Standpunkte 11.2012: Bodenrechtsdebatte

Liebe Leserin, lieber Leser,

das viele Geld sucht einen sicheren, lukrativen Hafen. Den bieten – leider – auch städtische Immobilienmärkte. Aber warum soll es gesellschaftspolitisch gerechtfertigt sein, mit dem nicht vermehrbaren Grund und Boden auf Kosten der Mietpreise zu spekulieren? Eine Bodenrechtsdebatte ist überfällig (S. 14).
Der Karlsplatz-Stachus beschäftigt das Münchner Forum zum wiederholten Male. Sorgfältig wurde der Platz am Ende des Straßenzugs vom Gasteig über die Isar ins Tal, den Marienplatz bis zum Stachus gestaltet, das Neuhauser Tor mit dem davor liegende Rondell als öffentlicher Raum. Die westliche Platzseite muss historisch zwangsläufig höchsten Ansprüchen genügen und auf die vorhandenen Qualitäten reagieren. Der Sieger im privaten Architekturwettbewerb zum Hotel Königshof hatte eine zeitgemäße Grüngestaltung des obersten Geschosses vorgeschlagen – in Anspielung an den Alten Botanischen Garten (wir berichteten). Dachbegrünung ist ein wichtiges Thema der Stadtbelüftung. Erstaunen löst das Urteil der Stadtgestaltungskommission aus, dass eine Erhöhung sinnvoll, eine Dachbegrünung aber völlig indiskutabel sei. In den Beiträgen zum studentischen Wettbewerb „Im Herzen der Stadt – Stachus München“ (S. 5), bei dem man auf Widerspruch gehofft hatte, wird lediglich weiter verdichtet und erhöht ohne Sensibilität für die Stadtsituation. Not täte aber, die Aufenthaltsqualität vor dem Königshof den Öffentlichen Raum bei dieser Gelegenheit endlich wieder ins Zentrum zu rücken.
Der Blick aus der Ferne schärft die Sicht auch auf die eigene Stadt: Martin Fürstenberg berichtet von der ISOCARP-Planertagung im russisch-sibirischen Perm (S. 6).
Die Vorbereitung des Neubaus der Siemens-Hauptverwaltung zwischen Wittelsbacher Platz und Oscar-von-Miller-Ring läuft an. Obwohl die Chance groß war, durch dieses Areal eine fussläufige Verbindung vom Odeons- und Wittelsbacher Platz zum Museumsquartier zu schaffen, hat die Stadt klein beigegeben. Eine Koordinierung der planungs- und bauverantwortlichen Referate konnte nicht erreicht werden, um diese Stadtwunde am und durch den Altstadtring zu schließen. (S. 10). Ist es nicht möglich, private Bauvorhaben mit dem öffentlichen Interesse zu verbinden?
Eine weitere Gelegenheit dazu böte auch die Entwicklung in Freimann. Die Lokhalle könnte Chance sein, hier eine Mitte zu schaffen im amorphen Stadtgefüge, so wie es der Bezirksausschuss schon lange fordert (S. 8). Neue Siedlungsgebiete im Nordosten Münchens werden Stadtrat und Stadtverwaltung noch lange beschäftigen. Der größte Bremsklotz ist hier die ebenerdige Lage der S-Bahn-Trasse (Bericht auf S. 17).
Erfreulich ist der Beschluss des Stadtrates, ein Bürgergutachten für das Museumsquartier in der südlichen Maxvorstadt durchzuführen. Dieses „Kunstareal“ mit seiner Museumslandschaft ist ja für ganz München von höchstem Interesse, aber warum nutzen es hauptsächlich nur München-Besucher? (S. 4) Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre und freue mich auf Ihre Kommentare.
Mit freundlichen Grüssen
Wolfgang Czisch
1. Programmausschussvorsitzender des Münchner Forums

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Inhaltsverzeichnis

Bodenrechtsdebatte

Gernot Brauer
Museum für Ägyptische Kunst in der Maxvorstadt „Der Standort könnte nicht idealer sein“

Referat für Stadtplanung und Bauordnung der LH München
Meldung: Ein Bürgergutachten für die südliche Maxvorstadt

Gernot Brauer
Denkanstöße fürs Bauen am Stachus – realistisch? Studenten erfinden das Königshof-Karstadt-Areal neu

Gernot Brauer/Martin Fürstenberg
Wer beherrscht die Stadt? Wer macht in den Kommunen die „Musik“

Gernot Brauer
Neue Pläne für Freimann, aber eine Mitte des Stadtteils fehlt

Gernot Brauer
Baustelle der Siemens-Hauptverwaltung im Zeitplan Abbruch der Bestandsbauten hat pünktlich begonnen

Gernot Brauer
Die Praterinsel dümpelt vor sich hin Stadt will eine Oase, der Eigentümer Geld verdienen

Bernadette-Julia Felsch
Wie gerecht ist Eigentum an Grund und Boden? Denk-Alternativen für ein soziales Bodenrecht

Gabriele Mühlthaler
Neue Siedlungsgebiete im Münchner Nordosten Stadt informiert Bezirksausschuss und Bürger

Gernot Brauer
Wohnen ohne Auto – das geht besser als gedacht – Veranstaltung zeigt, was wir von Wien lernen können


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