„Sit down“ im öffentlichen Raum

Aufenthaltsqualität im Kunstareal

Eine Kunstaktion des Münchner Forums zur Freiflächengestaltung im Kunstareal in Kooperation mit dem Verein Urbanes Wohnen München

von Aurel Braun und Martin Fürstenberg

Im Kunstareal entwickelt sich mit den Museen, Hochschulen und Kultureinrichtungen derzeit ein einzigartiger Aktionsraum für Kunst, Kultur und Wissen. Das Areal ist aber auch reich an öffentlichen Grün- und Freiflächen. Seit 2017 erarbeitet das Schweizer Büro Vogt Landschaftsarchitekten AG im staatlichen Auftrag einen „Masterplan Freiflächen“. Noch sind die Empfehlungen der Fachplaner „unter Verschluss“ (SZ). Was aber erwarten die Menschen von der Freiflächengestaltung im Kunstareal? Wir baten 25 Besucher beim Kunstareal-Fest 2017, ihre schönsten Orte im Gelände zum Sitzen, Liegen und Verweilen mit gelben Sitzhockern ausfindig zu machen, und befragten sie anschließend, woher sie kommen, wo sie sich auf den Grün- und Freiflächen des Kunstareals am besten fühlen und was sie auf diesen Flächen künftig gerne tun würden. Ihre Antworten waren erstaunlich differenziert, praktisch und anregend.
Knapp ein Drittel der befragten Besucher wohnt in der Maxvorstadt oder in den angrenzenden Vierteln (Altstadt, Lehel und Schwabing), die Hälfte im übrigen Münchner Stadtgebiet (von Pasing bis zum Münchner Osten). Ein Viertel kommt aus der Region und von weiter her (Vier-Seen-Gebiet, Rosenheim, Ingolstadt). Die überwiegende Mehrheit wünscht sich eine weit anspruchsvollere Nutzung und Aufenthaltsqualität der Freiflächen, vor allem um die Pinakothek der Moderne (siehe Grafik).
Da sind zunächst die El-tern mit kleinen Kindern. Für sie sind die Freiflächen ein willkommener Spielraum. Morgens beim Aufbau der Hocker vor der Pinakothek der Moderne kommt eine Mutter aus Schwabing auf uns zu. Unsere gelben Hocker machen sie neugierig. Auch wenn es regnet, das Mädchen will spielen und herumtollen, die Mutter ein wenig Unterhaltung. Bald entdecken wir, dass wir gemeinsame Bekannte haben. Das macht gesprächig und vertraut – wie auf einem Spielplatz. Nach einer Stunde müssen Mutter und Tochter fort, zum Kochen nach Hause.

Die Freiflächen als „Tanzboden“. Das interkulturelle Tanzprojekt „Over x Over“ mit Moro Craemer vor der Pinakothek der Moderne

Die Freiflächen als „Tanzboden“. Das interkulturelle Tanzprojekt „Over x Over“ mit Moro Craemer vor der Pinakothek der Moderne

Als der Regen nachlässt, kommen junge Leute ins Quartier. Einige greifen sich unsere Hocker und diskutieren ihre Pläne für den Tag. Die überdachten Vorflächen der Pinakothek bieten ihnen den idealen Schutz- und Warteraum bis zum nächsten Programmstart. Etwas später wird die Vorfläche zum Tanzboden. Dann ziehen die jungen Musiker und Tänzer quer über die Freiflächen zur Gabelsbergerstraße. Überall wo‘s Tanz und Musik gibt, da werden die Flächen „lebendig“.
Einige ältere Semester haben sich mit unseren Hockern unter dem futuristischen Wohnmodell an der Pinakothek der Moderne niedergelassen. Bis das „Futuro“ geöffnet wird, macht es ihnen offensichtlich Freude, in der „Aura“ des Kunstwerks zu warten. Kunst im Freiraum zieht Menschen wie ein Magnet an, sofern sie Größe und Ausstrahlung hat. Dies bestätigt uns ein Besucherpaar aus Ingolstadt. Auf ihrem Tagesausfug ins Münchner Kunstareal steht in der Regel zunächst der Besuch einer Sonderausstellung im Programm, daneben aber immer auch die Chillida-Skulptur „Buscando la Luz“ an der Barer Straße. Das große Kunstwerk auf sich wirken lassen – so der Ingolstädter – gebe Ruhe; noch schöner wäre es im Sitzen aus 10, 15 oder 20 Metern; das wäre eine echte Steigerung des Kunstgenusses. Sie – die Ingolstädterin – liebt eher den „Mann mit der roten Nase“ vor der Ägyptischen Sammlung. Den müsse man aber aus der Distanz anschauen, am besten von der Wiese der Alten Pinakothek, sonst käme er einem zu nahe. Dort steht vorübergehend die „Para-Pagode“ von Alexandra Hendrikoff und lockt die Besucher durch wehende „Gebetsfahnen“ und bequeme Sitzpolster an. Da erinnert sich mancher an die bunten Strohballen vor zwei Jahren am selben Ort – eine wunderbare temporäre Aktion.
Für Besucher aus weiter entfernten Orten spielen die Grün- und Freiflächen fast keine Rolle. Hier wünscht man sich eher, rasch ins Kunstareal zu kommen und hier auf kurzem Weg von Haus zu Haus. Der Wert des Kunstareals seien doch die Schätze in den Häusern! „Das Grün habe ich zu Hause.“ Wenn man sich einmal niedersetzen möchte, hat jeder Besucher seinen Geheimtipp: Der eine schwärmt vom Café Klenze (zur Zeit im Umbau), dem anderen gefällt – uns schwer verständlich – das kühle Design des PdM-Cafés. Zwei Lieblingsorte im Freien werden immer wieder genannt: das Café im Innenhof der Glyptothek und die Aussicht vom Vorhölzer-Zentrum – ein Highlight zum Sehen, Sitzen und Verweilen, und dies ohne Konsumzwang. An Letzterem sehen viele besonderen Bedarf.

