Standpunkte 4./5.2021: Bahnverkehr in und um München

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Liebe Leserin, lieber Leser,
auf den Bahnknoten München – Endpunkt großer innerdeutscher Bahnlinien, Ausgangspunkt internationaler Bahnstrecken Richtung Süd- und Südost-Europa, Zentrum ausgedehnter Regional- und Nahverkehrsnetze – kommt einiges zu: Mit der Fertigstellung des Brenner-Basistunnels (BBT) zwischen Italien und Österreich 2025 wird erwartet, dass ein deutlich intensivierter Güterzugverkehr aus Richtung Süden die östlichen Münchner Stadtteile Richtung Norddeutschland durchqueren wird – sofern nicht irgendwann eine neue Güterbahntrasse durch Ostbayern nach Norden geschlagen wird. Zusätzlich, so ist von der Verkehrspolitik von Bund und Land zu vernehmen, soll mehr Güterverkehr als bisher – wider alle Entwicklungen der letzten Jahre – von der Straße auf die Schiene verlagert werden. – Und sollte der Bundesverkehrsminister die 2018 verkündete Einführung des „Deutschland-Takts“ ernst gemeint haben, dann würde dies für den Personenverkehr ein Umschwenken auf eine nutzerfreundliche Umsteige- und Schnelle-Anschlüsse-Bahn nach Schweizer Vorbild bedeuten – genügend Gleise für gleichzeitig ein- und auslaufende Züge und kurze Umsteigewege in den Knoten-Bahnhöfen inclusive. Solche Voraussetzungen sind vielfach, auch in München, (noch) nicht vorhanden oder werden anderswo, siehe Stuttgart 21, gerade vernichtet. – Und schließlich muss das regionale S-Bahn-Netz mit seinem Engpass „Tunnel-Stammstrecke“ und den teils eingleisigen Außenästen dringend an die erheblich gestiegenen Fahrgastzahlen angepasst werden: dichter getaktete Zugfolgen sind nötig; Mischverkehre von Fern-, Regional- und Güterverkehr auf denselben Trassen müssen entflochten werden. Aber anstatt, wie eigentlich naheliegend, die vorhandenen Münchner Süd- und Nordring-Strecken als Bypässe zu ertüchtigen, haben Landespolitik und Deutsche Bahn AG den Bau des Zweiten, diesmal Ganz-Tief-Tunnels unter der Innenstadt hindurch beschlossen. Der könnte am Ende derart viel Geld und Zeit verschlingen – und zudem neue Probleme bereiten, statt die alten zu beheben –, dass die wirklich dringlichen Maßnahmen voraussichtlich weit in die Mitte dieses Jahrhunderts hinausgeschoben werden. – Unser Schwerpunkt-Thema „Bahnverkehr in und um München“ bietet dazu reichlich Lesestoff.
Wir berichten ferner u.a. über das „Denkmalnetz Bayern“, das in den Kreis der Verbandsklageberechtigten aufgenommen worden ist – ein Umstand, der nicht hoch genug zu schätzen ist –, sowie über das Wasserkraftwerk „Maxwerk“. Der Eigentümer (SWM) wollte es als Biergarten-Ausschank verpachten – mitten im Landschaftsschutzgebiet. Das Münchner Forum wies nach: alte, aber gültige Verträge zwischen den Wittelsbachern und der Stadt München lassen dies nicht zu und mahnte zudem eine Fassadensanierung an. Der kamen die SWM nun nach, wenngleich verzögert – so dass das kollektive Gedächtnis zwischen der guten SWM-Tat und dem Münchner Forum keinen Zusammenhang mehr erkennen kann. Lassen wir die Freude denen, die sie nötig haben …

Detlev Sträter
1.Vorsitzender des Programmausschusses des Münchner Forums

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