Schulinfrastruktur – Gegenstand regionaler Zusammenarbeit zwischen der Landeshauptstadt München und den umliegenden Landkreisen

„Was kann die Region? Ist mehr interkommunale Kooperation möglich? Was braucht die Region?“ Diese und weitere Fragen haben jeweils mehr als 300 Expertinnen und Experten aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft auf Einladung von Oberbürgermeister Dieter Reiter bei den beiden Regionalkonferenzen 2015 und 2016 im Festsaal des alten Rathauses diskutiert.

Stadt und Region München gehören zu den attraktivsten Standorten Deutschlands. Die daraus resultierenden Bevölkerungszuwächse machen bereits heute die Wohnraumversorgung zur wichtigsten gemeinsamen Herausforderung. Auch Verkehrsinfrastrukturen, soziale Einrichtungen wie z. B. eine ausreichende Schulversorgung sowie Freiraum und Landschaft kommen ohne engagiertes Gegenlenken an die Grenzen ihrer Belastbarkeit. Diese Herausforderungen sollten noch intensiver gemeinsam bearbeitet werden. Denn sie sind nicht allein im städtischen Kontext, sondern vielmehr im Kontext von Stadt und Umland zu sehen! Oberbürgermeister Dieter Reiter hat daher das „Regionale Bündnis für Infrastruktur und Wohnungsbau“ ins Leben gerufen, um die Zusammenarbeit zwischen der Landeshauptstadt München und den Umland-Kommunen zu intensivieren. Die erste Konferenz fand am 18. März 2015 statt, mehr als 400 Vertreterinnen und Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Verbänden und Vereinen diskutierten im Saal des Alten Rathauses über die Herausforderungen der Zukunft für die Metropolregion München.

Christine Strobl auf der Regionalen Wohnungsbaukonferenz im März 2015 | Foto: LHM

Christine Strobl auf der Regionalen Wohnungsbaukonferenz im März 2015 | Foto: LHM