Die „Para-Pagode“ von Alexandra Hendrikoff beim Kunstareal-Fest vor der Alten Pinakothek

Die „Para-Pagode“ von Alexandra Hendrikoff beim Kunstareal-Fest vor der Alten Pinakothek

Zum Abschluss unserer Aktion werden uns die Hocker aus den Händen gerissen, von Erwachsenen wie von Kindern. Sie wollen sich eigene Sitzgruppen bauen. Vielleicht sollte man künftig von der strengen, symmetrischen Aufstellung trist anzusehender Parkbänke absehen und den Besuchern überlassen, wo und wie sie sich zusammensetzen wollen.
Es muss ja nicht alles „verplant“ werden. Die allerletzten Hocker „wanderten“ übrigens zur Markuskirche an die Gabelsbergerstraße. Denn überall im Umfeld des Kunstareals wünschen sich die Anrainer breite, menschlich gestaltete Freiflächen, so auch hier am „Entree“ vom Odeonsplatz zum Kunstareal.

Resumée
Was bleibt von diesem Tage? Zunächst die Erfahrung, dass die Freiflächen im Kunstareal keine beliebigen Freiflächen sind. Kunst, Kultur und die Freiflächen des Areals bedingen sich gegenseitig. Sie sollten viel stärker als Einheit verstanden werden. Wichtig wäre, die „Außenflächen“ der Häuser als „Innenraum“ des Kunstareals zu betrachten, mit Hinführung und Bezug auf die jeweiligen Themen des Hauses.
Auch für jene Münchner, die nicht in erster Linie „zur Kunst“ wollen, sollten die Flächen als Teil des öffentlichen Raums intensiver genutzt und bespielt werden. Die Nähe zu den Kunstwerken tut vielen Menschen gut. Gut wäre, noch mehr auf das Verhalten der Nutzer zu schauen: auf ihr Interesse an Freiflächen zum Spielen, zum Verweilen, gelegentlich auch zum Tanzen und Musizieren, wie unter dem Vordach der Pinakothek der Moderne. Das Kunstareal ist ein optimaler Ort, um professionelle Freiflächengestaltung und kreative Ideen der Besucher miteinander zu verbinden.

Tipps für Grün- und Freiflächenplaner im Kunstareal München

1. Hinaus aus den Planungsbüros und häufiger mit den Menschen reden!
2. Intensivere Nutzung der Freiflächen um die Pinakothek der Moderne (PdM) statt öde Schotterflächen und Parkplätze; Aufstellung von Skulpturen und temporären Installationen als Hinführung zu Kunst und Kultur
3. Kurze, leicht erkennbare Wege zu den Museums-Eingängen, auch für Behinderte und eilige Besucher; ein übersichtliches Wegenetz vom Königsplatz bis zum Museum Brandhorst
4. Offene, überdachte Außenflächen vor der PdM, Glyptothek, Antikensammlung als Warte-, Schutz- und Aufenthaltsraum, dann und wann auch zum Musizieren und Tanzen
5. Mehr Begegnungsecken mit Sitzgruppen im Freien zwischen PdM, Türkentor und Museum Brandhorst; Erhalt konsumfreier Räume
6. Mobile komfortable Sitze zum Betrachten der Skulpturen wie Chillidas „Buscando la Luz“ oder „Futuro“,
vor allem aber
7. viele offene Freiflächen um die Alte Pinakothek u.a. zum Spielen, Ausruhen und Verweilen, geschützt vor lautem Straßenlärm und Emissionen.

 

Anmerkung:
Wir danken dem Verein Urbanes Wohnen München e.V., Herrn Manfred Drum, Laszlo Paly, Erich und Ines Jenewein, Wolfgang Heidenreich von Green City sowie Miriam Ganser und Wolfgang Zimmer vom Münchner Forum für ihre tatkräftige Unterstützung der „Sit down“-Aktion beim Kunstareal-Fest 2017.

Aurel Braun ist Student der Geographie und war im Sommer 2017 Praktikant in der Geschäftsstelle des Münchner Forums.

