Verpackungsfrei einkaufen – Supermarkt OHNE in der Maxvorstadt

Möchten Sie sich kurz unseren Lesern vorstellen?

Mein Name ist Hannah Sartin, ich bin 31 Jahre alt und Mitgründerin von OHNE, dem verpackungsfreien Supermarkt.

Was ist das Besondere an Ihrem Supermarkt? Wie funktioniert er?

Das Besondere an unserem Supermarkt ist, dass er auf Einwegverpackungen verzichtet. Kunden können die Ware, ähnlich wie früher im Tante-Emma-Laden, unverpackt kaufen und hierfür auch ihre eigene Verpackung, sprich: Behältnisse von zu Hause mitbringen.

Warum und wann kam die Idee zur Gründung des Supermarktes?

Angefangen hat alles damit, dass wir uns 2014 als Familie auf „zero waste“ umgestellt haben. Wir haben also versucht, müllfrei zu leben. Hierbei wurde schnell klar, dass es München an Einkaufsalternativen fehlt. Wir haben uns intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und dann den Entschluss gefasst, diese Alternative selbst zu eröffnen.

Sie leben auch privat nach „Zero Waste“: sehen Sie große Einschränkungen darin?

Absolut nicht. Ich empfinde es sogar eher als befreiend.

Wie lang dauert im Durchschnitt ein Einkauf bei Ihnen?

„Ohne“ Der verpackungsfreie SupermarktDas kommt ganz auf den Kunden an. Manche Kunden verabschieden sich schon nach fünf Minuten wieder, andere lassen sich Zeit oder kaufen gleich einen größeren Vorrat; die sind dann auch mal eine halbe Stunde bei uns. Wenn sie sich dazu entschließen, noch einen Kaffee bei uns zu trinken, dann auch länger.

Welche Leute/ Altersgruppen kaufen bei Ihnen ein?

Das ist ganz bunt durchmischt.

Gibt es Unterschiede zwischen Ihren Kunden und denen eines konventionellen Supermarktes?

Möglicherweise. Ich denke, einige unserer Kunden kaufen auch weiterhin im normalen Supermarkt ein. Selbstverständlich haben wir auch Kunden, die ebenfalls Zero Waste leben und sich fast ausschließlich bei uns versorgen. Das ist ganz unterschiedlich.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Wollen Sie weitere Filialen eröffnen?

Viele. Ja, wir möchten weitere Filialen in München eröffnen, am besten in jedem Stadtteil einen. Viele unserer Kunden wünschen sich das.

Ist das ein momentaner Trend oder eine langfristige Lebenseinstellung?

In unseren Augen ist es eine langfristige Lebenseinstellung. Mit dem derzeitigen Konsumverhalten werden wertvolle Ressourcen rasend schnell aufgebraucht, und Problematiken wie beispielsweise Müll im Meer oder übermäßige Lebensmittelverschwendung nehmen überhand. Mit Blick auf die Generationen, die nach uns kommen, möchten wir versuchen, jetzt ein Umdenken anzustoßen.

Die Fragen stellte Jesabel Künzel, sie ist Bachelor of Science Geographie und derzeit Praktikantin im Münchner Forum

Dieser Text ist auch in der Juli-Ausgabe der Standpunkte erschienen.

In aller Munde und allen Medien: Urban Gardening – was soll das eigentlich?

Ein Gespenst geht um in Europa, ein fröhliches buntes Gespenst mit Dreck unter den Fingernägeln: der Neue Gärtner.  Aufgetaucht aus dem Nichts, hat er in kürzester Zeit die Städte erobert. Gärtnern ist hip, junge Designer entwerfen futuristische Hängebeete und Gartenwerkzeug aus Recyclingmaterial, die Illustrierten überschlagen sich mit Geschichten über coole Guerilla-Gärtner und urbane Gemüsezüchter, ob am Flughafen Tempelhof oder auf einer Tiefgarage in St. Pauli, unter dem Olympiaturm in München oder auf stillgelegten Brauereigeländen in Köln. Fast schon ikonografisch ist das Bild von Robert Shaw vom Berliner Prinzessinnengarten, wie er lässig mit der Brause die Hochbeete wässert, Zigarette im Mundwinkel und Tweedmütze auf dem Kopf, eine skurrile Mischung aus James Dean und Henry David Thoreau.

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Der Freiluftsupermarkt in München-Freiham: Eine internationale Stadt aus Stroh – Wie ein Stadterweiterungsgebiet kulturell vorgeprägt wird

Aufbauend auf dem Agropolis-Gedanken entsteht in München-Freiham seit April 2016 eine internationale Stadt aus Stroh – eine Landmarke, die dem Freiluftsupermarkt Raum und Rahmen bietet. Es handelt sich um ein integratives Stadtentwicklungsprojekt, das den neuen Stadtteil kulturell vorprägen will. Umgesetzt wird das Projekt von bauchplan ).(, einem transdisziplinären Kollektiv, dem LandschaftsarchitektInnen, ArchitektInnen, KünstlerInnen und GeisteswissenschaftlerInnen angehören.

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Aus dem Archiv: Zur Isarinsel Oberföhring

Mit freundlicher Genehmigung der Urheber veröffentlichen wir an dieser Stelle drei Dokumente zu Isar und Isarinsel.