Bei der Konferenz am 18. März 2015 wurden mehrere regionale Kooperationsprojekte angestoßen, darunter der Nachbarschaftsdialog Schulentwicklung, für den ich als 3. Bürgermeisterin Patin bin. Ziel dieses Dialogs ist die verstärkte Zusammenarbeit bei der Bildungsinfrastruktur, um eine gute Schulversorgung insbesondere auch in den Stadt-Umland-Bereichen sicherzustellen und Hemmnisse für die Siedlungsentwicklung zu beseitigen. Angesichts der engen räumlichen Verflechtung sollten Inseldenken und Doppelstrukturen vermieden werden. Vielmehr kann eine gemeinsame Bildungsinfrastruktur sinnvoll sein. In München gibt es auf meine Initiative hin bereits seit mehreren Jahren die Arbeitsgruppe „Schulbauoffensive“ sowie eine Task Force, um die bereits jetzt vorhandenen und entstehenden Bedarfe für Kinder und Jugendliche zu decken. 7.000 Schülerinnen und Schüler pendeln per Saldo aus der Region nach München ein.
Insofern ist es naheliegend, dass die Landeshauptstadt München und die umliegenden Gemeinden den Austausch zum Schulbedarf ausbauen, ihre Maßnahmen abstimmen und fallweise auch gemeinsame Maßnahmen vereinbaren. Dies soll in drei Schritten erfolgen: 1. Gemeinsame Betrachtung der Schulentwicklungsplanungen der Landkreise und der Landeshauptstadt München: Was wird wo gebraucht? 2. Schulbedarfe gemeinsam begründen: Gemeinsame Bedarfe (Züge weiterführender Schulen) beim Fördermittelgeber/ Freistaat gemeinsam einfordern. 3. Möglichkeiten der gemeinsamen Finanzierung erarbeiten. Bei gemeinsamen Investitionen in Schulen muss nicht unbedingt der (bürokratische) Weg über einen Zweckverband gewählt werden; auch über Gastschulbeiträge kann ein finanzieller Ausgleich erfolgen.
Mittlerweile hat es bei verschiedenen Projekten Gespräche gegeben, das Projekt für den Neubau eines staatlichen Gymnasiums in Karlsfeld ist dabei am weitesten gediehen. Bereits kurz nach der Konferenz im März 2015 habe ich als zuständige Schulbürgermeisterin im April ein erstes Gespräch mit Herrn Landrat Löwl vom Landkreis Dachau hinsichtlich einer möglichen Kooperation zwischen dem Landkreis und der Landeshauptstadt beim Bau eines Gymnasiums geführt. Der Landkreis Dachau verfügt bisher über insgesamt drei Gymnasien: zwei in der Stadt Dachau sowie im Markt Indersdorf, die an der Kapazitätsgrenze angelangt sind. Ein komplett neues, eigenständiges Gymnasium in der Gemeinde Karlsfeld konnte aus bedarfsplanerischer Sicht ausschließlich mit Schülern aus dem Landkreis nicht begründet werden.