Martin Fürstenberg ist Wirtschaftsgeograph, Stadtplaner und Leiter des AK Maxvorstadt/Kunstareal im Münchner Forum.

Münchner Forum im Münchner Untergrund: Abwasserkanal und Regenrückhaltebecken

Anlässlich des Weltwassertages am 22. März 2017 hatte das Münchner Forum zu einer Führung durch die Münchner Kanalisation in Kooperation mit der Münchner Stadtentwässerung eingeladen. Direkt neben der Ungererstraße beim Nordfriedhof führte Herr Dr. Bernhard Böhm die rund 30 Teilnehmer über einen Einstieg hinunter in die Münchner Unterwelt. Zuerst wurde ein über 100 Jahre alter, inzwi- schen stillgelegter Abwassersammler mitsamt einem Überlauf erkundet. Im Falle starker Niederschläge wurde an dieser Stelle früher ein Teil des Abwassers mittels dieses Überlaufs in die Isar abgeleitet. Heute gelangen aufgrund eines verbesserten Regen- und Abwasserrückhaltesystems nur noch geringe Anteile des Abwassers (ca. 0,5 Prozent) bei extrem starken Niederschlägen in den Vor uter Isar.
Anschließend wurde ein Regenrückhaltebecken unter einer Grünanlage in der Nähe der Schenken- dorfstraße besichtigt. In derartigen Becken kann Regenwasser bei starken Niederschlägen einlaufen und auf diese Weise das Kanalsystem entlasten. Äußerst beeindruckend waren die Dimensionen dieses Beckens, das 20.000 Kubikmeter Wasser aufnehmen kann.
Nach ca. zwei Stunden endete hier die Führung durch einen kleinen Teil des riesigen Münchner Ab- wassersystems, was dennoch bei allen Teilnehmern starke Eindrücke hinterließ.

Lisa Buchner

Lisa Buchner, Praktikantin im Münchner Forum 2016

Arkaden der Alten Akademie im Brennpunkt der Begehrlichkeit

Handlungswissen für Bürger und Investoren

Bei der Umnutzung der Alten Akademie durch den Investor Benko und seine Signa Gruppe geht es in der aktuellen Diskussion vor allem auch um die Erhaltung der Arkaden. Die Arkadenflächen der Alten Akademie umfassen insgesamt 560 qm; davon entfallen auf den Bereich an der Neuhauser Straße 455 qm und entlang der Kapellenstraße 105 qm.
Aus zwingenden städtebaulichen und stadtgestalterischen Aspekten sind diese Arkaden im bisherigen Umfang zu erhalten. Helmut Steyrer hat in seinem Beitrag „Alte Akademie – im neuen Gewand“ in den Standpunkten August/September 8./9.2016 hervorgehoben, dass bei Verwirklichung des 1. Preises des Wettbewerbs ein ganz massiver Eingriff in die Arkaden vorgenommen wird und erhebliche Arkadenflächen dem öffentlichen Raum entzogen und den Ladengeschäften zugeschlagen werden. Es ist ein offenes Geheimnis, dass der Investor, trotz eindeutiger Rechtslage, eine weitgehende Reduzierung der Arkadenflächen an Neuhauser und Kapellenstraße durchsetzen will. Dies soll – so die Intention des Investors – nicht durch rechtsverbindliche Festsetzungen im Bebauungsplan Nr. 1975 erfolgen, sondern im sog. Einzelgenehmigungsverfahren auf der Grundlage von § 34 BauGB (Baugesetzbuch). Würde die Stadt München als Trägerin der Planungshoheit diesem Verlangen des Investors nachgeben, würde die angesichts der herausragenden Bedeutung der Alten Akademie unverzichtbare Bürgerbeteiligung vollständig entfallen.

Arkaden Kaufingerstraße 4

Arkaden Kaufingerstraße 4, Zustand 2016 mit abgeschrägter Ecksituation, reduziert um 9 qm.

Gewichtige ökonomische Begehrlichkeiten treiben den Investor an, eine Reduzierung der Arkaden zu Gunsten von Ladenflächen durchzusetzen. Sollte dies gelingen, würde ein Bezugsfall geschaffen, der das städtebauliche Gesamtkonzept für alle Arkaden in der Altstadt in Frage stellt. Die bisherigen Bemühungen der Stadt, die Arkaden in der Achse Neuhauser/ Kaufingerstraße zu erhalten, würden konterkariert. Dies ist exemplarisch belegt durch das Ringen um die Arkaden des Anwesens Kaufingerstraße 4. Die Stadt München hat diese Arkaden gegen die Erweiterungswünsche des dortigen Geschäftsinhabers jahrelang in aller juristischen Konsequenz verteidigt. Ausgangspunkt für die diesbezügliche Recherche des Verfassers war ein vergilbter Zeitungsausschnitt aus seinem Archiv: Ein Bericht im Lokalteil der SZ vom 03.05.2000 Nr. 101 über den Rechtsstreit eines Geschäftsinhabers gegen die Stadt München vor dem Landgericht München I. Diese Berichterstattung der SZ ermöglichte es, die üblicherweise anonymisierten Entscheidungen der Gerichte in dieser Sache zu entschlüsseln und exakt zu verorten. Ab 1999 kämpfte die Stadt München fünfzehn Jahre lang vor Zivil- und Verwaltungsgerichten, um die Erweiterung des Juweliergeschäfts Kaufingerstraße 4 zu Lasten einer ca. 40 qm großen Arkadenfläche zu verhindern, welche durch eine Grunddienstbarkeit zu Gunsten der Stadt zivilrechtlich und öffentlich-rechtlich mit einer Baulinie gesichert war (vgl. Übersicht in Kasten 1). Letztlich musste die Stadt mit Abschluss der gerichtlichen Verfahren in den Jahren 2013/14 nur eine Reduzierung der Arkade um neun Quadratmeter hinnehmen. Durch das beharrliche Engagement der Stadt wurden im Fall „Arkaden Kaufingerstraße 4“ insgesamt 30 qm Arkadenfläche als öffentlicher Raum gerettet und für die bürgerschaftliche Nutzung erfolgreich verteidigt.

