Kritische Gedanken zum Städtebau in München am Beispiel des Neubaugebiets Hirschgarten in der Achse Hauptbahnhof – Laim – Pasing

Auf das Neubaugebiet Hirschgarten waren wegen der besonderen Lage zum Nymphenburger Park und der Nähe zum neuen S-Bahnhof grosse Hoffnungen gesetzt worden. Aber eine Begehung zeigt, dass eine vom Städtebau unterstützte Lebendigkeit nicht im Zielkorridor der Verantwortlichen angekommen ist. Was also ist es, was sie wollen?
Gebaute Einsamkeiten. Offenbar ist die Reaktion der Architektenschaft auf die Kritik an zeitgenössischer Architektur und Städtebau eine weitere Steigerung der sterilen ästhetischen Architektur. Die Vereinzelung wird perfektioniert, der öffentliche Raum, unterstützt keine Gemeinschaft. Im Gegenteil, die Hauptstraße und der Hauptzugang zum neuen S-Bahnhof wird nicht als Raum genutzt, sondern zerstört.
Betrachtet man das Ergebnis mit den Augen der Verantwortlichen, so ist die Siedlung gelungen. Die Menschen sind untergebracht. Die Siedlung ist übersichtlich, die Hausreihen schnurgerade angeordnet, selbst die Spazierwege ordnen sich der Ordnungsidee unter. Die Ästhetik ist ausgefeilt linear und nur vereinzelt stört Billigbauweise den Ordnungseindruck. Wenn erforderlich: Die Überwachung durch Hausmeister, Polizei oder Überwachungssysteme ist gut machbar. Auch die Durchlüftung ist gelöst, der Schallschutz zu den Bahnanlagen ebenfalls – Bravo. Allerdings wird dieser mit einer Wand erkauft, die den Beherrschungscharakter der Siedlung unterstreicht. Jedes autoritäre Regime kann sich das zum Vorbild nehmen. Vermieden ist die unordentliche Vielfalt der Gemeinschaft, die Geborgenheit der Bürger in der Gesellschaft aller. Es wurde gebaut nach den Herrschaftsvorstellungen der Verantwortlichen. Es wird Zeit, sich um deren Vorstellungen von Gesellschaft zu kümmern, von allein werden sie die überkommene totalitäre Gesellschaftsauffassung nicht überwinden und abstreifen können.
Wolfgang Czisch

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