Im Anschluss meines Gesprächs mit dem Landrat fanden zwischenzeitlich mehrfach gemeinsame Termine auf Arbeitsebene statt, in denen die Möglichkeiten der Schulkooperation und der finanziellen Beteiligung sowie weitere beiderseitig interessierende Fragestellungen erörtert wurden. Hierbei wurden auch die Zahlen der Schülerinnen und Schüler ermittelt, die aus der Landeshauptstadt ein neues Gymnasium in Karlsfeld besuchen würden. Dabei spielte insbesondere die sehr gute ÖPNV-Verbindung durch die S-Bahnlinie 2 eine große Rolle, das künftige Schulgrundstück liegt in idealer Laufweite zum S-Bahnhof Karlsfeld. Des Weiteren wurde auch die sehr dynamische Wohnbauentwicklung im nordwestlich gelegenen Stadtbezirk 23 Allach-Untermenzing berücksichtigt, die zu einer deutlichen Steigerung der Schülerzahlen führen wird. Als Beispiele seien hier das ehemalige Diamalt-Gelände sowie die sogenannte „Hirmerei“ genannt. Nicht zuletzt werden auch viele Münchner Grundschülerinnen und Grundschüler aus der direkt an der Stadtgrenze liegenden Verbandsgrundschule Karlsfeld das neue Gymnasium besuchen können, hier wird bereits seit über 50 Jahren eine Kooperation zwischen der Landeshauptstadt und der Gemeinde Karlsfeld gelebt.
Somit konnte bei der Bedarfsbegründung des Landkreises Dachau gegenüber dem Freistaat Bayern zusätzlich zu den Schülerinnen und Schülern aus dem Landkreis ein Bedarf der Landeshauptstadt München von bis zu zwei Gymnasialzügen in die Begründung mit einfließen. Hinsichtlich der Zulässigkeit einer finanziellen Beteiligung der Landeshauptstadt wurde eine Stellungnahme der Regierung von Oberbayern eingeholt. Danach besteht grundsätzlich die Möglichkeit einer anteiligen Beteiligung der Stadt an den Baukosten des in Karlsfeld zu errichtenden staatlichen Gymnasiums im Wege der kommunalen Zusammenarbeit (im Wege einer Zweckvereinbarung).
Der Stadtrat hat nun in der Vollversammlung am 20. Juli 2016 das Referat für Bildung und Sport beauftragt, die nächsten konkreten Schritte wie die schulaufsichtliche Genehmigung und die Verhandlungen mit dem Landkreis über die konkrete Höhe eines einmaligen Investitionskostenzuschusses in Angriff zu nehmen. Darüber hinaus steht das Referat für Bildung und Sport dem Landkreis Dachau natürlich auch mit seiner umfassenden Expertise im Bereich des Schulbaus zur Verfügung. Die künftigen laufenden Kosten beim Betrieb des Gymnasiums werden dann anhand der Schülerzahl aus der Stadt durch entsprechende Gastschulbeiträge abgegolten.
Ein weiteres Projekt könnte im Münchner Osten an der Grenze zur Gemeinde Haar im Landkreis München entstehen. Hier muss die Gemeinde Haar noch diverse Klärungen mit dem Landkreis herbeiführen, was den Standort sowie die anzusiedelnden Schularten betrifft, bevor konkrete Verhandlungen mit der Stadt aufgenommen werden können.
Regionale Zusammenarbeit erfordert von allen beteiligten Akteuren die Bereitschaft, aufeinander zuzugehen und Kompromisse zum Wohl aller Bürgerinnen und Bürger zu schließen. Ich persönlich freue mich sehr, dass die Kooperation mit dem Umland, die wir mit der regionalen Wohnungsbaukonferenz im März 2015 neu angestoßen haben, jetzt auch im Bildungsbereich erste Früchte trägt. Dies ist ein deutliches Bekenntnis der Landeshauptstadt für die interkommunale Zusammenarbeit.