Kasten 1

Die Verteidigung der Arkaden in der Kaufingerstraße 4 durch die Stadt München in den Jahren 1999 bis 2014
Entscheidungen der Zivilgerichte:

– Urteil des Landgerichts München I
vom 15. 03. 2000 Nr. 9 O 11237/99
– Urteil des Oberlandesgerichts München
vom 18. 09. 2000 Nr. 31 U 2919/00
– Beschluss des Bundesgerichtshofs
vom 25. 10. 2001 Nr. V ZR 397/00 Entscheidungen der Verwaltungsgerichte:
– Urteil des Verwaltungsgerichts München
vom 13. 06. 2005 Nr. M 8 K 05.62
– Beschluss des Bayer. Verwaltungsgerichtshofs
vom 09. 01. 2006 Nr. 2 ZB 05.2370
– Urteil des Verwaltungsgerichts München
vom 30. 03. 2006 Nr. M 10 K 05.6177
– Urteil des Bayer. Verwaltungsgerichtshof
vom 23. 07. 2009 Nr. 8 B 08.1049
– Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts
vom 22. 03. 2010 Nr. 9 B 102.09
– Urteil des Verwaltungsgerichts München
vom 02. 04. 2012 Nr. 8 K 11.1483
– Urteil des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofs vom 28. 11. 2013 Nr. 2 B 13.1587
– Beschluss des Bundesverwaltungsgerichts
vom 05. 06. 2014 Nr. 4 B 14.14

Mit einer Fläche von 560 qm haben die Arkaden der Alten Akademie allein schon von ihrer Größe eine andere Dimension.
Der Signa Gruppe wurde vom Freistaat Bayern die Nutzung des 6.055 qm großen Areals der Alten Akademie im Wege des Erbbaurechts auf die Dauer von 65 Jahren eingeräumt. Der vereinbarte Erbbauzins soll etwa 240 Millionen Euro betragen haben. Grundlage für die Erbbaurechtsvergabe im Bieterverfahren im Jahr 2013 war die Gesamtkonzeption des Aufstellungsbeschlusses für den Bebauungsplan Nr. 1975 aus dem Jahr 2005, welche ausdrücklich die Erhaltung der Arkaden vorsah (vgl. Kasten 2, Seite 27). Die Signa Gruppe gab das höchste Gebot ab und bekam den Zuschlag.
Ein Investor, der aufgrund eines Höchstgebots den Zuschlag erhält, kann sich nicht nachträglich darauf berufen, dass bei Einhaltung der maßgeblichen Eckdaten, welche Grundlage der Auslobung waren, das Projekt nicht rentierlich durchzuführen sei. Insoweit trägt der Investor das ökonomische Risiko. Eine andere Betrachtung führt zur Verzerrung gegenüber unterlegenen Mitbietern, die ihr Gebot realistisch unter Erhaltung der Arkaden kalkuliert haben. Dies gilt auch dann, wenn im Nachhinein maßgebliche Eckdaten zu Gunsten des Investors modifiziert werden.

