Eine Stadt im Ausnahmezustand: So muss man München am Wochenende des Altstadtringfestes bezeichnen. Inzwischen ist die Stadt wieder zur Tagesordnung übergegangen. Aber ist nun alles wie vorher? Wir meinen: Nein. Massenhaft haben die Bürger von öffentlichen Räumen Besitz ergriffen, die bisher nur dem motorisierten Verkehr vorbehalten waren. Er rollt seither wieder. Das muss auch so sein. Die Selbstverständlichkeit jedoch, mit der die Stadt dem Straßenverkehr Vorrang vor der Mehrheit der Fußgänger und ÖPNV-Benutzer einräumt, hat einen neuen Dämpfer bekommen: Es geht also auch anders. Das Münchner Forum ist in den 1960er Jahren aus dem Widerstand gegen die nur autogerechte Stadt entstanden. Diese Ideologie ist überwunden. Mit einem Bericht vom Altstadtringfest beginnen wir diese Ausgabe auf Seite 2. Aber es gibt noch genügend zu tun. Alte Gewohnheiten prägen nämlich auch heute noch urbane Räume wie den Oberanger oder die Sendlinger Straße. An die oft geforderte, längst überfällige Verkehrsberuhigung der Sendlinger Straße erinnern wir auf Seite 6. Mit dem Oberanger, dessen Neugestaltung weit hinter den Möglichkeiten geblieben ist, beschäftigt sich der Münchner Architekt Marco Goetz in einem Kommentar auf Seite 8. Gerade auf den Oberanger muss man hinweisen, ehe andere Altstadtstraßen ähnlich unsensibel umgebaut werden.
Ab Seite 9 berichten wir von einer Diskussion zur Stadtgestalt mit OB Christian Ude. Der OB hat sich im Haus der Architekten kürzlich festgelegt, zur künftigen Münchner Stadtgestalt einen Gesprächskreis, eine Art Think Tank, zu berufen. Und ab Seite 11 schildern wir, was derzeit in Freimann mit der riesigen Halle des früheren Bahn- Ausbesserungswerkes geplant ist. Hier liegen Planer und Bürger im Clinch. Danach äußert sich Karl Klühspies auf Seite 14 zum Zwingereck. Leserbriefe und Terminvorschau schließen die Ausgabe ab.

 

 


Altstadtringfest

Zu Münchens Altstadtringfest die Stadt ganz neu erleben: Ring ohne dominanten Straßenverkehr – ein Fest

So luftig könnte die Sendlinger Straße ohne Autos aussehen Die Beruhigung der Sendlinger Straße muss man nur wollen

Gernot Brauer Der Angerblock am Oberanger setzt den Schlussstein: Münchens Angerviertel ist fast komplett wieder aufgebaut

Was hat die Stadt sich geleistet? Kommentar von Marco Goetz: Der Oberanger ist hinter den Möglichkeiten geblieben

Gernot Brauer „Wir sind nicht herausgefordert, das Beste zu wollen“, sagt Uwe Kiessler. Konsequenz: Münchens Stadtplanung bekommt einen „Think Tank“

Gernot Brauer In Freimann stehen sich Kapitalinteressen und Bürgerwünsche diametral gegenüber: vivico will Gewerbegebiet, der Bezirksausschuss kämpft

Freimann: Da wo „ois hi kommt“? „Monofunktionaler Gewerberiese: ein ‚no go‘

Karl Klühspies Zwingereck: Sechs Millionen gegen ein Wandbild