Christine Strobl
Christine Strobl ist seit 2006 als Bürgermeisterin u. a. zuständig für den Bildungsbereich bei der Landeshauptstadt München. Sie war von 1990 bis 2005 ehrenamtliche Stadträtin und ist Mitglied im Münchner Forum.

Freiraum als „Kampfzone“ – der schwierige Umgang mit regionalen Grünzügen

Der anhaltende Zuzug in den Raum München, insbesondere in die Kernstadt, sowie expandierendes und raumgreifendes Gewerbe und Dienstleistungen haben ihren Preis: Die neuen Bauflächen, insbesondere für bezahlbaren Wohnungsbau zugunsten der Neubürger, darunter auch Flüchtlinge, und unzureichend untergebrachte angestammte Münchner Bürgerinnen und Bürger sowie die neuen Standorte für Gewerbe und Dienstleistungen müssen erst einmal gefunden werden. Die Stadt München versucht, ihr Siedlungsgebiet nachzuverdichten, Flächenreserven in der Stadt zu mobilisieren und die Regionsgemeinden im Umland dafür zu gewinnen, die drängende weitere Bau- und Siedlungstätigkeit gemeinsam anzugehen. Das ist nicht einfach. Dabei richten sich die Flächenbegehrlichkeiten immer häufiger auf eigentlich rechtlich abgesicherte Grün- und Freiflächen.

Eines der wirksamsten Instrumente der Landes- und Regionalplanung sind die sog. Regionalen Grünzüge. Ein Regionaler Grünzug besteht aus zusammenhängenden Freiräumen. Diese dienen, insbesondere in den Verdichtungsräumen, zur Gliederung der Siedlungsräume und zur Beeinflussung ihrer Ausbreitungsrichtungen, der Erholungsvorsorge in Siedlungsgebieten und siedlungsnahen Bereichen sowie – last but not least – der Verbesserung des lokalen Klimas und der Sicherung eines ausreichenden Luft- und Temperaturaustausches. In ihnen sollen alle Planungen und Maßnahmen unterbleiben, die die jeweiligen Funktionen des Grünzugs beeinträchtigen. Regionale Grünzüge wurden nicht nur außerhalb Münchens ausgewiesen, sondern ragen fingerartig in das Stadtgebiet hinein oder durchziehen es wie etwa entlang des Isartals. Im Falle Münchens kommt den Regionalen Grünzügen besondere Bedeutung bei der Freihaltung von Schutzzonen für den klimatischen Luftaustausch zu, um etwa die Überhitzung von Stadtteilen zu vermeiden (Klimafunktionen). Die Stadt München hat die Regionalen Grünzüge der Regionalplanung in ihren Flächennutzungsplan (FNP) parzellenscharf übernommen und mit einer eigenständigen Funktionsmarkierung belegt, mit der „übergeordnete Grünbezüge“ gekennzeichnet werden. Genug planerischer Schutz für ausgewiesene Grünflächen, könnte man meinen. Doch freie Grünflächen wecken Begehrlichkeiten, vor allem wenn Bauflächen Mangelware sind. Da könnte man über ein Anknabbern von Grünflächen doch vielleicht mal hinwegsehen.

Fall 1: München-Solln

Darf man zur Unterbringung von jungen Flüchtlingen einen Regionalen Grünzug annagen? Fingerartig greift der regionale Grünzug, der die großen zusammenhängenden Forstgebiete südlich von München planerisch schützt, von Süden in das Stadtgebiet hinein, schiebt sich zwischen die Stadtteile Solln und Forstenried.