Kasten 2

Die Bedeutung der Arkaden der Alten Akademie in den Aufstellungsbeschlüssen zum Bebauungsplan Nr. 1975 von 2005 und 2015 Im Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan Nr. 1975 von 2005 wird die besondere städtebauliche Bedeutung der Arkaden erkannt:
„Große Bedeutung haben … die Arkaden im Gebäude Neuhauser Straße 10 (Kaufhaus Hettlage). Die Arkaden stellen zusammen mit den Passagen als typisches Münchner Gestaltungsmerkmal ein wertvolles stadtbildprägendes Prinzip dar, das den Fußgängern Schutz vor der Witterung bietet und gleichzeitig ein die Fußgängerzone ergänzendes und vernetzendes Wegesystem bildet. Darüber hinaus wurden die Arkaden auch als architektonisches Gestaltungsmittel eingesetzt und ergeben eine differenzierte Fassade mit einem anspruchsvollen Erscheinungsbild.“
Dementsprechend ist in den Eckdaten ausdrücklich als Forderung festgelegt:
„Da die heutige Situation in der Fußgängerzone geprägt ist durch sehr hohe Fußgängerströme, ist gerade an dieser Engstelle in der Neuhauser Straße die Beibehaltung und Entwicklung der Arkaden dringend erforderlich. Der Erhalt der Arkaden ist auch ein Ziel des Innenstadtkonzepts.“
In der durch Stadtratsbeschluss vom 11. November 2015 erfolgten „Fortschreibung“ des Aufstellungsbe- schlusses von 2005 wird konsequent ausgeführt: „Die Arkaden müssen als typologisches Element als öffentlich zugänglicher Außenraum erhalten bleiben. Der Erhalt ist planungsrechtlich durch einen übergeleiteten Baulinienplan sowie eine entsprechende Dienstbarkeit zu Gunsten der Landeshauptstadt München gesichert.“ Durch weitere, auffällig weich formulierte Zusätze wird für den Kenner der Planungssprache deutlich, dass die Möglichkeit von Modifikationen eröffnet werden soll.
In der Auslobungsbroschüre für den Realisierungswettbewerb wurden Preisgericht und teilnehmende Architekten präzise über die planungsrechtlichen Fixpunkte aufgeklärt: „… entlang der Neuhauser Straße 10 besteht ein einfacher Bebauungsplan gemäß § 30 Abs. 3 BauGB in Form von Baulinien und Festsetzungen von Arkaden. Die Arkadenfläche ist als Dienstbarkeit zu Gunsten der Landeshauptstadt München gesichert und dem öffentlichen Verkehr (Fußgängerzone) gewidmet.“

Wird dem Investor durch Bebauungsplan oder Baugenehmigung nach § 34 BauGB eine erhebliche Reduzierung der Arkaden – entgegen der Ausschreibungsgrundlage und den Eckdaten sowie den bislang rechtsverbindlichen Vorgaben – zugebilligt, erwächst ihm ein beachtlicher Planungsgewinn. Der zusätzliche Ertragswert des Objekts steigt damit erheblich. Nach neuesten Bewertungen beträgt der Mietwert für Läden in dieser Triple-A-Situation der Fußgängerzone ca. 350 Euro/qm. Bei einer Arkadengesamtfläche von 560 qm und einer Reduzierung um nur 50 Prozent errechnet sich auf die Dauer von 65 Jahren ein zusätzlicher Mietertrag von rund 77 Millionen Euro. Selbst wenn ein solcher „Planungsgewinn“ durch die Stadt München ganz oder teilweise „abgeschöpft“ würde, hätte solches Nachgeben gegenüber dem Investor erhebliche städtebauliche Folgewirkungen über den Einzelfall hinaus. Es würde ein Bezugsfall geschaffen, der – wie oben ausgeführt – die bisher konsequente Linie der Stadt zur Erhaltung von Arkaden gänzlich aushebeln würde.
Vor den Zivil- und Verwaltungsgerichten hat sich die Stadt München bei der Verteidigung der „Arkaden Kaufingerstraße 4“ in insgesamt elf (!) Gerichtsverfahren im Wesentlichen mit folgenden Argumenten durchgesetzt:
– Arkaden sind trotz der Schaffung der Fußgängerzone weiterhin unverzichtbar,
– Erhaltung der Arkaden aus städtebaulichen Gründen zum Schutz gegen Witterungseifl üsse und als
Verweilorte im Bereich der Fußgängerzone,
– Arkaden sind von erheblicher Bedeutung für das städtebauliche Gesamtkonzept der Münchner Altstadt,
– Arkaden sind wesentlicher Bestandteil des „Maßnahmekonzepts Innenstadt“,
– Schutz der Arkaden durch das „Arkadenkonzept. Marienplatz und Fußgängerzone“.

Mit Entscheidung vom 28. November 2013 verpflichtete der Bayerische Verwaltungsgerichtshof die Stadt München im Verfahren „Arkaden Kaufingerstraße 4“, eine Ladenerweiterung unter Reduzierung der Arkadenfläche um neun Quadratmeter zu genehmigen. Es handelte sich um eine atypische Situation, da die Arkade Kaufingerstraße 4 am Nachbaranwesen Kaufingerstraße 6 endet. Die gerichtlich zugebilligten neun Quadratmeter ermöglichten lediglich eine Abschrägung der Ecksituation, führten aber nicht zu einer Reduzierung der Durchgängigkeit. Eine komplette Überbauung der rund 40 qm großen Arkaden lehnte das Gericht mit der Begründung ab, dass dies in das Arkadenkonzept der Stadt München eingreifen würde und damit im Widerspruch zur städtebaulichen Gesamtkonzeption der Stadt stehe, bei der die Arkaden ein wichtiges städtebauliches Prinzip darstellen. Im Zusammenhang mit dem Maßnahmenkonzept zur Aufwertung der Münchner Innenstadt solle dieses städtebauliche Prinzip erhalten und weiterentwickelt werden.
Das Urteil des Bayer. Verwaltungsgerichtshofs vom 28. Nov. 2013 Nr. 2 B 13.1587 ist in den Bayerischen Verwaltungsblättern 2014, S. 700 abgedruckt und kann im Netz unter openJur 2014, 3477 aufgerufen und ausgedruckt werden.

