Standpunkte 11.2015: Konfliktlösung in Nachbarschaft und öffentlichem Raum

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Leben in der Stadt bedeutet Vielfalt: Wohnen, Arbeiten, Erholen, Leben – alles auf engem Raum – bedeuten kurze Wege und verschaffen vielerlei Berührungs- und Anknüpfungspunkte. Hieraus entstehen Anregungen für neue Ideen, Kreativität wird freigesetzt. Urbanes Zusammenleben bedeutet aber auch, mit seinen negativen Seiten umzugehen: räumliche Dichte fördert auch soziale Dichte, Nutzungsvielfalt fordert ein Übermaß an Aufmerksamkeit ein, Lärm und andere Umweltbeeinträchtigungen erzeugen individuellen und sozialen Stress. Aus Berührungspunkten werden Reibungspunkte: Toleranzschwellen sinken, Konflikte des Miteinanders der Stadtbewohner steigen.
Die aktuelle Flüchtlings-Krise tut dabei ein Übriges. Gerade der Umgang mit dem Zustrom von Flüchtlingen zeigt, dass die zivilisatorische Basis, auf der das demokratische Europa gründet, kaum mehr als ein dünner Bodensatz ist. Wie schnell dieser erodiert, zeigt sich an den hilflosen bis bösartigen Reaktionen der Politik und daran, dass Teile der Bevölkerung allzu schnell bereit sind, demokratische Grundrechte und Traditionen zur Disposition zu stellen, wenn andere als man selbst diese auch in Anspruch zu nehmen wagen. Schauderhaft, welche Wagenburg-Reflexe zu Tage treten, wenn der eigene Wohlstand und die eigene Bequemlichkeit bedroht erscheinen.
Da ist es ein guter Ansatz, dass, zumindest hier vor Ort, professionelle Hilfe zur Schlichtung von Konflikten im urbanen Zusammenleben bereit steht – ganz gleich, ob sie aus dem Zusammentreffen unterschiedlicher sozialer Lagen, weltanschaulicher Sichtweisen, verschiedener sozialer Milieus, kultureller Hintergründe, persönlicher Motive oder altersbezogen gespeist werden. Das Sozialreferat der Landeshauptstadt München hat eine Task force eingerichtet, die bei Konflikten im öffentlichen Raum (AKIM) und im nachbarschaftlichen, sozialen Zusammenleben (SteG) eingreifen kann – wenn man bereit ist, diese Hilfe auch anzunehmen. In dieser Standpunkte-Ausgabe berichten wir ausführlich über die Bemühungen, die Folgen von Stress im sozialen Raum zu mildern.
Über Leserreaktionen zu diesem und weiteren Themen dieser Ausgabe freuen wir uns.
Detlev Sträter, 1. Vorsitzender des Programmausschusses

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Bildquellen

  • Stammsteher+und+AKIM+2: Pengfei Wu

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