Das zur Bebauung vorgesehene Grundstück im Außenbereich ragt in den regionalen Grünzug | Foto: Detlev Sträter

Das zur Bebauung vorgesehene Grundstück im Außenbereich ragt in den regionalen Grünzug | Foto: Detlev Sträter

Der Münchner Flächennutzungsplan weist dieses Areal zusätzlich als „übergeordneten Grünbezug“ aus, der sich etwa dem Verlauf der Drygalski-Allee folgend bis in den Südpark (Sendlinger Park) und weiter ins Stadtgebiet fortsetzt. An der Herterichstraße, die den regionalen Grünzug zwischen Solln und Forstenried quert, besitzt die Stadt München am westlichen Rand des Grünzugs zwei Grundstücke, die sie vor Jahren aus privater Hand vererbt bekommen hat – wie man hört mit der Maßgabe, diese nicht weiter zu bebauen. Auf dem straßenseitigen Grundstück steht ein älteres zweigeschossiges Gebäude, in dem die AWO aktuell zehn unbegleitete jugendliche Flüchtlinge betreut; das rückwärtige Grundstück ist unbebaut. Das vordere Grundstück ist im Flächennutzungsplan (FNP) wie seine Nachbargrundstücke als WR (Reines Wohngebiet), das rückwärtige Grundstück als Teil der größeren Allgemeinen Grünfläche (AG) ausgewiesen, in die es keilförmig hineinragt (s. Foto). Nun besteht unzweifelhaft Bedarf an Flüchtlingsunterkünften in München, speziell für unbegleitete Jugendliche. Die AWO hat deshalb beantragt, einen Komplex aus zweigeschossigen Gebäuden und Pavillons errichten zu dürfen, der sich über beide Grundstücke erstreckt, um hier knapp 50 Jugendliche angemessen und längerfristig unterzubringen; zunächst war von einer deutlich größeren Zahl die Rede. Die AWO sieht einen Nutzungshorizont von rund 30 Jahren. Im Bezirksausschuss herrscht Uneinigkeit. Verkehrte Welt: SPD und Grüne im BA 19 sind für den Bau der Flüchtlingsunterkunft, allen planerischen Vorgaben zum Trotz. Sie halten den Eingriff in den regionalen Grünzug für vertretbar. Die CSU-Fraktion im BA hingegen möchte den Anfängen wehren, den regionalen Grünzug anzutasten, und führt u.a. die wichtige Rolle der Frischluftschneise an, die der Grünzug für weite Teile der südwestlichen Stadt habe. Ein Einknicken zugunsten des Bauens im Grünzug könnte Signalwirkung für viele Grundstückseigentümer in und an den Rändern der Grünzüge haben, ebenfalls Baurecht zu beantragen. – Die Lokalbaukommission, die Baugenehmigungsbehörde im Planungsreferat, zeigt sich geneigt, das Bauvorhaben nach § 34 BauGB (im Zusammenhang bebauter Ortsteile) zu bewerten – obgleich eines der Grundstücke als im Aussenbereich (§ 35 BauGB) liegend einzustufen und als „Allgemeine Grünfläche“, als Teil des „Regionalen Grünzugs“ und als Teil des „übergeordneten Grünbezugs“ gewidmet ist. Ob ein Kompromißvorschlag, die vorgesehenen Baukörper allein auf dem südlichen WR-Grundstück unterzubringen, Überzeugungskraft hat, muss sich erst noch zeigen.

Im Vordergrund das Grundstück im Grünzug, im Hintergrund das bebaute Grundstück (WR) | Foto: Detlev Sträter

Im Vordergrund das Grundstück im Grünzug, im Hintergrund das bebaute Grundstück (WR) | Foto: Detlev Sträter

Fall 2: München-Bogenhausen

Im Münchner Osten, im Stadtteil Bogenhausen, erstreckt sich ein Grünzug zwischen dem Denninger Anger im Westen und dem Zamilapark im Osten, auf dem Kleingärten, Sport- und Parkanlagen, Äcker, Baumschulen und andere Freiflächenfunktionen liegen. Planerisch ist dieser Grünzug nach Darstellung im Flächennutzungsplan Teil eines „übergeordneten Grünbezugs“, der im Westen bis zur Isar und darüber hinweg reicht, nach Osten und verschwenkt nach Süden sich mit anderen Grünverbindungen vernetzt.

