Standpunkte 02./03.2019: Sichtachsen in München

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Liebe Leserin, lieber Leser,
Sichtbeziehungen in der Stadt sind unser diesmaliges Schwerpunktthema. Sichtbeziehungen gliedern und strukturieren den städtischen Siedlungskörper, öffnen enge und weite Sichtschneisen, lenken den Blick auf singuläre Orientierungspunkte und rhythmisieren den Blick und den Weg dorthin. Sichtbeziehungen schaffen Wiedererkennung, stellen Sicherheit und Identität für diejenigen her, die sich durch die Stadt bewegen. Sichtbeziehungen wurden in Zeiten feudaler und postfeudaler Stadtbaukunst sorgsam komponiert – in Zeiten eklektizistischer Stadtverdichtung scheinen Sichtbeziehungen nicht höchste Priorität zu haben: Kann München noch Sichtachsen?
Sichtbeziehungen werden nicht nur in die Weite, sondern auch in die Höhe gelenkt. Seit Jahrhunderten tobt der Kampf um die „Stadtkrone“: im Mittelalter ging der Ehrfurcht heischende Blick hinauf zur herrschaftlichen Burg, meist an Orten loziert, wo man dem Wegezoll nicht auskam. Dann erhoben sich die Kirchen- und Domtürme klerikaler und territorialer Macht – mitten in die Stadt platziert, die als Blickanker und Akustikquellen auch das Land herum bestrichen. In den absolutistischen Stadtgründungen wurde der Blick auf den Sitz des weltlichen Herrschers im Zentrum gelenkt – exemplarisch hier die Fächerstadt Karlsruhe. Der Kampf um die Höhe nahm im letzten Jahrhundert Fahrt auf: die Bauten politischer Macht wurden bald übertrumpft von den Zentralen des industriellen Kapitals, übertroffen von den Handelsburgen des Warenkapitals und vorläufig besiegt von den hochfahrenen Netzknoten des Finanzkapitals – architektonische Erektionen, die mit Argumenten ästhetisierender Funktionalität verbrämt werden, wo es doch um gesellschaftliches Dominanzgebaren geht. Das Firmenlogo on top – der Gesslerhut des 21. Jahrhunderts? Sichtanker der Herrschaftssymbolik.
Weitere Themen in diesem Heft: Zum Umgang mit Erhaltungssatzungen in München, zum Seilbahnprojekt Frankfurter Ring, ein Debattenbeitrag zum Museum „Biotopia“ im Nymphenburger Schloss und vieles mehr.
Dieses Themenheft ist die Doppelausgabe der Standpunkte für Februar und März 2019. Wir hoffen wie immer auf eine kritische Leserschaft und entsprechende Reaktionen.

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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Inhaltsverzeichnis


Sichtachsen in München

Dieter Klein
Grandiose Perspektiven und verbaute Blicke

Matthias Castorph
Die Sichtachse – eine Papieridee?

Klaus Bäumler
Weitsichtiger Schutz der Weitsicht

Klaus Bäumler
Vermessung der Umgebung Münchens im 18. Jahrhundert

Ingrid Krau
Sichtachsen in München

Klaus Bäumler
Natürliche Panoramen

Wolfgang Czisch
15 Jahre Bürgerentscheid Hochhäuser in München

Wolfgang Czisch
Die Münchner Hochhausstudien

Klaus Bäumler
Klassischer München-Blick

Reinhard Sajons
Bewahren und Erhalten von gewachsenen Strukturen

Susann Pokorny
Erhaltungssatzung – (k)ein zahnloser Tiger

Matthias Hintzen
Alles in der Schwebe

Udo Bünnagel
Warum steht der Neubau fürs Museum Biotopia eigentlich in der Kritik

Matthias Beck
Rahmenplanung Wasserburger Landstraße

Michaela Schier
Aktuelles zur Debatte Pro und Contra SEM


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