein Hinweis auf diese Kürzungen.“

Auch sonst ist das Tempo beim Ausbau des ÖPNV eher gemächlich: Bei der Busbeschleunigung wurde im Juli nur ein Teil der Maßnahmen beschlossen, der Rest wurde vertagt. Auch bei neuen Trambahnbetriebshöfen (Abstellanlagen) ist kein Fortschritt erkennbar – wie sollen die neuen Trambahnfahrzeuge abgestellt werden?

AAN-Sprecher Berthold Maier weiter: “Kürzungen auf der einen Seite, ein sehr langsames Voranschreiten bei den Ausbaumaßnahmen – so lassen sich keine neuen Fahrgäste gewinnen und keine Autofahrer zum Umsteigen bewegen. Auch auf dem städtischen Mobilitätskongress, der parallel zur IAA stattfindet, sucht man den ÖPNV vergeblich. Dabei hat der Stadtrat erst im März den neuen Nahverkehrsplan mit vielen neuen U-Bahn und Trambahnstrecken beschlossen. Sechs Monate später ist davon bei einem Kongress, bei dem die Landeshauptstadt München ihre Vision von der Mobilität der Zukunft vorstellt, nicht mehr die Rede. Soll die Verkehrswende ohne ÖPNV stattfinden? Das ist schwer vorstellbar.“

 

 

 

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