Auszug aus Flächennutzungsplan München: Standort Deutsche Plasser GmbH an der Friedrich-Eckart-Straße in Bogenhausen (siehe Markierung) | Abbildung: LHM

Inmitten dieses langgestreckten Grünzugs hat die Deutsche Plasser Baumaschinen GmbH ihren Firmensitz, die als Auslandsniederlassung der österreichischen Firma Plasser & Theurer fungiert. Diese stellt Maschinen für den Neubau und die Instandhaltung von Eisenbahntrassen her, ist inzwischen darin Weltmarktführerin. In den 1960er Jahren pachtete Plasser & Theurer Gebäude der Konservenfabrik Friedrich Eckart, nach deren Gründer auch die Straße benannt ist, an dem der Komplex liegt. Die Konservenfabrik war Jahrzehnte zuvor, im Jahre 1910, an diesem Standort auf dem Gelände einer ehemaligen Ziegelei entstanden. Nach und nach pachtete Plasser von der niedergehenden Konservenfabrik das gesamte Gebäudeareal und errichtete weitere Bauten für Verwaltung, Werkstätten und Lager, in denen heute mehr als 100 Mitarbeiter beschäftigt sind. Nun hat sich ein Konflikt zugespitzt, weil die Deutsche Plasser GmbH an diesem Standort mitten im Grünzug weitere Ausbaumaßnahmen beabsichtigt. Im Zuge dessen will sie den Gebäudeverhau neu ordnen und wird damit faktisch das Gelände weiter versiegeln (s. Auszug FNP) . Das Planungsreferat widerspricht vehement. Es will den Grünzug von funktionsfremder gewerblicher und anderer Bebauung durchgängig freihalten. Ob die bestehenden Gebäude überhaupt Bestandschutz haben, sei zweifelhaft; dieser könne mit der Konservenfabrik Friedrich Eckart untergegangen sein. Die Stadt drängt seit Jahren auf den Umzug der Deutschen Plasser GmbH und hat Alternativstandorte in Daglfing und Langwied angeboten. Doch das Unternehmen beharrt auf seiner Standortnähe zum Flughafen MUC II, und es fehlten ihm die Mittel für den Umzug an einen anderen Standort. Dabei hat die Stadt bereits im Jahre 2004 mit dem Unternehmen vertraglich vereinbart, dass das Nutzungsrecht am heutigen Standort nur noch befristet gilt. Damals stellte man fest, dass ein Großteil der Firmengebäude Schwarzbauten waren, die nur deshalb nachträglich genehmigt wurden, wenn die Firma innerhalb einer Frist von maximal 25 Jahren einen Alternativstandort bezogen haben werde, um die Gebäude im Grünzug dann abreißen zu können. Daran mag sich die Deutsche Plasser nicht mehr recht erinnern und glaubt, die Stadt mit ihrer Drohung, bei Verweigerung ihrer Ausbaupläne mit ihren 100 Mitarbeitern der Stadt München den Rücken kehren zu wollen, unter Druck setzen zu können. Beeindruckt hat sie damit weder das Planungsreferat noch den Bezirksausschuss Bogenhausen (BA 13). Womöglich aber den Planungsausschuss des Münchner Stadtrats. Der hat zwar Anfang Juni 2016 es abgelehnt, sich mit dem von der Deutschen Plasser GmbH eingereichten Antrag auf Einleitung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplanverfahrens (§ 12 BauGB) für ihr Firmengelände zu befassen. Als Begründung wurde aber nicht auf die Grünplanungsziele der Stadt und den geltenden Flächennutzungsplan verwiesen, sondern stattdessen in Aussicht gestellt, das von der Firma beantragte Verfahren einleiten zu wollen, „wenn vom Antragsteller der Nachweis der dauerhaften und gesicherten Verfügungsberechtigung über die Grundstücke nachgewiesen wurde“, so der dann beschlossene gemeinsame Antrag von CSU- und SPD-Fraktion. Ob es der Deutschen Plasser GmbH gelingen wird, den Nachweis seiner Eigentümerschaft an den Grundstücken zu erbringen, ggf. durch den Zukauf von weiteren Grundstücken, auf denen das Unternehmen derzeit sitzt, wird sich zeigen. Welche Bedeutung der Stadtrat dabei dann seinen eigenen Grünplanungszielen beimisst, könnte interessant werden (vgl. Konzeptgutachten Freiraum München 2030). Im Moment deutet nichts darauf hin, dass diese im vorliegenden Fall einen hohen Stellenwert haben.
Die Möglichkeiten der Regionalplanung, sich in die städtischen Planungen einzuschalten, wenn regionale Grünzüge als Flächenreserven für andere Nutzungen herhalten sollen, sind begrenzt. Der Regionale Planungsverband München wird in der Regel erst dann aktiv, wenn er im Rahmen von Bauleitplanverfahren als sog. Träger öffentlicher Belange angehört wird. Ein solches wird im Falle von Solln gar nicht erst angestrebt, wenn die Lokalbaukommission (LBK) nach § 34 BauGB und damit ohne Öffentlichkeitsbeteiligung entscheidet. Im Falle von Bogenhausen steht dies noch nicht zur Debatte. – Anderswo wehren sich Anrainer gegen die Bebauung von Grünflächen durch Wohnungen im Rahmen des städtischen Wohnungsbauprogramms „Wohnen für Alle“ – wie etwa in Trudering, wo eine Gemeinbedarfsfläche („Unnützwiese“) für Sport und Spiel mit Einfachwohnungen in Schnellbauweise bebaut werden soll (Abendzeitung v. 27.9.2016).
So eindeutig das Eintreten für den Erhalt von regionalen Grünzügen und ökologisch wichtigen Grünflächen in einer sich verdichtenden Stadt auch erscheint, so vermengen sich in den konkreten Fällen – unbewusst oder bewusst – vielfach mehrere Argumentations- und Motivationsebenen. So wird vielfach unterstellt, dass das Schutzinteresse von Grünflächen vor Bebauung weniger dem naturräumlichen Erhalt gilt als vielmehr der Abwehr der dort geplanten Nutzung: Keine Flüchtlingsunterkünfte und keine Wohnungen für Geringverdiener „in my backyard“! Andererseits sind Vermutungen nicht von der Hand zu weisen, dass die „temporäre“ Errichtung etwa von Flüchtlingsunterkünften in Grünzügen, die nach einer gewissen Zeit ja wieder entfernt werden könnten, nur die Vorhut für spätere dauerhafte Bebauungen darstellt.
Wie dem auch sei: Der Schutz von Grünzügen und Grünflächen im sich verdichtenden München wird zukünftig wohl konfliktreicher und schwieriger werden. Umso dringlicher erscheint es, hierauf ein besonderes Augenmerk zu richten, soll München und mit seinem Umland eine sozial und ökologisch lebenswerte Stadt bleiben.

