Standpunkte 12.2019 / 1./2.2020: Stadtentwicklung 2.0?

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Liebe Leserin, lieber Leser,

München wächst – nicht. Seit der Eingemeindung von Aubing/Langwied 1942 breitet sich München auf 310 Quadratkilometern Schotterebene links und rechts der Isar aus. München wächst – dennoch. 1958 trat München in den Kreis der wenigen bundesdeutschen Millionenstädte ein; seitdem sind noch einmal mehr als eine halbe Million Einwohner hinzugekommen. Und in den nächsten 15 Jahren soll – so eine Prognose der Landeshauptstadt – round about weitere 300.000 Einwohner (m/w/d) hinzukommen.
Die Anziehungskraft der Stadt beruht nicht zuletzt auf der Nachfrage nach Arbeitskräften für eine inzwischen technologie- und wissenschaftsaffine, weitgehend altlastenfreie Produktions- und Dienstleistungs-Wirtschaft. Das Muster: Die Unternehmen werben um zusätzliche Arbeitskräfte, die Landeshauptstadt kümmert sich um den Rest. Jede zusätzliche Arbeitskraft bedeutet auf längere Sicht mehr als zwei neue Einwohner für das Gemeinwesen – wohin, wenn die Flächenressourcen zu Ende gehen, wenn die infrastrukturellen Einrichtungen schon heute aus den Nähten platzen?
Es drängen sich Fragen auf: Die Stadt will ihren Stadtentwicklungsplan „Perspektive München“ fortschreiben: Weiter wie bisher, planning as usual, und damit Überplanung der letzten Flächenreserven an den Stadträndern und Nachverdichtung im Siedlungsbestand? Und was hilft dabei das Planungsinstrument der „städtebaulichen Entwicklungsmaßnahme“ (SEM)? Stadtentwicklung für wen – für die ansässigen Bewohner oder für die Hinzuziehenden? Ist das ein Gegensatz oder miteinander kompatibel?
Oder tritt die Stadtentwicklung in ein neues Stadium ein – quasi Stadtentwicklung 2.0, getrieben von der Klimadebatte, den Anforderungen geänderter Mobilität und der verzweifelten Suche nach neuen Energieressourcen angesichts des absehbaren Endes des fossilen Energiezeitalters, mit Vorstellungen von einem „qualitativen, nachhaltigen Wachstum“? Was könnte das sein, und was könnte das für München bedeuten?
Diese und weitere Themen reißen wir in diesem Heft an, sicherlich unzureichend knapp. Wir möchten die Debatte mit unseren Leser/innen fortsetzen. Wir hoffen deshalb auf kritische Resonanz.
Münchens Wähler/innen entscheiden am 15. März auch über die Zukunft der Stadtentwicklung. Bei der letzten Kommunalwahl 2014 nahmen 58 Prozent der 1,087 Mio. stimmberechtigten Bürger ihr Mitentscheidungsrecht nicht wahr; der derzeitige Stadtrat legitimiert sich aus der Stimmverteilung von lediglich rd. 456.000 (= 42 Prozent) der möglichen Wählerstimmen. Wenn das zukünftig anders sein soll, sollten Sie Ihr Wahlrecht wahrnehmen.

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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Inhaltsverzeichnis


Stadtentwicklung 2.0?

A. Peter, M. Hanslmaier, A. Lorz
Gemeinsam die Zukunft gestalten!

Jessica Hanke, Ilka Kürbis
„Schwarmstadt München“

Sonja Sachsinger
München – wohin?

Stephan Reiss-Schmidt
München morgen: gut zusammen leben, bezahlbar wohnen!

Stellungnahmen zum Beitritt Bündnis ProSEM
Bernadette Felsch, Wolfgang Czisch,
Georg Kronawitter, Helmut Steyrer

Patric F.C. Meier
Stadtentwicklung: Tempo rausnehmen

Andreas Dorsch
Nachverdichtung – Lösung oder doch ein Problem?

Hans-Jochen Vogel
Wir brauchen eine neue Bodenordnung!

Bernadette-Julia Felsch
Bodenpolitik in anderen Staaten und globalen Regionen

Detlev Sträter
Aktive Bodenpolitik?

Karl-Heinz Hummel
Nachtgebet eines Immobilienentwicklers

Gunhild Preuss-Bayer
Wird das Kreativquartier autofrei?

Sylvia Hladky
Was sich Münchner BürgerInnen wünschen

Klaus Müller
Tatort Giesing

Katrin Sachs
Auf der Mauer, auf der Lauer

Maria Schlüter, Nick Förster
„Glyptotheke“

D. Sträter, K. Bäumler, W. Czisch
Leserbrief


Bildquellen

  • Bild-Fortschreibung-Perspektive-LHM: Urban Catalyst Studio

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