Kasten 3

Verstärkter Schutz der Arkaden in den Leitlinien Altstadtensemble München 2015 Münchens Altstadt verfügt über keine konsequent durchgängig angeordneten Arkadensysteme. In der Wiederaufbauphase wurden allerdings in unterschiedlichen Teilbereichen der Altstadt – dort, wo es durch Neubaumaßnahmen möglich war – Arkaden errichtet, um für Fußgänger attraktiven, sicheren Bewegungsraum zu schaffen. Diese bis heute überlieferten Arkadenbereiche sind öffentlich gewidmet und bilden eine willkommene Aufweitung und Bereicherung des öffentlichen Raumes, Schutz vor Regen und Sonne
und abwechselnde Raumerlebnisse. Eine Umwandlung von Arkadenflächen in Verkaufs- oder Gewerbeflächen konnte bisher in aller Regel vermieden werden. Der kommerzielle Druck ist inzwischen jedoch erheblich gestiegen. Die Erhaltung der Arkadenflächen in der überlieferten Form ist deshalb ein wichtiges Ziel des Ensembleschutzes.
Quelle: Altstadtensemble München. Leitlinien zum Planen und Bauen, Hrsg. Referat für Bauordnung und Stadtplanung, München S. 34, Stadtratsbe- schluß vom 11. Nov. 2015

Ob und inwieweit Stadtverwaltung und Stadtrat den Begehrlichkeiten der Signa Gruppe, die Arkaden der Alten Akademie ganz oder teilweise zu schließen, nachgeben werden, ist derzeit nicht absehbar. Es wäre nicht nachvollziehbar, wenn die Stadt München gegenüber der Signa Gruppe eine wie auch immer geartete Reduzierung der Arkaden der Akademie zulassen würde. Auch gegenüber dem Investor ist jener strenge Maßstab anzulegen, den die Stadt fünfzehn Jahre lang gegenüber einem Bürger in der „Causa Arkaden Kaufingerstraße 4“ angelegt hat. Die „Causa Arkaden Kaufingerstraße 4“ gibt die Verteidigungsstrategie vor und liefert nicht nur juristische Argumente, sondern zugleich die politisch-administrativen Vorgaben, um den Begehrlichkeiten des Investors nicht nur zu widerstehen, sondern diesen mit Nachdruck entgegenzutreten.
In diesem Zusammenhang müssen die in der „Causa Arkaden Kaufingerstraße 4“ von der Stadt erstrittenen Urteile den Entscheidern der tangierten städtischen Referate (Direktorium, Planungsreferat, Baureferat, Kommunalreferat), aber auch den Mitgliedern des Stadtrats in den beteiligten Gremien zur Kenntnis gebracht werden.
Besondere Bedeutung kommt seit Ende 2015 den neu geschaffenen „Leitlinien zum Planen und Bauen im Altstadtensemble München“ zu (vgl. Kasten 3). Diese „Leitlinien“ sind wesentliche Grundlage für den Umgang mit der Alten Akademie, insbesondere in Bezug auf deren Arkaden. Sie ergänzen die bisherige Strategie der Stadt zur Verteidigung der Arkaden um einen wichtigen juristischen Baustein.

Klaus Bäumler
Klaus Bäumler ist Leiter des Arbeitskreises Öffentliches Grün, 2. Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums und Richter am Bayer. Verwaltungsgerichtshof retd.

Zum Weiterlesen

Münchner Forum zum Schwerpunktthema Alte Akademie: Online-Magazin „Standpunkte“, Heft 08/09.2016 S. 1-11;
Private Internet-Seite von Hans Hanfstingl: Aktion gegen den faulen Zauber: https://alte-akademie.live/

Stellungnahme des AAN zum Ring-S-Bahnkonzept der Freien Wähler

Gute Ergänzung zum S-Bahnkonzept “Plan A”