Detlev Sträter

Alte Akademie: Wilhelminum, Jesuitenkolleg, Gymnasium der Jesuiten – Aspekte ihrer kulturgeschichtlichen Bedeutung

Die „Alte Akademie“ ist ein Ort, der für die Kulturgeschichte Bayerns von immenser Bedeutung ist. Vom 16. Jahrhundert bis zur weitgehenden Zerstörung im Bombenhagel des Zweiten Weltkriegs beherbergte der von Herzog Wilhelm V.  Ende des 16. Jahrhunderts errichtete Prachtbau des „Wilhelminums“, der den Machtanspruch des Jesuitenordens in der Zeit der Gegenreformation spiegelt, eine Vielzahl unterschiedlichster Institutionen, deren Wirken in vielen Facetten das Bild Bayerns bis heute prägen.

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Verpackungsfrei einkaufen – Supermarkt OHNE in der Maxvorstadt

Möchten Sie sich kurz unseren Lesern vorstellen?

Mein Name ist Hannah Sartin, ich bin 31 Jahre alt und Mitgründerin von OHNE, dem verpackungsfreien Supermarkt.

Was ist das Besondere an Ihrem Supermarkt? Wie funktioniert er?

Das Besondere an unserem Supermarkt ist, dass er auf Einwegverpackungen verzichtet. Kunden können die Ware, ähnlich wie früher im Tante-Emma-Laden, unverpackt kaufen und hierfür auch ihre eigene Verpackung, sprich: Behältnisse von zu Hause mitbringen.

Warum und wann kam die Idee zur Gründung des Supermarktes?

Angefangen hat alles damit, dass wir uns 2014 als Familie auf „zero waste“ umgestellt haben. Wir haben also versucht, müllfrei zu leben. Hierbei wurde schnell klar, dass es München an Einkaufsalternativen fehlt. Wir haben uns intensiv mit der Thematik auseinandergesetzt und dann den Entschluss gefasst, diese Alternative selbst zu eröffnen.

Sie leben auch privat nach „Zero Waste“: sehen Sie große Einschränkungen darin?

Absolut nicht. Ich empfinde es sogar eher als befreiend.

Wie lang dauert im Durchschnitt ein Einkauf bei Ihnen?

„Ohne“ Der verpackungsfreie SupermarktDas kommt ganz auf den Kunden an. Manche Kunden verabschieden sich schon nach fünf Minuten wieder, andere lassen sich Zeit oder kaufen gleich einen größeren Vorrat; die sind dann auch mal eine halbe Stunde bei uns. Wenn sie sich dazu entschließen, noch einen Kaffee bei uns zu trinken, dann auch länger.

Welche Leute/ Altersgruppen kaufen bei Ihnen ein?

Das ist ganz bunt durchmischt.

Gibt es Unterschiede zwischen Ihren Kunden und denen eines konventionellen Supermarktes?

Möglicherweise. Ich denke, einige unserer Kunden kaufen auch weiterhin im normalen Supermarkt ein. Selbstverständlich haben wir auch Kunden, die ebenfalls Zero Waste leben und sich fast ausschließlich bei uns versorgen. Das ist ganz unterschiedlich.

Welche Pläne haben Sie für die Zukunft? Wollen Sie weitere Filialen eröffnen?

Viele. Ja, wir möchten weitere Filialen in München eröffnen, am besten in jedem Stadtteil einen. Viele unserer Kunden wünschen sich das.

Ist das ein momentaner Trend oder eine langfristige Lebenseinstellung?

In unseren Augen ist es eine langfristige Lebenseinstellung. Mit dem derzeitigen Konsumverhalten werden wertvolle Ressourcen rasend schnell aufgebraucht, und Problematiken wie beispielsweise Müll im Meer oder übermäßige Lebensmittelverschwendung nehmen überhand. Mit Blick auf die Generationen, die nach uns kommen, möchten wir versuchen, jetzt ein Umdenken anzustoßen.

Die Fragen stellte Jesabel Künzel, sie ist Bachelor of Science Geographie und derzeit Praktikantin im Münchner Forum

Dieser Text ist auch in der Juli-Ausgabe der Standpunkte erschienen.

In aller Munde und allen Medien: Urban Gardening – was soll das eigentlich?

Ein Gespenst geht um in Europa, ein fröhliches buntes Gespenst mit Dreck unter den Fingernägeln: der Neue Gärtner.  Aufgetaucht aus dem Nichts, hat er in kürzester Zeit die Städte erobert. Gärtnern ist hip, junge Designer entwerfen futuristische Hängebeete und Gartenwerkzeug aus Recyclingmaterial, die Illustrierten überschlagen sich mit Geschichten über coole Guerilla-Gärtner und urbane Gemüsezüchter, ob am Flughafen Tempelhof oder auf einer Tiefgarage in St. Pauli, unter dem Olympiaturm in München oder auf stillgelegten Brauereigeländen in Köln. Fast schon ikonografisch ist das Bild von Robert Shaw vom Berliner Prinzessinnengarten, wie er lässig mit der Brause die Hochbeete wässert, Zigarette im Mundwinkel und Tweedmütze auf dem Kopf, eine skurrile Mischung aus James Dean und Henry David Thoreau.

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