Infoblatt, April 1977

Flyer-Isar-1977

Das kurz gehaltene Infoblatt informiert über die Pläne zum Umbau der Isarinsel. Zu Wort kommen auch Oberbürgermeister Georg Kronawitter und Stadtbaurat Uli Zech.

 

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Bauwelt, Mai 1980

Bauwelt 1980
In der Bauwelt vom Mai 1980 stellt Gottfried Hansjakob die Verwandlung der Isarinsel Oberföhring in ein Naherholungsgebiet vor.

 

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Referat für Gesundheit und Umwelt, Juli 2014

Der Einleitungsbescheid von 2014. Sehr interessant bezüglich der Wiederbelebung der Isar nördlich des Oberföhringer Wehrs durch die Verbesserung der Wasserqualität.

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„Urban Gardening“: Alter Wein in neuen Schläuchen?

Im Rahmen der allgemeinen Verdichtungsdiskussion und dem großen Druck, Wohnbauflächen zu „generieren“, richten sich begehrliche Blicke auch auf Grundstücke in attraktiven, stadtnahen Lagen, die „unterwertig“ als Kleingärten genutzt werden.

Es ist daher erfreulich, dass der hohe Wert der stadtnahen Gärten mehr und mehr erkannt und anerkannt wird. Im „Grünbuch Stadtgrün“, das vom Bundeswohnungsbauministerium im Jahr 2015 im Rahmen der Offensive „Grün in der Stadt – Für eine lebenswerte Stadt“ wird die Förderung der Bürgeraktivitäten besonders hervorgehoben. Im Rahmen des sog. Weißbuch-Prozesses, der damit für das Jahr 2016 angestoßen ist, hat die Deutsche Gartenamtsleiterkonferenz (GALK) in ihrem Positionspapier auf die besondere Schutzbedürftigkeit der Kleingärten und Freizeitgärten hingewiesen.

In München existieren derzeit über hundert Kleingartenanlagen mit über 11.000 Pächtern. Die basis-demokratische Organisationsstruktur bilden zwei Vereine. Im Kleingarten München e.V. sind rund 8.700 Pächter in 85 Anlagen organisiert. Der Bahn-Landwirtschaftsverein Bezirk München betreut in München sechzehn Anlagen mit rund 3.000 Pächtern.

Die ältesten Münchner Kleingartenanlagen wurden 1906 im Bereich des Westfriedhofs an der Baldurstraße angelegt. Der Kleingärtenverein NW 16 Heinrich-Schlicht-Anlage e.V. erinnert durch seine Namensgebung an den Kommunalreferenten Heinrich Schlicht, der als Initiator innerhalb der Stadtverwaltung und des Magistrats die entscheidenden Weichenstellungen vornahm. Schlicht ist es auch zu verdanken, dass innerhalb dieser Kleingartenanlage bereits 1907 für die Städtische Berufsschule der Gärtner der erste Schulgarten angelegt wurde. Nur der Schlichtweg an der Isar in der Höhe des Tierparks Hellabrunn zwischen Thalkirchner Brücke und dem Steg an der Marienklause erinnert seit 1932 an die Persönlichkeit Heinrich Schlichts. Schlicht hat in den drei Jahrzehnten für die Münchner Bürgerschaft viel bewirkt. Eine umfassende Würdigung seiner Lebensleistung steht noch aus (s. auch den Beitrag von Franz Schröther in der Juli-Ausgabe der Standpunkte).

Über viele Jahrzehnte hinweg wurde das „Garteln“ in einer Kleingartenanlage von vielen nicht als sehr attraktiv betrachtet. Seit einigen Jahren zeichnet sich eine Trendwende ab. „Urbane Gärten“ werden mehr und mehr begehrt, die Nachfrage steigt beständig. Die neue Bewegung, die auch auf temporäre Nutzung von Flächen gerichtet ist, arbeitet die vielfältigen „Wohlfahrtsfunktionen“ urbaner Gärten heraus: Verbesserung der Umwelt, Förderung des sozialen Miteinanders, Wegbereiter für die nachhaltige Zukunft der Stadt, Gärten als Bildungsfaktor, Bedeutung der Gärten für die Gesundheit und die Ernährung. Diese Vielfalt wird auch in den diversen „modernen“ Bezeichnungen, mit denen die herkömmlichen Bezeichnungen (Schrebergärten oder Kleingärten) ergänzt werden wie z.B. Prinzessinnengärten, Krautgärten, Sonnengärten, deutlich.

Einen hervorragenden und umfassenden Überblick gibt die Webseite www.urbane-gaerten-muenchen.de. In der Art eines Handbuchs werden dabei Akteure und Strategien in prägnanter und übersichtlicher Weise dargestellt. Zu den vorbildlichen und nachahmenswerten Initiativen zählt auch das „Bürgeraktivierungsprojekt Giesinger Grünspitz“, das im Rahmen der „Sozialen Stadt Giesing“ in Kooperation des Quartiermanagements (MGS) und Green City e.V. betrieben wird. Einzelheiten dazu bei: www.gruenspitz.de.
Klaus Bäumler

Zum Weiterlesen:
Christa Müller (Hrsg.): Urban Gardening. Über die Rückkehr der Gärten in die Stadt, München: oekom Verlag 2011

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