Am 12. Oktober 2016 haben die Freien Wähler eine neues Konzept zum Bau eines S-Bahn-Rings in München vorgestellt (Links siehe unten).
Im Vorschlag der Freien Wähler zum S-Bahn-Ring sind Nutzen und Platzbedarf im Vergleich zum Mittleren Ring sehr schön aufgezeigt. Ebenso ist zu begrüßen, dass auch auf die geplanten Neubaugebiete eingegangen wird und somit der ÖPNV in Abhängigkeit von der Stadtentwicklung betrachtet wird.
Aus Sicht des AAN (Arbeitskreis Attraktiver Nahverkehr) ist das Konzept eine gute Erweiterung von Plan A (gemeinsames Konzept von BN, Pro Bahn, VCD, BKS, AAN, Green City von 2012) zum S-Bahnausbau, http://www.plan-a-muenchen.de/Grafiken/20120126_Plan_A_Konzept_lang.pdf), da Plan A keine Aussagen zum S-Bahnnordring enthält, sonst aber nach wie vor aktuell ist.
Von den erforderlichen Streckenausbauten her ergeben sich erhebliche Synergieeffekte:
In beiden Fällen ist der Vollausbau des Südrings erforderlich (4 gleisig, so nicht explizit in Plan A beschrieben) sowie der Ausbau der Strecke Zamdorf-Johanniskirchen (zusätzlicher Effekt: Der Südring kann von Güterzügen entlastet werden).
Aus Sicht des AAN sollten die für den 10 Minutentakt erforderlichen S-Bahnen auf bestehenden Tunnel und Südring verteilt werden (wie in Plan A beschrieben, dafür ist natürlich ein Ausbau der Außenstrecken erforderlich). Die Bedienung des Nordrings hat dann durch zusätzliche Linien zu erfolgen – dies allein schon aus Kapazitätsgründen: Heute hat die S-Bahn im Stadt-Umland Verkehr nur einen Anteil von einem Drittel.
Sicherlich sind noch viele Fragen offen, ob und wie z.B. durch die Nordring-S-Bahnen Verbindungen nach Pasing (Anschluß zum RE Verkehr) und Dachau hergestellt werden sollten oder ob auch alternative Streckenführungen zur Anbindung des Gebiets der SEM Nordost sinnvoll sind (siehe hier https://muenchner-forum.de/wp-content/uploads/2016/03/E_NOR_M_Entwicklungskonzept_Nord_Ost_München.pdf Folie 7 und 11) . Auch ist z.B. denkbar, den Ring anfangs über Heimeranplatz – Laim – Moosach zu schließen und den Tunnel in der Landshuter Alle später zu bauen.
Wesentlich aber ist, dass in allen Fällen die o.g. Ausbaumaßnahmen (d.h. Südring und Zamdorf-Johanneskirchen) erforderlich sind, die aber – und das ist der große Vorteil – schrittweise realisiert werden können. Insofern ergänzen sich beide Konzepte sehr gut.

Vorstellung der Studie
http://www.michael-piazolo.de/aktuell/die-staatsregierung-faehrt-beim-oepnv-ausbau-nur-auf-sicht/

Studie und Präsentation:
http://www.michael-piazolo.de/wp-content/uploads/2016/10/herzog-atabay-2016-perspektiven-fr-den-schienenverkehr-im-groraum-mnchen.pdf
http://www.michael-piazolo.de/wp-content/uploads/2016/10/herzog-atabay-2016-prsentation-vom-11-10-2016-perspektiven-fr-den-schieneverkehr-im-groraum-mnchen.pdf

In Neuhausen-Nymphenburg wird der Grundstein für den ersten Mitgliederladen Münchens gelegt

Zwei Münchner Studenten verbinden die Ideen der in Vergessenheit geratenen Konsumgenossen- schaften mit den Möglichkeiten des Internets und wollen damit eine wertorientiere Alternative zum Supermarkt schaffen.

Noch weiß kaum jemand davon, dass um die Ecke des Rotkreuzplatzes in Kürze eine neue Form der Nahversorgung entstehen soll. Doch vieles haben Konstantin Deininger und Johannes Schmidt, die Initiatoren des Projekts ÖkoEsel, bereits im Hintergrund in die Wege geleitet. „Seit Februar haben wir mit Erzeugern und Händlern gesprochen, rechtliche Fragen geklärt und die Website aufgebaut. Jetzt sind wir endlich so weit, es kann losgehen!“, sagt Konstantin.

Konstantin Deininger und Johannes Schmidt, die Initiatoren des Projekts | Foto: Judith Oechsle

Konstantin Deininger und Johannes Schmidt, die Initiatoren des Projekts | Foto: Judith Oechsle

Gerade in die Onlinepräsenz haben sie viel Zeit gesteckt. Denn die ist vorerst die zentrale Anlaufstelle für ihre Kunden. „Die Abnehmer bestellen die Waren auf unserer Internetseite und bekommen sie dann von uns per Rad geliefert.“ Es funktioniert also alles ein ganzes Stück anders als im herkömmlichen Supermarkt:
„Unsere höchste Priorität ist es, unsere Mitglieder und uns mit hochwertigen Produkten zu versorgen. Gleichzeitig sollen sie sich aber auch alle Menschen leisten können. Das schaffen wir nicht, wenn Gewinnmargen die Hauptrolle spielen“, meint Johannes, der sich in seiner Bachelorarbeit ausführlich mit alternativen Versorgungsgemeinschaften befasst hat. Er und der angehende Wirtschafts-ethiker Konstantin haben deshalb ein Konzept entwickelt, bei dem sämtliche laufenden Kosten durch monatliche Beiträge der Kunden gedeckt werden. Damit diese Beiträge gering bleiben, wollen sie die Betriebskosten auf einem niedrigen Niveau halten. Daher der etwas umständlich wirkende Weg über das Internet. Ein eigener Laden wäre bei den Münchner Mietpreisen derzeit ein zu großer Kostenfaktor.

Die Waren, biologisch und möglichst regional, geben sie nahezu zum Einkaufspreis ab. Wer seinen Wocheneinkauf hier erledigt, kann einiges sparen. Das ist für Konstantin aber nicht die Hauptintention des Projekts: „Die meisten Münchner gehen ein paarmal in der Woche in den Supermarkt. Die Kunden möchten sich versorgen, der Supermarkt hingegen möchte ein Geschäft machen. Deshalb versucht er ständig die Käufer zu lenken – durch Sonderangebote, die Produktanordnung, angenehme Musik usw. Wir möchten mit ÖkoEsel zeigen, dass Nahversorgung auch anders geht: Wirklich verbraucherorientiert, wirklich nachhaltig. Auf diese Weise erobern wir uns einen Raum zurück, der sonst so oft vom Konkurrenz- und Profitdenken durchsetzt ist.“ Den Freiraum, der ihnen das ermöglicht, erhalten sie durch die Mitgliedsbeiträge.

Das ÖkoEsel-Logo

Das ÖkoEsel-Logo

So bald wie möglich soll auch eine Abholstation im Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg eingerichtet werden. Sie hoffen bei der Suche nach einer passenden Räumlichkeit auf Mithilfe ihrer Kunden. Ohnehin wird auf die Zusammenarbeit mit den Verbrauchern Wert gelegt. „Wir wollen mit dem Projekt den Stein ins Rollen bringen. Unser langfristiges Ziel ist ein richtiger Laden, in dem auch Zeit für gegenseitigen Austausch ist, aber dafür benötigen wir eine breite Mitgliederbasis, die uns den Rücken stärkt“, sagt Johannes.

In München ist diese Art der Nahversorgung ein Novum. Tatsächlich ist die Idee aber keine neue, sondern baut auf dem Konzept der Konsumgenossenschaften auf. Schon zu Beginn des 19. Jahrhunderts entstanden erste Gemeinschaften dieser Art, 1920 wurden dann beispielsweise in den USA schon über 2.500 solcher Projekte gezählt. Nachdem diese in den darauffolgenden Jahrzehnten von den großen Supermarktketten weitestgehend verdrängt wurden, erleben sie seit den 1970er Jahren eine Wiederbelebung, als ökologische Alternative zu den stark mit der konventionellen Landwirtschaft zusammenhängenden Supermärkten.

Dabei unterscheiden sich die heute existierenden Konzepte auf vielen Ebenen: Mancherorts gibt es kleine Gemeinschaften, die sich in Eigenverantwortung gemeinsam um ihre Versorgung kümmern. Aufgaben wie das Annehmen und Sortieren der Anlieferungen werden dabei möglichst fair untereinander aufgeteilt. Als Lager reicht dabei auch mal eine Garage oder ein ungenutztes Zimmer. Eine Stufe größer sind die Mitgliederläden. Hier kommen die Kunden für die laufenden Kosten auf. Die Betreiber verpflichten sich im Gegenzug einer den Wünschen der Kunden verpflichteten Geschäftspraxis bzw. räumen ihnen ein Mitspracherecht ein. Dass das Konzept nicht nur im Kleinen funktioniert, zeigen Projekte wie die New Yorker Park Slope Food Coop mit ca. 16.000 Mitgliedern und einer Ladengröße, die so manchen Supermarkt hierzulande klein aussehen lässt. So unterschiedlich die einzelnen Projekte auch sein mögen, es vereint sie das Ziel einer wertorientierten Alternative zum Supermarkt. Viele Bio-Supermärkte bieten sich zwar als genau diese Alternative an. Doch immer wieder hält deren Bild leider nicht, was es verspricht. Niedriglöhne und verärgerte Erzeuger kratzen an der Glaubwürdigkeit.

Der Mitgliederladen erscheint dagegen authentischer. Und das hat Erfolg. Beim Marburger Mitgliederladen Onkel Emma beispielsweise müssen sich Interessierte aus Kapazitätsgründen über ein Jahr gedulden, bis sie Teil der Gemeinschaft werden dürfen. Davon sind Johannes und Konstantin derzeit noch weit entfernt, doch sie sind positiv gestimmt. „Wir erfahren in Gesprächen sehr viel Begeisterung für unser Projekt und sind gespannt, wie sich das nun in der Praxis niederschlägt.“ Ab dem 1. Oktober kann der Stadtteil Neuhausen-Nymphenburg über die Seite ÖkoEsel.de Bestellungen aufgeben. Am Freitag darauf, dem 7. Oktober, erfolgt dann die erste Auslieferung.

Es ist den beiden Erfolg zu wünschen, schließlich sind Projekte wie dieses kleine aufmunternde Farbtupfer in einer Nahversorgungslandschaft, die immer eintöniger zu werden droht.
Judith Oechsle

Judith Oechsle ist Sozialwissenschaftlerin und lebt in Nürnberg

Auf ihrer Seite stellen Konstantin und Hannes ihr Projekt vor.

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